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Empfehlungen Juni 2020

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

     

 

#zuhausebleiben

Schreiber, Daniel: Zuhause. Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen. – Berlin 2017. – 139 Seiten

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Link zur Lesung durch den Autor: YouTube-Video auf zehnseiten.de

„Es war eine sehr dunkle Zeit für mich und hielt auch lange an. Und im Laufe der Auseinander­setzung mit dieser Zeit ist für mich klar geworden: es geht hier um die Suche nach einem Zuhause. Es geht um die Sehnsucht nach Verwurzelung, nach dem Gefühl – ja – sich aufgehoben zu fühlen.“ (Daniel Schreiber)

Sich aufgehoben, sich sicher fühlen, das hat in Corona-Zeiten einen Ort: Zuhause. Für Daniel Schreiber ist das Zuhause aber auch ein imaginärer Ort, den er ersehnt, dem er nachspürt. Es ist eine auto­bio­graphische Suche nach allem, was man mit Heimat verbindet. Und so beschreibt der Autor seine eigene Geschichte, erzählt vom Aufwachsen in der DDR, von Erfahrungen eines modernen Nomaden im Ausland und vom Leben als Homosexueller. Für alle, die gerade „#zuhausebleiben“, aber irgendwie doch noch nicht angekommen sind.

Jutta Zimmermann

 

Ausflüge in die Geschichte

Welterbe in Baden-Württemberg. Von den Höhlen der Eiszeitkunst zu den Häusern Le Corbusiers. – Tübingen: Silberburg-Verlag, 2019. – 175 Seiten

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Spontan würde man da als Schwabe wohl sagen: „Wir können alles, auch Welt­kultur­erbe“. Sechs Welt­kultur­erbe-Stätten liegen in Baden-Württemberg, von 1121 welt­weit und 46 in Deutschland. Immerhin! Baden-Württemberg hat ja einiges zu bieten. Die Kloster­anlage der Zisterzienser in Maulbronn war die erste Weltkultur-Stätte im Bundesland, danach folgten die Kloster­insel Reichenau, der Obergermanisch-Raetische Limes und die Prähistorischen Pfahlbauen um die Alpen am Bodensee. Die jüngsten Stätten sind das architektonische Werk von Le Corbusier, die sich in den Stuttgarter Häusern manifestieren, und die Höhlen und Eiszeit­kunst der Schwäbischen Alb. Beide sind sie grenz­über­schreitende und transnationale Welterbe-Stätten. Gerade sie tragen also zu dem Gedanken der welt­umfassenden Gemein­schaft, der in Welt­kultur­erbe steckt, besonders bei. Alle sechs Stätten stellt das Buch schön bebildert vor und mit einem drei­sprachigen Text in Deutsch, Englisch und Französisch. So macht er Lust auf Ausflüge in die Geschichte.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Widerstand in der Provinz

Wackersdorf. – Regie: Oliver Haffner. – 1 DVD, 2019. – 118 Min.

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Die Arbeits­losen­zahlen in den 80er Jahren in der Oberpfalz steigen, und der damalige Landrat des Landkreises Schwandorf, Hans Schuierer (Johannes Zeiler), ist versucht, den von der bayerischen Regierung geplanten Bau einer atomaren Wieder­auf­bereitungs­anlage (WAA) in Wackersdorf, der einen wirt­schaft­lichen Auf­schwung für die ganze Region in Aussicht stellt, zu unter­stützen. Als der Freistaat ohne rechtliche Grundlage mit Gewalt gegen Proteste einer Bürger­initiative vorgeht, beginnt Schuirer nach­zu­forschen und legt sich widerständig mit der all­mächtigen Strauß-Regierung an. Eindrücklich werden die Macht­strukturen der damaligen Zeit und der letztlich erfolg­reiche Kampf durch viele juristische Instanzen offen­gelegt. Beeindruckende Verfilmung über die Wandlung und Zivil­courage eines weit­sichtigen bayerischen Landes­politikers.

Tanja Schleyerbach

 

Umweltschutz für Klein und Groß

French, Jess: So viel Müll! Wie du die Umwelt schützen kannst. – München: Dorling Kindersley 2019. – 72 Seiten

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Menschen produzieren sehr viel Müll und keiner weiß, wohin damit. Jess French nähert sich dem Thema langsam an, indem sie zunächst die zusammen­hängenden Gebiete wie Umwelt­verschmutzung, Ressourcen der Erde, Klimawandel, Plastik, Erneuerbare Energien und Lebens­mittel­verschwendung beschreibt. Sie nennt die Auswirkungen auf unser Leben wie Zerstörung der Wälder, Aussterben von Tierarten und mit Plastik vermüllte Meere. Von den großen Gebieten nähert sie sich dem Hausmüll. Dieser besteht unter anderem aus Plastik, Nahrung, Elektro­schrott und Kleidung. Es stellt sich die Frage, wie man Müll vermeiden oder reduzieren kann. Die Autorin zeigt hier Wege auf, z. B. indem man recycelt oder das Konsum­verhalten ändert. Das Buch enthält kurze Text­abschnitte, zahl­reiche Fotos und farbige Illustrationen. Die Gestaltung des Buchs ist so abwechslungs­reich, dass das Interesse der Kinder sofort geweckt wird. Ein spannendes und informatives Sachbuch für Kinder ab 9 Jahren und auch Erwachsene zu einem Thema, das uns alle angeht.

