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Empfehlungen Juni/Juli 2017

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

 

 

Ein Augen- und Gaumenschmaus

Gleeson, Erin: Ein Fest im Grünen für Kinder: Einfach, vegetarisch, bunt für kleine Genießer. – Knesebeck, 2016. - 111 S.

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Dieses Buch macht einfach Spaß. Kleine raffinierte Snacks, bunte Salate (die ein klein wenig anders sind), selbst gemachte Limonaden, Hauptgerichte und Desserts. Die kalifornische Foodfotografin und Bloggerin Erin Gleeson versammelt in ihrem Buch eigene vegetarische Rezepte für Kinder. In der Regel enthalten sie nur wenige Zutaten, sind (zumindest für Erwachsene) recht einfach zuzubereiten und dabei gesund (selbst wenn die Autorin an zwei, drei Stellen auf Fertigteig zurückgreift).

Dies ist keines der üblichen Kinderkochbücher für die Alltagsküche, die Ausrichtung ist eher etwas exotisch und die Zutatenliste beim einen oder anderen Gericht somit auch etwas kostspieliger. Doch wer Lust hat, für die nächste Gartenparty mit oder ohne Kinder oder auch einfach für zuhause mal etwas anderes auszuprobieren und den Gang zum Fachgeschäft nicht scheut, um Edamame und Tahini zu finden, hält mit diesem Buch eine Ideenfundgrube in Händen, die so schön anzuschauen ist, dass sie einfach neugierig aufs Nachkochen macht! Und natürlich gibt es auch zahlreiche Gerichte, die mit den üblichen Zutaten aus Küche und Supermarkt auskommen.

Als Appetizer hier ein kleiner Auszug aus dem Rezeptverzeichnis: Zitronen-Ricotta-Crostini mit Honig, Avocado-Shake, Granatapfel-Cidre, Wassermelonensalat, Quinoa-Edamame-Salat, Regenbogen-Mangold-Quiche, Couscous mit Nüssen.

Dieses Kinderkochbuch mit einfachen vegetarischen Gerichten ist ein Fest für Augen und Magen und längst nicht nur für kleine Schleckermäuler ein Genuss!

Esther Murat

 

Letzte Dinge im Bewusstsein des Todes

Taylor, Cory: Sterben. Eine Erfahrung. – Allegria, 2016. – 171 S.

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Wir sind alle nur Millimeter vom Tod entfernt, die ganze Zeit, wir wissen es nur nicht.
Sterben, das kann man erfahren, das werden wir erfahren. Wie lange dieser Prozess dauern wird, ist ungewiss. Die australische Schriftstellerin Amy Taylor hat ein frappierend offenes und unsentimentales Buch darüber geschrieben. Ihr Prozess des Reflektierens beginnt mit der Diagnose Hautkrebs mitten im Leben. Abschiedsbriefe und ein Testament, Pulver aus China für den Suizid oder wenigstens für das Gefühl, dem Tod nicht hilflos ausgeliefert zu sein, wie es ist, die letzten Dinge zu regeln, wie wichtig die Autonomie über sie ist, was plötzlich bedeutungsvoll im Leben wird, Amy Taylor lässt ihre Leser daran teilhaben. Ihr Blickwinkel verändert sich, wenn sie andere Menschen bei Alltäglichkeiten wie Spazierengehen beobachtet oder wenn sie Dinge zum vielleicht letzten Mal bewusst tut. Sie berichtet nüchtern von den Verlusten, die sich häufen: nicht mehr spazieren gehen, nicht mehr Fahrrad oder Auto fahren, nicht mehr am Strand schwimmen gehen können, weil sie inzwischen weniger wiegt als der Retriever ihrer Nachbarn. Wie es ist, wenn man nicht religiös ist und trotzdem glaubt, es gibt eine Verbindung zwischen den Welten. Sie lebt von der Vergangenheit und doch ganz in der Gegenwart. Sie resümiert Versäumnisse, Schuld, Freuden, unerfüllte Träume. Wäre der Part über ihre Herkunftsfamilie weniger ausführlich und banal ausgefallen und hätte sich das Buch mehr auf ihr Thema fokussiert, es hätte an Qualität gewonnen. Trotzdem: eine bewegende Reflexion über einen bedeutenden und intensiven Lebensabschnitt.

