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Empfehlungen Februar/März 2018

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

    

 

Pflanzen für Garten und das eigene Wohl

Oftring, Bärbel: Double-use-Gärtnern. - Bern: Haupt, 2017. – 224 Seiten

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Die Diplom-Biologin stellt hier zahlreiche heimische Pflanzen vor, die für Menschen schmackhaft sind, Insekten und Schmetterlinge anlocken, deren ätherische Öle in der Heilkunde genutzt werden oder die anderweitig nutzbar sind - also einen Zweifach- oder sogar Mehrfachnutzen haben. Auf je einer Doppelseite werden die Pflanzen mit Foto und kurzem Überblick zu den einzelnen Einsatzgebieten sowie Rezepten präsentiert. Eine Übersichtstabelle der Pflanzen-Uses, die gleichzeitig als Register dient, rundet den empfehlenswerten Band ab.

Barbara Münz

 

Charmante Geschichte über „Bergbarbaren“ & „zivilisierte Städter“

Kaiser, Vea: Blasmusikpop – oder wie die Wissenschaft in die Berge kam. Roman – Kiepenheuer & Witsch, 2012. -  491 Seiten

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Als Erster hat Johannes Großvater St. Peter am Anger in den Bergen verlassen, um mehr über seinen Bandwurm im Speziellen und Würmer im Allgemeinen herauszufinden. Jahre später kommt er als Arzt zurück und kümmert sich besonders um seinen Enkel. Auch Johannes versucht, dem Dorfleben zu entkommen, mit dem er sich nie anfreunden konnte; ihm erscheinen die Leute in St. Peter ungebildet und rückständig. Er ist der einzige Dorfbewohner, der das Gymnasium in der Stadt besucht. Ein äußerst unterhaltsamer Roman, der humorvoll mit verschiedenen Klischees spielt , wobei – wie ich finde – am Ende eigentlich kaum jemand wirklich schlecht wegkommt.

Andrea Bässgen

 

Spannende Newcomer des Jazz

Senf / Kammerer OrKöster. - Austria : Double Moon Records, 2017. - 1 CD - (Next generation ; Vol. 70)

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Eine Jazzformation, die ohne ein Harmonieinstrument auskommt, geht das wirklich gut? Es geht sogar sehr gut, wenn sich vier solch versierte und ideenreiche junge Bläser mit Bass und Schlagzeug zusammentun. Die Musiker aus Österreich und Deutschland zählen zu den besten Nachwuchstalenten der Länder und was sie gemeinsam auf die Beine stellen, ist darum hörenswert, weil sie der Kreativität ihrer „Brass Section“ mit Trompete, Saxophon und zwei Posaunen vollen Lauf lassen. Dabei pendelt die Musik zwischen bayrischer Blasmusik und weich swingendem Bigbandsound im Miniaturformat. Hier passt die Wurst auf den Senf! Mein Lieblingsstück der Platte trägt den Titel „Birke“, das durch das raffinierte, akkordische Zusammenspiel der Bläser zu einem Erlebnis wird.
Übrigens, sollte die CD schon entliehen sein: Sie finden die Musik auch in unserem neuen digitalen Angebot, der Naxos Music Library Jazz und können sie von zu Hause streamen.

 

Atomic B / Tobias Becker Bigband. - Ludwigsburg : Bauer Studios, 2016. - 1 CD

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Hier erweist Tobias Becker mit seinem Ensemble aus jungen deutschen Musikern Count Basie und dessen legendärer Bigband seine besondere Reverenz. „The Atomic Mr. Basie“ aus dem Jahr 1957 ist eines der herausragenden Alben des Altmeisters und Tobias Becker greift mit seinen Musikern die Kraft und den musikalischen Schwung dieser Musik auf und setzen damit zu einem eigenen Höhenflug an. Basie ist in der Gegenwart angekommen - im Klanggewand der Tobias Becker Bigband.