Beate Reichmann

 

Requiem auf eine normannische Frau

Ernaux, Annie. Eine Frau. – Berlin: Suhrkamp 2020. – 88 Seiten

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„Ich habe die letzte Brücke zu der Welt, aus der ich stamme, verloren.“

Dieser schmale Band hat es in sich. Ein  schmerzhaftes, unsentimentales, aber auch zärtliches Requiem über eine normannische Frau und eine Tochter-Mutter-Beziehung.

Die „Eine Frau“ ist Annies Mutter, gestorben am Montag, den 7. April 1986, im Altersheim des Kranken­hauses von Pontoise. 13 Tage später beginnt Annie Ernaux zu erzählen, schlicht und ergreifend von ihrer lebens­freudigen Mutter, geboren in der Normandie um die Jahr­hundert­wende, die sich als Ehe­frau und zweifache Mutter von einer Arbeiterin zur Laden­besitzerin „hochgearbeitet“ hat. Tiefgründig berichtet Annie von Alltäglichem. Von der Nachkriegszeit und deren gesell­schaftlichen Umbrüchen, von Strenge und Humor in der Erziehung und über ihren eigenen Lebensweg, den sie in Relation zu dem ihrer Mutter setzt. Diese finanziert mit einfachen Arbeiten ihr Studium und ihre Bildung, und Annie verwirklicht sich. Ihre Mutter muss es wie einen Angriff auf ihre eigene Lebens­weise empfunden haben, weil Annie all das tut, wozu sie nicht die Möglichkeit hatte – und später hat sie auch keine Kraft mehr, aus alten Strukturen auszubrechen. Ihr Leben und ihre Persönlichkeit verlieren sich in der Alzheimer Krankheit, schwer zu ertragen für Annie. Ernaux‘ Buch ist eine messerscharfe psycho­logische und gesell­schaftliche Analyse und verzichtet auf jedes überflüssige Wort. 1983 erschien von ihr ein Buch anlässlich des Todes ihres Vaters: „Der Platz“. Daraus kennen wir Annies Elternhaus bereits.

„Jetzt habe ich das Gefühl, als schriebe ich über meine Mutter, um sie dadurch zur Welt zu bringen.“ Der voraussehbare Tod ist unerträglich für Annie. Alle Erinnerungen und Gefühle brodeln noch einmal nach oben. Sie wird die Stimme ihrer Mutter niemals mehr hören. Großartige Literatur.

Tanja Schleyerbach

 

Umstrittene Bücher

Ottawa, Clemens: Skandal! Die provokantesten Bücher der Literaturgeschichte. – Springe: zu Klampen Verlag, 2019. – 228 Seiten

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Schriftsteller und Schriftsteller­innen haben schon lange erkannt, dass sich „Skandal“ rentiert und können vor allem heute gut davon leben. Das zeigen die Bücher von Charlotte Roche, E.L. James oder auch von Thilo Sarrazin. Öffentliche Debatten über ein Werk verfehlen, was die Verkaufs­zahlen betrifft, ihren Sinn niemals. Vor allen Dingen aber: „Sex sells“.   Was solche Werke ausmacht, und wie sie vom Publikum und den Kritikern aufgenommen wurden, kann man in diesem  Sachbuch nachlesen. Sechzig provokante oder auch nur diskussions­würdige Bücher der Weltliteratur von Boccaccios "Decamerone" über Marquis de Sade „Die 120 Tage von Sodom“ bis hin zu E.L. James' "Fifty Shades of Gray", aber auch formal unkonven­tionelle, heute anerkannte Texte werden auf Anstößig­keiten und zeit­genössische Umstände hin unterhaltsam hinterfragt.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Empfehlungen Mai 2020

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen


 

Meinungsbildung!

Horaczek, Nina; Wiese, Sebastian: Gegen Vorurteile. – Wien: Czernin Verlag, 2017. – 277 Seiten

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„Schrankenlose Freiheit gibt es nicht – auch nicht für Meinungen“. Dies wird im Buch „Gegen Vorurteile“ von Nina Horaczeks und Sebastian Wiese beispiels­weise anhand des Kapitels „Die Auschwitzlüge“ erläutert. Aber auch andere Behauptungen, wie etwa „Ausländer kosten und nehmen uns die Arbeits­plätze weg“ oder „Das Kopftuch ist ein politisches Symbol“, werden sehr differenziert überprüft und entkräftet. Obwohl die hierfür verwendeten Statistiken aus Deutschland und Österreich nicht ganz aktuell sind (das Buch ist bereits 2017 erschienen), wird deutlich, wie ein kluger Umgang mit Zahlen und Fakten funktioniert, und welche Recherchen zur Meinungs­bildung notwendig sind. Ein Nachdenken über Fake News ist in diesem Buch von Nina Horaczeks und Sebastian Wiese natürlich inklusive, und vielleicht schafft es ja die Corona-Lüge in eine Neuauflage? „Gegen Vorurteile“ – ein wichtiges und für Jugendliche ab 14 sowie für Erwachsene empfohlenes Buch.

Jutta Zimmermann

 

Urkomisch erzähltes und hinreißend illustriertes Kinderbuch über die Zeit

Meike Haberstock: Anton hat Zeit, keine Ahnung, warum. – Hamburg: Oetinger 2015. – 108 Seiten

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„Alarmstufe 1 trat ein, wenn er mal wieder VIEL und Mama KEINE Zeit hatte. Je mehr Zeit er sich für etwas nahm, desto weniger hatte sie… Eigentlich müsste man Zeit doch zusammenrechnen können wie Murmeln.“
Keine Ahnung, warum die Erwachsenen keine Zeit haben. Und Mamili erst recht nicht, sie ist ein ganz und gar hoffnungs­loser Fall. Für Anton, der alleine mit seiner Mamili lebt, ist das ein großes Rätsel. Er sieht sie ständig zwei oder mehr Dinge gleich­zeitig tun. Alleine morgens muss sie acht Dinge tun, bevor die beiden in unter­schied­lichen Tempi das Haus verlassen. Manchmal ist nicht einmal mehr Zeit zum Beeilen. Er hingegen seift sich während Mamilis morgend­licher Erledigungen ausgiebig und hin­gebungs­voll ein, malt sich einen Fuß passend zum Farbtag mit Wasser­farben an und beißt sich ein Hasenbrot zurecht. Manchmal wäscht er die Wäsche auch in der Spülmaschine. Anton muss anschließend erfahren, dass es verschiedene Alarm­stufen bei Mama gibt. Und erleichtert fest­stellen, dass Opa und Anton alle Zeit der Welt haben.
Wir lesen Antons Geschichten vom bus­fahrenden Chamäleon, vom Kampf mit dem Mammut, vom Über-Dem-Gürtel-Tier, von einer Eichhörnchen­beerdigung und kommen letztlich dem Uhren­geheimnis auf die Spur.
Urkomisch sind die herrlichen Bilder und mitreißend humorvoll ist Antons Weltsicht, beides lockert die Bauch­muskulatur, und das Buch ist besonders Erwachsenen zu empfehlen, denen es spielerisch ein mehrere hundert Seiten umfassendes Zeit­management- oder Philosophie­buch ersetzen kann. Dieses Buch hat nur wenig mehr als 14.000 Wörter, und es zu lesen dauert in etwa so lange, wie man braucht, um alle Kuschel­tiere einzucremen und ihnen anschließend dabei zuzusehen, wie sie von Mamili in der Wasch­maschine gewaschen werden. Kein Wunder, dass die Autorin und Illustratorin von sich selbst sagt, dass sie sich am liebsten „rund um die Uhr Quatsch ausdenkt“.

Tanja Schleyerbach

 

Poweroma

Bronsky, Alina: Der Zopf meiner Großmutter. – Gelesen von Sophie Rois. – Roof Music/Tacheles (4 CDs). – 5 Stunden, 17 Minuten

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Die rauhe und doch so facetten­reiche Stimme von Schau­spielerin Sophie Rois hat mich gleich in ihren Bann gezogen, und so wurde das Hörbuch „Der Zopf meiner Großmutter“ von Alina Bronsky für mich zum echten Hör­erlebnis. Über fünf spannende, lustige, sarkastische und gefühl­volle Stunden ohne eine Spur Langeweile waren garantiert. Um was geht es?
Max, Oma und Opa sind aus Russland aus­gesiedelt und leben jetzt im Flüchtlings­heim in Deutschland. Die Groß­mutter behütet ihren Enkel vor jedem wirklichen und erfundenen Staubkorn, was zu grotesken Situationen führt, der Großvater schweigt, der Enkel Max wundert sich über die Welt und kommt nach und nach den Geheim­nissen der Erwachsenen auf die Spur. Die Schau­spielerin Sophie Rois beherrscht beim Vorlesen all die Gefühls­nuancen der Großmutter: Besorgnis, Empörung, Hochmut, Verbitterung, Angeberei, Sorge und Verzweiflung. Und die Geschichte entwickelt sich zu einem spannenden Familiendrama.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Aufschrei im Wald

Marcus Pfister: Wer hat die Haselnuss geklaut? Eine Räubergeschichte. Zürich: Nordsüd 2019. – 28 ungezählte Seiten

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Ein Schrei gellt durch den Wald. Es ist das fassungs­lose Eich­hörnchen, das drei Nüsse vermisst. Wer ist der Dieb? Es könnte jeder sein. Der Maulwurf hat die Nüsse vielleicht in seinem Hügel versteckt, der Hamster in seinen dicken Backen. Die Maus, der Hase und der Fuchs werden ebenfalls verdächtigt. Alle Beteiligten bestreiten empört den Raub. Als der Fuchs dem Eich­hörnchen sagt, es solle endlich ver­schwinden, zieht sich dieses traurig zurück. Aber wo sind jetzt die Haselnüsse und sind sie wirklich gestohlen worden?
Das Bilderbuch hat wunderschöne Zeichnungen, die Erwachsene und Kinder gleicher­maßen verzaubern. Die Geschichte wird von Marcus Pfister in Reimen witzig erzählt und bietet gleich­zeitig Denk­anstöße für jedes Alter. Man sollte nicht immer gleich jemanden verdächtigen, sondern erst in Ruhe nachdenken.

Beate Reichmann

 

Die türkische Metropole und ihre Katzen

Kedi. Regie: Ceyda Torun. – Türkei/USA 2016. – 1 DVD. – 76 Minuten.

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Für einen heiter-entspannten Filmabend sorgen Istanbuls Katzen, in bezaubernden Bildern eingefangen von der türkischen Regisseurin Ceyda Torun. Es sind tausende: Eigenwillig, intelligent, anschmiegsam, unabhängig, räuberisch, kämpferisch, stolz und leise streifen die sieben freiheits­liebenden ausgesuchten Persönlich­keiten durch Istanbuls Straßen und verzaubern die Menschen, denen sie nicht gehören und die doch in einer Beziehung zu ihnen leben. Gleich­gültig lassen die Katzen kaum einen von ihnen, und wir lernen leiden­schaftliche türkische Männer kennen, die einige mit der Flasche groß­ziehen und mit Essens­tüten täglich Runden laufen, um die Straßen­katzen zu versorgen. Herz­erwärmend, tierisch und zugleich menschlich ist dieser Einblick in Istanbuls Leben und seine Bewohner. Ein Must-See für alle Katzen­liebhaber und Menschen, die es noch nicht sind.

Tanja Schleyerbach

 

Alte und neue Straßen

Deen, Mathijs: Über alte Wege. Eine Reise durch die Geschichte Europas. – Köln: DuMont 2019. – 415 Seiten

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Eine Bodenwelle ist Quelle für ein ganz besonders Vergnügen. Der Familien-2CV braust auf dem Weg zu Oma und Opa darüber und fliegt zur Freude der ganzen Familie sekunden­bruchlang gen Himmel, die Straße heißt E8. Eine jener Straßen, die Europa seit Jahr­tausenden durch­ziehen, und das Kindheits­erlebnis werden Inspiration für ein ganz besonderes Sachbuch. Denn Straßen spielen eine heimliche, aber unverzichtbare Hauptrolle in der Geschichte des Kontinents, denn seit der erste Mensch den europäischen Kontinent betrat, sind wir unterwegs. Viele alte Wege Europas entstanden infolge von Völker­wanderungen, Kriegen und Feld­zügen. Urzeit­liche Jäger und Sammler, die vom Süden aus bis in den obersten Norden vor­dringen, die Menschen der Völker­wanderungs­zeit, die auf der Suche nach neuen Siedlungs­gebieten kreuz und quer durch Europa ziehen, Wege­lagerer, die an den römischen Straßen nach Reisenden spähen, Glaubende, die – um des Seelen­friedens willen – von Island bis nach Rom pilgern, Verfolgte und Händler, Soldaten, Renn­fahrer und Migranten. Ihre Lebens­geschichten sind alle mit Straßen verbunden, und der nieder­ländische Autor Mathijs Deen hat sie auf­geschrieben und ein spannendes Konglomerat geschaffen. Eine Mischung aus Lebens­beschreibungen, literarischen Betrachtungen und Sachbuch, Fiktion ver­mischt sich mit historischen Fakten. Acht historisch verbürgte Lebens­schicksale hat er für sein Buch ausgewählt. Für alle, die gerne Biografien lesen.

Andrea Däuwel-Bernd