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Empfehlungen August 2020

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

       


 

Nachhaltigkeit beim Brotbacken

Schmidt-Sköries, Volker: Der Bäcker und sein Brot. Wie beseeltes Arbeiten und nachhaltiges Wirtschaften gelingt. – München: Droemer, 2019. – 253 Seiten

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Die FAZ nannte ihn den „Götz Werner der Bäckerbranche“. Ein erfolg­reicher Bäcker und Unter­nehmer berichtet von seinem Berufs­leben und seinen Prinzipien wirt­schaft­lichen Handelns. Als akademischer Aus­steiger begann Volker Schmidt-Sköries in einer kleinen Bäckerei und baute dann erfolg­reich eine Bio-Bäckerei-Kette auf. Er ent­wickelte in seinem Unter­nehmen eine Kultur der nach­haltigen Produktion und humaner Mit­arbeiter­orientierung. Dabei hatte er immer das große Ganze im Blick. Mit Hilfe von Bei­spielen und Beobachtungen erläutert Schmidt-Sköries seine wirt­schafts­kritischen Ideen und prangert die Aus­wüchse neo­liberalen Denkens an. Nebenbei erfährt man, wie Brot gebacken wird – manuell und industriell. Der „Bäcker und sein Brot“ ist ein interessantes, allgemein­verständ­liches und anregendes Sachbuch, das man mit Gewinn lesen kann.

Maria Weber

 

Die Welt und sich selbst verändern

Congo Calling. Regie: Hilpert, Stephan. – 1 DVD, 2020. – 90 Min.

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Welche Bilder haben wir vor Augen, wenn wir an Ent­wicklungs­hilfe denken? Erbärmliche Verhältnisse, erschöpfte Gesichter aller Beteiligten und Politiker, die Geld über­reichen oder irgend­etwas eröffnen. All das zeigt auch der Dokumentar­film Congo Calling. Er kommentiert wenig, bietet keine Ein­führung ins Thema oder ins Land, sondern beobachtet, wirft uns direkt in den Alltag einer jungen Belgierin, einem 65-jährigen Deutschen und einem spanischen Wissen­schaftler. Der Film besticht und berührt durch den konkreten, persön­lichen Ansatz und öffnet uns dadurch die Augen: Für den Osten der Demokratischen Republik Kongo, jene Region, in der sich die Zustände inner­halb des landes­weiten Krisen­gebiets nochmals zuspitzen. Für die persön­lichen Lebens­entwürfe der Entwicklungs­helfer/innen, deren engagierter Einsatz ein Gefühl der Zer­rissen­heit vermittelt. Denn sie leben und arbeiten zwischen den Kulturen, sind – angesichts vorherrschender Korruption – konfrontiert mit der Frag­würdig­keit und Fragilität von Vertrauen, z.B. in lokale Partner. Die fehlende Stabilität in Beziehungen, auch persön­lichen, wird deutlich; man bekommt einen guten Eindruck von einer un­auf­hörlichen, mitunter chaotischen Abfolge von Projekten und begrenzten Arbeits­verträgen. Zu den schwer erträg­lichen Szenen in diesem Film gehören die gezeigten Interviews mit Rebellen. Sie wurden geführt im Rahmen wissen­schaft­licher Studien über die Bildung von Strukturen in den selbst­verwalteten Gebieten des Kongo, in denen der offizielle, unzureichend funktionierende Staat keinen Einfluss hat. Die Interviews mit den Rebellen offen­baren eine unglaubliche Brutalität, mit der Macht ausgeübt wird, und geben Einblicke in die Abgründe menschlichen Verhaltens.

Jutta Zimmermann

 

Hmm…

Andreas H. Schmachtl: Snöfrid aus dem Wiesental. Die ganz und gar unglaubliche Rettung von Nordland. – Würzburg: Arena, 2015. – 240 Seiten

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Der Held dieser Geschichte ist Snöfrid, ein kleines, wuscheliges, sehr einsilbiges und eher träges Tierchen. Snöfrid liebt Haferbrei, seine gemütliche Höhle unter dem Stein und überhaupt seine Heimat, das Wiesental. Eines Tages wird seine Idylle durch seltsame kleine Feen­männlein gestört, die partout behaupten, er wäre ein aus­erkorener Held. Er sei dazu bestimmt, eine ent­führte Prinzessin zu retten und damit das Nordland vor einem grausigen Schicksal zu bewahren.
Nach anfänglichem Zögern geschieht das Unglaubliche: Snöfrid verlässt sein geliebtes Wiesental und macht sich auf den abenteuer­lichen Weg, das Nordland zu retten! