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#BuchistBuch: Gleiches Recht für eBooks in Bibliotheken

Wundern Sie sich auch, warum Sie viele Bücher bei uns nicht als eBook finden, obwohl die Bücher aktuell und wichtig sind?
Beim Verleih von eBooks gibt es seit Jahren eine rechtliche Lücke, wodurch das Angebot der Bibliotheken an digitalen Neuerscheinungen stark eingeschränkt wird. Deshalb fordert der Deutsche Bibliotheks­verband die völlige rechtliche Gleich­stellung des eBooks mit dem gedruckten Buch.

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Empfehlungen April 2021

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen


 

Raum schaffen für das Wesentliche

Sjödin, Tomas: Es gibt so viel, was man nicht muss. Von der Einfachheit des Lebens, des Glaubens und der Liebe. – Holzgerlingen: SCM Hänssler, 2019. – 250 Seiten

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„Und fast immer ist es so, dass wir an den äußersten Grenzen des Lebens über die Liebe sprechen.“
Tomas Sjödin, schwedischer Pastor und Autor, hat ein Buch mit seinen Kolumnen veröffentlicht, das – wie andere Bücher von ihm – um die Themen Einfachheit, Liebe, Stille, aber auch Trauer kreist. Er genießt das Leben, obwohl er mit seiner Frau zwei von drei Söhnen beerdigen musste. Es geht um das Sortieren, was wichtig ist im Leben und was nicht. Jedes unnötige Muss sollte aussortiert werden. (Dabei ist es besser, Not-to-do-Listen aufzustellen, statt zu glauben, dass es ausreiche, etwas auf eine Liste zu schreiben – und es dann, da immer noch unerledigt, auf die nächste Liste zu übertragen.) Das kostet Kraft und belastet das „Liebes-Muss“, das einzige, für das wir uns ausreichend Zeit im Hier statt im Jetzt nehmen sollten.
Es ist ein Buch für Menschen, die (momentan mehr) Zeit haben, zu reflektieren, was das Leben bisher ausgemacht hat und ob es anders weitergehen könnte – und wenn ja, wie? Sicher ist: Nicht alles, was wir denken, tun zu müssen, müssen wir tatsächlich tun. Und es gibt Dinge, die wir nicht tun, die aber notwendig sind. Mit unserer alten Mutter einkaufen gehen, Freunde treffen, Zeit und Raum für Stille schaffen und andere Wichtigkeiten. „Mich auszuruhen bedeutet zu lieben.“
Tomas Sjödins Kolumnen spielen mitten im Leben, und sie inspirieren, zu sortieren und wegzulassen. Damit Raum bleibt für das Wesentliche.

Tanja Schleyerbach

 

Zauber-Lehrlinge leben gefährlich

Jacka, Benedict: Der Magier von London. – München: blanvalet, 2019 – 416 Seiten

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Der Magier und Hellseher Alex Verus betreibt in London einen kleinen Magiebedarfsladen und hält sich sonst eher im Hintergrund, um Ärger mit wichtigen Leuten zu vermeiden. Als immer mehr Lehrlinge der Magie verschwinden, wird er mit der Untersuchung der Fälle beauftragt. Er begleitet seine Auszubildende Luna zu einem magischen Turnier, das in einem großen Landhaus stattfindet. Dabei kommt es immer wieder zu magischen Zwischenfällen und Angriffen, bei denen ihm seine hellseherischen Fähigkeiten sehr nützlich sind. Als er das Rätsel schließlich löst, riskiert er Kopf und Kragen.
Benedict Jacka verknüpft eine vielschichtige Fantasygeschichte um das Thema Unsterblichkeit mit viel Witz und Action. Er schafft eine Parallelwelt mit besonderen Figuren wie einer Spinne, die Designerkleidung herstellt oder einer Lebensmagierin, die sich selbst heilen kann. Über den Magier von London gibt es mehrere spannende Titel, die man unabhängig voneinander lesen kann. Wer Ben Aaronovitch mag, wird Alex Verus lieben.

Maria Weber

 

Die faszinierende Musik des Tango Nuvo

Astor Piazzolla (1921-1992)

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Astor Piazzolla – der Name des argentinischen Musikers und Komponisten, der am 11. März geboren wurde, steht für eine besonders kraftvolle und prägnante Musik. Seit 1955 entwickelte er mit seinem Octeto Bueno Aires den Tango Nuevo, eine Musik, die auf dem traditionellen argentinischen Tango beruht, aber weit darüber hinausgeht. Piazzolla stilisierte die tanzbare Musik zu etwas ganz Neuem. Mit seinem berühmten Quintett und seinem unverkennbaren Instrument, dem Bandoneon, prägte er einen eindrücklichen Klang, der in der ganzen Welt Begeisterung hervorruft. Die Musik integriert Mittel des Jazz und der europäischen Klassik und besticht durch ihre Lebendigkeit. Sie ist höchst virtuos und voller Leidenschaft und Gefühl. Wer sie nicht kennt, muss diese fantastische, starke Musik unbedingt entdecken!
Weniger bekannt ist Piazzollas Liebe zur Musik von Johann Sebastian Bach, mit dem er den Geburtsmonat März teilt. Den Widerhall der barocken Musik Bachs kann man in einigen Tangos von Astor Piazzolla wunderbar heraushören. In der Naxos Music Library finden sich in der Rubrik „Playlists“ unter „Aktuelle Themen “ hervorragende Einspielungen.

Axel Blase

 

Harte Zeiten

Berg, Sibylle: GRM. – Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2019. – 633 Seiten

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„Es war die Zeit, in der zur realen Grausamkeit der Menschen noch die virtuelle hinzugefügt wurde.“

Die Leser:innen begleiten vier Kinder aus Rochdale, England. Die Ärmsten der Armen – nicht nur finanziell, sondern auch sozial, ohne jegliche Hoffnung auf ein „Leben“. Denn Kinder sind in dieser Welt keine vollwertigen Menschen. Zu den Perspektiven der Kinder kommen auch ein paar Erwachsene: ITler, die die neue Welt programmieren und maßlos überforderte paralysierte Eltern. Alte weiße Männer, die als einzige vom harten Kapitalismus dieser Zeit profitieren und schlichte abgestumpfte Verbrecher.
GRM ist eine Zukunftsvision im Kaliber von Schöne Neue Welt und 1984, nur lässt Berg durch die nur schleichende Erläuterung des technischen Fortschritts die Leser:innen leicht vergessen, dass die Welt im Buch nicht ihrer eigenen entspricht. Fesselnd und schockierend.

Clara Schilling

 

Kinderfragen und eine tiefe Freundschaft

Die Götter von Molenbeek. – Regie: Reetta Huhtanen, 2020. – 1 DVD. – 73 Min.

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Reetta Huhtanen wirft mit diesem Film einen Blick in den Alltag des Brüsseler Stadtteils Molenbeek, in dem Terroristen des Attentats von Paris wohnten und der als europäische Brutstätte dschihadistischen Gedankenguts und als deren Zentrum gilt. Aatos, Amine und Flo wachsen im selben Mietshaus auf, und sie sind Freunde, man könnte glauben, Freunde für's Leben. Sie diskutieren immer wieder über Gott, und Amine ist sich sicher, mit Allah auf der richtigen Seite zu sein. Aatos, der finnische Neffe der Regisseurin, sucht sich seine eigenen Götter und verkleidet sich im Stil der Götter aus der griechischen Mythologie. Flo hingegen ist überzeugt, dass alle, die an einen Gott oder mehrere glauben, verrückt sein müssen. Die Freundschaft der drei Kinder steht über ihren Dialogen und Erörterungen. Sie können die andere Meinung stehenlassen, ohne dass ihre Beziehung davon berührt wird. Sie spielen auf einem imaginären fliegenden Teppich, um zu ihren Vorfahren zu gelangen, entdecken schwarze Löcher und tun alles, womit 6-jährige Kinder unbeschwert und fröhlich ihren Alltag verbringen.

Während der Dreharbeiten passiert in Brüssel ein Terroranschlag. Die Kinder sind fassungslos und verstört, weil Erwachsene anderen Menschen sinnlos Gewalt antun. Die Eltern der Kinder spielen nur im Hintergrund eine Rolle und unterstützen die Kinder in ihrer Freundschaft. Huhtanen hat sie in wunderbaren Bildern vor dem Hintergrund des religiösen Fanatismus in ihrem Viertel eingefangen und stellt Erwachsene damit vor Fragen, die nach einer Antwort verlangen.

Aatos muss schließlich nach Finnland zurückkehren. Die letzte Szene zeigt erneut die tiefe und ehrliche Freundschaft der beiden Jungen, wie sehr sie emotional aneinanderhängen und sich ein Leben ohne den anderen nicht vorstellen können.

Tanja Schleyerbach

 

Vom Suchen und Finden

Doris Knecht: weg. – Berlin: Rowohlt, 2019. – 300 Seiten

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Heidi ahnt, dass nicht alles in Ordnung ist. Ihre Tochter Charlotte wird vermisst. Charlotte leidet unter einer drogeninduzierten Psychose. Heidi erfährt schließlich, dass sich ihre Tochter in Vietnam aufhalten soll. Sie beschließt ihrer Tochter nachzureisen. Charlottes Vater, Georg, schließt sich ihr widerwillig an. Die beiden haben sich wenig zu sagen, die Trennung liegt Jahre zurück, allein die gemeinsame Tochter und die Sorge um diese verbindet sie noch.
Nach und nach wird durch bewegende Monologe das Innere der Beteiligten offengelegt. Das Vergangene und das Jetzt werden miteinander verbunden. Eine lesenswertes Familienpotrait!

Lisa Weber

 

Ökosiedlung in der Sackgasse

Deck, Julia: Privateigentum. – Berlin: Verlag Klaus Wagenbach, 2020. – 139 Seiten

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„Wir waren sicher, dass es eine gute Investition war“. Eva, die Stadtplanerin und ihr Mann Charles sind seit 30 Jahren verheiratet, lebten bisher in Paris und ziehen nun in eine Vorortsiedlung, voller Hoffnung auf ein besseres Leben. Neu gebaute Doppelhaushälfte, ökologisch, energiesparend, nachhaltig, hochwertig. Nahverkehrsanschluss an die Großstadt, Kompostanlage, Selbstversorger-Gemüsegarten und viel Grün drum rum. Und Nachbarn. Und die sind das Problem. Bei Aperitif, Kaffee und kleinen Partys begegnet man sich und es kommt wie es kommen muss. Die lieben Nachbarn offenbaren nach und nach, was hinter der Fassade öko-bourgeoiser Wohlanständigkeit steckt. Die Icherzählerin selbst ist da ebenso unzuverlässig und rückt erst nach und nach heraus, was es mit ihrer Ehe auf sich hat: Ihr Mann Charles ist schwer depressiv. Nicht nur die Dynamik zwischen den Bewohnern hat es in sich, sondern auch die äußeren Bedingungen entfalten eine Dramatik. Die Wände sind zu dünn, das Heizsystem entpuppt sich als Desaster. Kein Wunder, dass der Kater irgendwann massakriert und die Nachbarin vermisst wird….
„Die französische Schriftstellerin Julia Deck ist eine Schlamassel-Spezialistin“, schrieb die Rezensentin vom Deutschlandrundfunk. Dem kann ich nur begeistert zustimmen. Schlamassel-Spezialistin Julia Deck bürgt für reinstes und boshaftes Lesevergnügen: Hinweise, Rätsel und Andeutungen, falsche Spuren, ein hinreißender Handlungsrhythmus. Eigenheimbesitzer/innen werden diesen Roman lieben

Andrea Däuwel-Bernd

 

Kopfkinoreise einmal quer über die Alpen

Ruhland, Nina und Jorda, Christoph: Traum und Abenteuer. Der E5. Begegnungen und Grenzerfahrungen auf der Alpenquerung zwischen Oberstdorf und Meran. – Bruckmann Verlag, 2019. – 192 Seiten

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Nina Ruhland ist Journalistin und seit ihrer E5-Alpenquerung in vier Wochen vom Bodensee nach Verona auch Bergführerin. Die Berge haben sie verändert, und sie hat ihr Leben nach dieser Tour verändert. Sie hat ihre Festanstellung gekündigt und die Selbstständigkeit gewählt.
Christoph Jordas Fotos entstehen in den Bergen und in den Krisengebieten der Welt. Gemeinsam haben die beiden Autoren mit ihrem großformatigen, großzügigen Bildband einen fantastischen Einblick in die Welt des E5 gegeben für die Wanderer, die in der verkürzten Variante von Oberstdorf nach Meran die Alpen zu Fuß überqueren.
Nina Ruhland beschönigt nichts, sie schildert realistisch, dass auch diese Alpenquerung kein Spaziergang ist, eine sehr gute Kondition erfordert, eine mentale und körperliche Herausforderung für jede*n darstellt und das Wetter und die Berge dabei nicht zu unterschätzen sind. Sie beschreibt das harte Leben auf den Almen, erklärt die Regeln für Wanderer und gibt praktische Tipps zum Packen eines möglichst leichten und perfekt für alle Situationen ausgestatteten Rucksacks. Die Streckenabschnitte werden in ihrer Schönheit und mit ihren Herausforderungen detailliert beschrieben und mit Geschichten von ihren Bergwanderführungen angereichert.
Bevor man sich selbst auf diesen Weg macht, ist dieser Bildband eine große Hilfe zur Selbsteinschätzung und dient zur Vorbereitung und Motivation. Gruselige Fotos von geschundenen und verbunden Füßen sind darin ebenso zu finden, wie zünftige Almhüttenaufnahmen und Landschaftsfotos, von denen man nicht genug bekommen kann. Das Buch ist eine einzigartige Kombination von Text und Bild für eine Kopfkinoreise einmal quer über die Alpen. Man sollte es vor und kann es nach der Tour immer wieder zur Hand nehmen.

Tanja Schleyerbach