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Empfehlungen Februar / März 2019

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

       


 

Von Allem ein bisschen, nur nicht langweilig

Kidd, Jess: Heilige und andere Tote. Köln: DuMont, 2018, 381 Seiten

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Was ist das nun für ein Buch? Krimi, Mystery oder Familiengeschichte? In welche Schublade man „Heilige und andere Tote“ von Jess Kidd stecken soll, ist nicht so einfach zu beantworten. Ein mysteriöser Kriminalfall, ein bisschen Übersinnliches, aufbereitet mit toller Fabulierkunst und viel Wortwitz, abgedrehten Protagonisten und skurrilen Szenen.
Maud ist Sozialbetreuerin und soll den mürrischen Cathal Flood in seinem riesigen, völlig zugemüllten Anwesen betreuen. Doch der alte Herr ist nicht nur ein Messie, sondern scheint eine traurige Geschichte mit sich herumzutragen. Als Maud ein Foto mit dem ausgebrannten Gesicht eines kleinen Mädchens entdeckt, wird ihre Neugier geweckt und sie macht sich auf Spurensuche. Unterstützt wird sie von ihrer Vermieterin und einer Riege völlig abgedrehter Heiliger, die nur in ihrer Phantasie existieren.
Eine Geschichte mit ganz eigenem poetischem Stil und, in die man sich hineinfallen lassen kann. Ein Buch für eine lange Lesenacht – was will man mehr?

Andrea Däuwel-Bernd

 

Vielseitig mit neuen Tönen

Peirani, Vincent: Living Being II – Night Walker. – München, ACT Music: 2018 – 1 CD

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Warum erobern seit geraumer Zeit viele französische Spitzenmusiker im Sturm die Herzen der Hörer? Absolute Präzision gepaart mit individuellem Klangcharme, eigenständig geschmackvolle Interpretationen, fantasievolle Kompositionen – so könnte man einige Etikette aufzählen, um den besonderen Esprit dieser Musiker zu benennen. Zu ihnen zählen das Quatuor Ebène, die Brüder Capucon oder im Jazz der Akkordeonist Vincent Peirani.
Dessen Musik auf der neuen CD “Living Being II - Night Walker“ ist ein Wunder an Vielseitigkeit, Leichtigkeit und neuen Tönen.

Axel Blase

 

Letzte Reise mit unerwartetem Zwischenstopp

Das Leuchten der Erinnerung. – Regie: Paolo Virzi. – 1 DVD, 108 Min.

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Die Liebe ihres Lebens sind Ella und John füreinander, gemeinsam gealtert, und sie müssen sich nun immer öfter mit Johns Alzheimer-Schüben auseinandersetzen. Das führt bisweilen zu urkomischen, in anderen Fällen zu dramatischen Szenen. Die beiden machen sich mit einem Wohnmobil klammheimlich auf zu ihrer letzten Reise zum Hemingway-Haus. Ihre Kinder versuchen verzweifelt, sie zurückzuholen und ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen – vergeblich. Als ehemaliger Lehrer kann John Hemingway-Zitate monologartig repetieren, weiß aber den Namen seiner Frau und Kinder nicht mehr. Als er Ella unterwegs mit ihrer Nachbarin Lillian verwechselt und über ihre heimlichen Treffen während Ellas erster Schwangerschaft redet, ist es um Ellas Fassung geschehen. Sie steckt ihn in das schlechteste Altersheim, das sie im Umkreis finden kann. Nach einer Phase der Abkühlung überlegt es sich die temperamentvolle Ella wieder anders, holt ihn ebenso ungestüm wieder heraus und setzt die gemeinsame Reise mit John am Steuer fort. Immer wieder kommt es zu Ereignissen, die die Lachmuskulatur über Gebühr beanspruchen. Als bei ihr Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, beschließt sie, ihren Kindern zu ersparen, für John zu sorgen und leitet den gemeinsamen Tod ein. Ein lebensnahes, berührendes und immer wieder erfrischendes Liebesabenteuer eines Ehepaars auf ihrer letzten Reise, mit Helen Mirren und Donald Sutherland getragen von zwei großartigen Schauspielern.