 

Tracewell, Cornelius: Die Löffel-Liste. Eine kleine Philosophie der letzten Dinge im Leben eines Mannes. - Pendo, 2008. - 139 S.

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„Man wird nicht alt wegen der einfachen Tatsache, dass man eine bestimmte Zahl von Jahren gelebt hat, sondern nur, wenn man sein eigenes Ideal aufgibt.“
Dieses Buch ist weder neu, noch besonders umfangreich, und es ist mitnichten nur für Männer geeignet, die in die letzte Lebensphase eintreten. Die Löffel-Liste ist eine überaus kluge und lesenswerte Gedankenreise, wenn die Endlichkeit des Lebens mehr in den Mittelpunkt rückt, man stärker denn bislang spürt, dass man nach einer Redewendung aus dem Mittelalter eines Tages den Löffel abgeben muss. Das muss nicht zwingend für Männer ab 70 der Fall sein. Momente des Innehaltens treten in allen Lebensphasen auf, und das wunderbar illustrierte Büchlein beschäftigt sich im Angesicht der zeitlichen Begrenztheit mit essenziellen Themen wie Liebe, Freundschaft, Vergeben, Hoffnung, Gesundheit, Wunschlosigkeit, Ehrfurcht, aber auch dem Wahrnehmen mit allen Sinnen, Reisen und dem eigenen Ansehen. Dabei kommen Philosophen und andere Denker zu Wort.
Einige Gedanken daraus:
„Es ist die genaue Wahrnehmung, die von der Verengung des Lebens zur Erweiterung führt.“
Mit allen Sinnen wahrzunehmen, trägt dazu bei, dem Leben mehr Sinn zu geben,  hilft bei sich zu bleiben, der Abschied von den Leistungsanforderungen befreit von Zwängen und Lasten.
„Der Mensch ist nie so schön, als wenn er um Verzeihung bittet oder selbst verzeiht.“ Jean Paul
Von der Liebe  als Schlüssel zur Nähe, ohne die alles nur Stückwerk bleibt und von der Befreiung, keinen alten Groll mehr mit sich herumzutragen, weiß Tracewell ebenso zu berichten wie von Humor und Gelassenheit, um mit den Widrigkeiten des Lebens angemessen umzugehen.
Unsere äußeren Schicksale interessieren die Menschen, die inneren nur den Freund. Heinrich von Kleist
Die Stärke und der Wert der Freundschaft für das Leben sieht Tracewell als ein Wagnis der Aufrichtigkeit und des Vertrauens, als stille Form der Leidenschaft.
Die Reise und nicht das Ziel ist von Bedeutung. T.S. Eliot
Zuletzt die Wunschlosigkeit, die frei macht für eine neue Intensität im Leben.
Alles in allem ein weises, erfreulich undogmatisches und ohne Einschränkung empfehlenswertes Buch, das man immer wieder zur Hand nehmen kann.
„Es weit gebracht zu haben, ist nicht am wichtigsten: was am Ende wirklich zählt, ist nicht die Weite, sondern die Tiefe.“

Tanja Schleyerbach

 

Leidenschaftliche Beziehungsgeschichte

Palmen, Connie: Du sagst es. Roman. - Diogenes, 2016. - 278 S.

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Die Niederlande waren im letzten Jahr Gastland auf der Frankfurter Buchmesse, und einige bekannte Autoren und Autorinnen sind dadurch in Deutschland wieder in den Focus gerückt. Unter anderem auch die  niederländische Autorin Connie Palmer, deren Thema in früheren Romanen bereits Verlust und Tod waren. Ihr neuer Roman „Du sagst es“ behandelt die Geschichte des Schriftstellerehepaar Sylvia Platz und Ted Hughes. Ein spektakulärer Selbstmord brachte der amerikanischen Autorin Sylvia Plath literarische Unsterblichkeit und machte sie zur Ikone der Frauenbewegung. Connie Palmen beschreibt die Liebes- und Ehegeschichte der beiden aus der Perspektive ihres Ehemannes, Ted Hughes. Liebe, Versagensängste, psychische Probleme und ein hochanspruchsvolles intellektuelles Umfeld lassen Liebe und Ehe schließlich scheitern.

Ich fand den Roman spannend und berührend, denn er schildert nachvollziehbar die Entwicklung einer Beziehung zwischen zwei leidenschaftlichen Menschen. Für alle, die gerne Beziehungsgeschichten lesen.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Spannendes Mittelalter-Epos aus England

 

Follett, Ken: Die Tore der Welt.- Bastei Lübbe, 2008.- 1310 S.

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Die Handlung spielt im Jahre 1327 in England. Die 4 Kinder Merthin, dessen Bruder Ralph, Caris und Gwenda treffen sich im Wald. Sie dürfen an diesem Ort nicht sein, außerhalb der Stadt Kingsbridge. Während die Kinder spielen, taucht plötzlich ein Mann auf, der von 2 Soldaten verfolgt wird. Nachdem die Soldaten getötet werden, können alle Kinder bis auf Merthin fliehen. Der Mann vergräbt einen Brief, und Merthin muß ihm versprechen, das Versteck niemand zu verraten. Dieser Brief spielt eine wichtige Rolle in dieser Geschichte.

Zehn Jahre später sind Merthin und Caris ein Paar. Merthin lernt den Beruf des Architekten, doch er ist noch in der Lehre bei Elfric. Dieser macht Merthin das Leben zur Hölle, obwohl Merthin der bessere Baumeister ist. Caris strebt nach Freiheit und will Ärztin werden. Gwenda, die Tochter eines Tagelöhners, liebt einen Mann, der eine andere Frau liebt. Ralph strebt in den Ritterstand. Eine weitere Person in diesem Roman ist der überehrgeizige Mönch Godwyn, dessen wichtigstes Ziel es ist, Prior der Abtei von Kingsbridge zu werden. An einem Markttag bricht die Brücke in Kingsbridge ein, bei der hunderte von Menschen sterben. Merthin und Caris werden als Paar getrennt, Ralph entwickelt sich zu einem brutalen Mann, der vor Mord und Vergewaltigung nicht zurückschreckt, Gwenda lebt weiterhin in Armut, verfolgt aber ihr Glück. Die Pest kommt nach Kingsbridge, Caris tritt ins kloster ein.

Dies sind nur einige Handlungsstränge in diesem spannenden und vorallem dicken Buch. Es werden Personen gut charakterisiert, deren Stärken und Schwächen, Schicksale und Tragödien sind kunstvoll ineinander verwoben. Dabei bleibt die Handlung immer im Vordergrund. Die Sprache ist leicht und flüssig, die Geschichte sehr vielfätig und niemals langweilig. Also einfach lesen, auch wenn das Buch viele Seiten hat.   

Beate Reichmann

 

Die Suche nach der perfekten Frau

Berest, Anne: Emilienne oder die Suche nach der perfekten Frau. - Knaus, 2016. - 234 S.

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"Emilienne oder die Suche nach der perfekten Frau" heißt der neue Roman der französischen Autorin Anne Berest, die Mitautorin des internationalen Bestsellers „How to be Parisian…“ ist. Wieder geht es um die Auseinandersetzung mit weiblichen Rollenbildern. Im Mittelpunkt steht die Fotografin Emilienne, die chaotisch, unorganisiert und beruflich nicht erfolgreich ist. Emilienne freundet sich mit ihrer Nachbarin Julie an. Diese ist strukturiert, organisiert ihr Leben, ihre Familie und Berufsleben hat sie mühelos und perfekt in der Hand. Doch plötzlich erleidet Julie einen Nervenzusammenbruch und kommt in die Psychiatrie. Diagnose: akuter Erschöpfungszustand. Ein Anlass für die Fotografin Emilienne, sich mit den weiblichen Rollenbildern in ihrem Leben auseinander zu setzen. Mit einer Fotoserie über Frauen will sie der Frage auf den Grund gehen, was die perfekte Frau ausmacht. Sie trifft verschiedene Frauen und lernt ihre Wünsche, Träume und Ansprüche kennen.
Romane von französischen Autoren habe ich in letzter Zeit einige gelesen. Oft war es die sehr persönliche und autobiographisch gefärbte Sichtweise, die mir dabei auffiel und gefiel. Nicht immer durchkomponiert und strukturiert bis ins Letzte, aber dafür mit Herz und klugen Ideen kommt die moderne französische Literatur daher. Der Mut zur Spontanität ist solchen Romanen wie „Emilienne“ eigen.

Andrea Däuwel-Bernd