Axel Blase

 

Flüchtlingsschicksal am Neckar

Zeidler, Hatto: Das Kanuhaus. - Tübingen: Silberburg-Verlag, 2017. – 255 Seiten

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Eine Flüchtlingsfamilie aus Böhmen strandet am Neckar

Für alle, die gerne Biographien lesen, ist das ein Lesestoff, der Erinnerungen an eine Zeit weckt, als es schon einmal eine Flüchtlingswelle in Deutschland gab. Der Autor Hatto Zeidler erzählt seine Erlebnisse als Flüchtlingskind in der Nachkriegszeit. Hatto ist sechs Jahre alt, als der 2. Weltkrieg zu Ende geht. Die Familie muss aus Böhmen fliehen. Mit einem Pferdefuhrwerk bewältigen sie die gefährliche Reise. Doch in den Nachkriegswirren gibt es auch in Westdeutschland keinen Wohnraum, keine Unterstützung und wenig zu essen. In einem Bootsschuppen in Zwingenberg bei Eberbach am Neckar kommt die Familie mit den sechs Kindern notdürftig unter. Dieses Provisorium währt einige Jahre. Bei den Einheimischen fallen die Kinder auf, sie sprechen eine andere Sprache und auch sonst gibt es Schwierigkeiten, mit denen die Familie bei ihrer Integration im Neckartal fertigwerden muss. Und trotzdem erlebt Hatto eine glückliche Kindheit.
Teils nachdenklich, teils heiter sind die Geschichten von einer mittellosen zugezogenen Großfamilie in einer badischen Kleinstadt und sie zeigen die Lebensverhältnisse der Nachkriegszeit aus der Sicht eines Kindes auf. Spannend, scharfsinnig und erfrischend!

 

Eine französische Familiengeschichte

Boltanski, Christophe: Das Versteck. Roman. Aus dem Französischen übersetzt von Tobias Scheffel. München: Hanser Verlag 2017. – 313 Seiten

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Im Roman „Das Versteck“ erkundet der französische Journalist Christophe Boltanski die Gründe für das exzentrische Verhalten seiner Familie. Es gelingt ihm, das ironisch und doch respektvoll zu tun. Der Roman ist eine literarische Entdeckung, der zu Recht in Frankreich mit dem bedeutenden Prix Femina ausgezeichnet wurde.
Aufgewachsen bei den Großeltern in einem großbürgerlichen Haus in der Pariser Rue de Grenelle, kommt er nach und nach einem gut gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur. Minutiös arbeitet sich der Autor durch jeden Raum des großen Hauses und trägt die Geschichte seiner Bewohner zusammen, die während des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Okkupation eine dramatische Wendung nahm. Christophe Boltanski, Mitglied einer prominenten Familie in Frankreich, erkundet die Zwischenräume zwischen dem Offenkundigen und dem Verborgenen, die seine Lebens- und Familienchronik prägten. Lesenswert, feinfühlig und humorvoll!

Andrea Däuwel-Bernd

 

Französischer Krimi

Lagrange, Pierre: Blutrote Provence : ein Fall für Albin Leclerc. - Frankfurt am Main : Scherz, 2017. - 429 Seiten

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Drei Leichen liegen an einem Waldsee bei Caromb. Die Feriengäste wurden mit einer seltenen Waffe hingerichtet. Die Polizei steht vor einem rätselhaften Fall, in dem sich zu allem Übel Ex-Commissaire Albin Leclerc einmischt. War es das Werk eines Auftragsmörders? Geht ein Killer in der Provence um, der Touristen tötet? Leclerc erkennt Parallelen zu einem früheren Fall und sticht in ein Wespennest.

Marlis Waedt

 

Zärtlich und unaufdringlich - ein Inseldrama

Die rote Schildkröte. – Regie: Michael Dudok de Wit. – 1 DVD, 2017

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Ein Schiffbrüchiger strandet auf einer einsamen Insel. Das Floß, das er sich zum Fortkommen baut, wird jedoch jedes Mal von einer großen roten Schildkröte zerstört. Den Kampf mit der Schildkröte, die eines Tages an Land kommt, mündet in eine fantastische Verwandlung. Er soll bleiben auf dieser Insel. Er gründet eine Familie, und am Ende stirbt er dort. Mit zarten, zärtlichen Bildern hat Michael Dudok de Wit diese Geschichte in wunderschöne Bilder verwandelt, die Musik ist dezent und betörend, und die Geschichte rührt am Ende zu Tränen. In seiner Schlichtheit werden in dem Film jedoch tiefgründige und existenzielle Themen verarbeitet: Naturkatastrophen und Verzweiflung, Kampf und Wut, Einsamkeit und Zärtlichkeit, Ängste und Hoffnungen, Liebe und Familiengründung, Abschied und Trauer, und am Ende das Sterben. Unaufdringlich, unsentimental und still (nur Musik und Naturgeräusche) ist dieser eindrückliche Zeichentrickfilm ein gelungenes Bespiel für eine wunderbare Gesamtkomposition.

 

Zurück zur Natur!

Arvay, Clemens G.: Der Biophilia Effekt. Heilung aus dem Wald– edition a. – 2015, 252 Seiten

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Der studierte Biologe und Pflanzenwissenschaftler Clemens G. Arvay bezieht sich in seiner neuesten Veröffentlichung auf Hildegard von Bingen, deren Pflanzenheilkunde sich mit der „Grünkraft“ beschäftigt hat. Pflanzen wirken mit ihren Inhaltsstoffe nicht nur auf der physischen, sondern auch auf der energetischen Ebene. Diese Erkenntnis ist inzwischen wissenschaftlich dokumentiert und damit der Aura eines unerklärlich-mystischen Phänomens enthoben. Pflanzen kommunizieren über Terpene untereinander und mit unserem Immunsystem, wodurch sich die weißen Blutkörperchen vermehren. Dadurch werden körpereigene Widerstandskräfte gestärkt und können unterstützend bei der Heilung von Krankheiten wirken, indem sie fremde Viren, aber auch eigene Krebszellen bekämpfen. Biophilia-Effekt nennt Arvay diese Verbindung, die im Verborgenen und auf natürliche Weise wirkt. Ganz besonders im Wald sind diese Heilkräfte anzutreffen, aber auch der eigene Garten kann zu einem Ort der seelischen und körperlichen Heilung werden. Arvay ergänzt seine Erkenntnisse mit Natur-Meditationen für ein gesundes und ausgeglichenes Leben.

 

Aktuell, kritisch, differenziert und  immer wieder klug

Palmer, Boris: Wir können nicht allen helfen. Ein Grüner über Integration und die Grenzen der Belastbarkeit. - Siedler, 2017. - 254 Seiten

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Die Grenzen unserer Belastbarkeit bestimmen wir selbst.

Boris Palmer ist der Protest gegen den Mainstream in die Wiege gelegt worden. Das Unangepasstsein hat er von seinem Vater, dem Pomologen, Bürgerrechtler und Dauerkandidaten bei Bürgermeisterwahlen, genannt „Remstalrebell“, gelernt. Seinen Eltern hat er dieses Buch gewidmet. Menschen, die mehrheitliche Meinungen nicht unreflektiert hinnehmen, sich aus Überzeugung gegen Grundpositionen und Dogmen der eigenen Partei stellen und ungewohnte Bündnisse mit führenden Personen anderer Parteien eingehen, sind in Zeiten komplexer Herausforderungen und einfacher Antwortversuche selten geworden.

Hier spricht ein Kommunalpolitiker, der mit allen Sachfragen und alltäglichen Konflikten der Bürger Tübingens konfrontiert ist und ihnen nicht ausweicht. Er stellt sich auch seinen Kritikern und denen, deren Meinung er nicht gutheißt. Er spricht mit ihnen allen. Themen wie ein Einwanderungsgesetz finden sich in seiner Veröffentlichung ebenso wie bezahlbarer Wohnraum für alle, Wohnungsbeschlagnahmungen, Integrationsfragen, Obergrenze, die Rolle der (sozialen) Medien, Rechtspopulismus, soziale Ungerechtigkeit sowie die Tücken der deutschen Brandschutzvorschriften und des Baurechts. Asyl und Arbeitsmigration werden beleuchtet, Gewalt und Kriminalität bei der Geflüchteten, lang erkämpfte Freiheiten und Rechte für Frauen und Minderheiten, die Rolle der Kirchen, die Arbeit der Ehrenamtlichen, Moral und Pflicht, Abschiebungen und Lösungen für eine gelingende Integration, Boris Palmer reflektiert und lässt nichts aus. Er stellt kritische Fragen, analysiert messerscharf gesellschaftliche Unschärfen, argumentiert mit Max Weber und Immanuel Kant und bleibt bei allem realpolitischen Pragmatismus immer wieder menschlich.  Er plädiert für einen nüchternen Realismus und hält Idealismus nicht förderlich für die gesellschaftliche Akzeptanz. Mit seiner Partei ist er in vielen Fragen nicht konform. Man muss Palmers Positionen nicht teilen. Sie zu durchdenken und zu einer eigenen Meinung zu finden lohnt sich für jeden politisch Interessierten.

Boris Palmer studierte Geschichte und Mathematik in Tübingen und Sydney. Seit 1996 ist er Mitglied der GRÜNEN.  2001 wurde er in den baden-württembergischen Landtag gewählt, seit 2006 ist er Oberbürgermeister der Nachbarstadt Tübingen.

Tanja Schleyerbach