Tanja Schleyerbach

 

Wenn das Blut in den Adern gefriert

Simmons, Dan: Terror. – München: Wilhelm Heyne Verlag, 2009. – 989 Seiten

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1845 stachen zwei britische Expeditionsschiffe, die Terror und die Erebus, unter dem Kommando von Sir John Franklin in See, um die sagenumwobene Nordwestpassage zu finden. Ausgestattet mit Vorräten für mehr als drei Jahre, je einer 15 Tonnen schweren Dampfmaschine zum Beheizen der Schiffe und unvorstellbar großem Mut wollte die 133 Mann starke Besatzung in die Geschichte der Seefahrt eingehen. 1848 deponierten einige Männer unter der Leitung von Francis Crozier eine handschriftliche Nachricht in einem steinernen Denkmal auf King-William-Island. Danach wurden die Männer nicht mehr gesehen. Erst 2016 wurde die Terror südlich der Insel entdeckt, zwei Jahre zuvor die Erebus.
Klingt nach einem spannenden Plot? Ja – jedoch ist das alles tatsächlich so passiert. Was unbekannt bleibt, sind die Jahre nach 1845, als die Expedition bei Grönland ein letztes Mal gesehen wurde. Der US-amerikanische Schriftsteller Dan Simmons konstruierte die Jahre 1846 bis 1848 fiktiv nach. Heraus kam ein spannender Thriller mit fantasyartigen Elementen: Ein riesiges, weißes Etwas treibt sein Unwesen um die eingefrorenen Schiffe und bringt die Besatzung langsam, aber sicher um den Verstand. Klingt unwirklich? Wer weiß, zu welch abgrundtiefen Schrecken der Geist eines Menschen fähig ist, wenn er nichts mehr kennt außer ewiger Nacht und Packeis…
Der fast tausend Seiten starke Roman fesselt den Leser und lässt ihm kalte Schauer über den Rücken jagen. Die Figuren, allen voran Francis Crozier, sind größtenteils sympathisch und man fiebert mit der Besatzung mit, in der Hoffnung, dass sie doch noch gerettet werden. Für alle, die an Themen wie der Schiffsfahrt im 19. Jahrhundert interessiert sind, aber auch für die, die einen spannenden Thriller mit Abgründen erwarten.

Jessica Grobelnik

 

Auf der Suche nach einem Mauseschatz

Kuhlmann, Torben: Edison. Das Rätsel des verschollenen Mauseschatzes. – Zürich: NordSüd Verlag, 2018 – 108 ungezählte Seiten

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Eine junge Maus bittet den betagten Mäuseprofessor um Hilfe. Ihr Vorfahr hat ihr eine Notiz mit einem Hinweis auf einem Schatz hinterlassen. Auf ihrer Suche erfahren die beiden, dass der Schatz in einem gesunkenen Schiff im Atlantik liegen muss. Zur Bergung des Schatzes müssen sie eine Taucherglocke, oder besser noch, ein Unterseeboot bauen. Für die beiden Mäuse kein einfaches und dazu eine gefährliches Unterfangen...
Nach Lindbergh und Armstrong ist dies das dritte Buch von Torben Kuhlmann, bei dem er seine Mäuse mit den Großen der Weltgeschichte in Verbindung bringt. Es besticht vor allem durch seine eindrucksvollen und detailreichen Bilder des Autors und Illustrators, denn sie greifen die Atmosphäre einer vergangenen Zeit wunderbar auf.
Ein gelungener Vorleseschatz für Kinder ab 4 Jahren.

Simone Langer

 

weit. - zum Schauen, Blättern und Lesen

weit. Die Geschichte von einem Weg um die Welt. Regie: Patrick Allgaier und Gwendolin Weisser. – 2017. –  DVD, 127 Min.

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„weit“ ist ein grenzüberschreitender Film, räumt mit vielen Vorurteilen auf und macht Lust auf Reisen und andere Kulturen als die eigene. Er ist voller bezaubernder, überraschender und gut gelaunter Momente, und wenn man in diesem Film eines lernen kann, dann, dass Glücklichsein, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht von der Kultur und äußerem Reichtum abhängen. Wie selbstverständlich Menschen unter weniger bequemen Lebensumständen als den eigenen unglaublich offenherzig und ansteckend fröhlich sein können. "weit“ dokumentiert eine Reise auf dem Land- und Schiffsweg von West nach Ost und wieder zurück in den Westen gegen (teilweise berechtigte) Ängste, mit Umwegen und kleinstem Budget, angewiesen auf den guten Willen spontaner Gastgeber, Trucker und vieler Helfer, mit dem Zelt im Dauerregen, eintönigen Mahlzeiten, frustrierenden Behördengängen, zahllosen Tramp-Begegnungen, viel Zeit für spontane längere Aufenthalte und Umplanungen und schließlich der Geburt des gemeinsamen Kindes in Mexiko. Drei Jahre sind Gwen und Patrick voller Neugierde und viel Mut unterwegs und erkunden die Welt am Ende zu dritt, und sie wachsen einem von Land zu Land immer mehr ans Herz. Zuletzt die Heimkehr nach Europa, auch den allerletzten Weg noch zu Fuß mit Kind zurücklegend und das Wiedersehen mit den Eltern, die das Enkelkind zum ersten Mal im Arm halten.

Am Ende fragt man sich: Waren die drei Jahre ohne Konflikte untereinander und mit anderen? Kann nicht sein, und diese fehlen tatsächlich. Trotzdem: ein Mut machender und Weg weisender Film, der dazu inspiriert, eigene Barrieren im Kopf zu überwinden und einfach mal beherzt loszugehen. Großartig!

Tanja Schleyerbach

 

weit. Ein Reisemagazin / Texte: Gwendolin Weisser, Patrick Allgaier; Fotos: Patrick Allgaier, Gwendolin Weisser, Patrick Burke, Anne Danner, Janik Gensheimer. Norsingen: weit GbR, 2018. - 263 Seiten

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Der Dokumentarfilm "weit: die Geschichte von einem Weg um die Welt" war nicht nur in Programmkinos ein großer Erfolg. Die DVD wird auch bei uns in der Bibliothek gerne ausgeliehen. Jetzt gibt es das Buch dazu! Egal ob man den Film schon kennt oder noch vor sich hat – jeder wird das von der Stiftung Buchkunst als eines der "SCHÖNSTEN BÜCHER DEUTSCHLANDS 2018" ausgezeichnete Buch gerne in die Hand nehmen. Von außen noch eher schlicht in dunkelgrüner Farbe gehalten, ist es doch sehr schön aufgemacht und liebevoll illustriert. Wichtiger noch: Es trägt wie schon der Film deutlich die persönliche Handschrift von Gwen und Patrick, dem Paar, das es schaffte, ohne Flugzeuge zu benutzen einmal die Welt zu umrunden. Persönliche Geschichten aus beiden Perspektiven wechseln sich mit Listen, Gedanken, Karten, Bildern, aber auch Rezepten ab. Die Welt durch und mit anderen Augen sehen – ein schönes Leseerlebnis mit einer menschlichen Botschaft, die man gerne teilt: „Was am Ende bleibt, ist die Erfahrung. Die Erfahrung, dass es sich lohnt zu vertrauen.“

 Jutta Zimmermann 

 

Geschichten von Sex und Tod

Heyman, Arlene: Scary old sex. – München: btb Verlag, 2018. – 255 Seiten

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Sex im Alter – ist das ein Thema? Aber sicher, meint die amerikanische Autorin und Psychoanalytikerin Arlene Heyman und hat einen Erzählband geschrieben, der um Liebesbeziehungen, Begierde und Sexualität im Alter kreist. Sehr menschlich, sinnlich und einfühlsam, und gar nicht prüde schreibt sie über ältere Menschen und zweite Ehemänner, zweite Gedanken und zweite Chancen. Da ist die Frau, die beim Sex über ihre vergangenen Beziehungen nachdenkt, die junge Studentin, die eine Affäre mit einem älteren verheirateten Künstler hat und der Sohn, der nicht weiß, was er mit der Leiche seines Vaters tun soll, den der Tod beim Sex mit seiner außerehelichen Affäre ereilt hat. Insgesamt sieben Geschichten bringen überraschende Erkenntnisse und sind echte Bereicherung und Lesevergnügen. 

Andrea Däuwel-Bernd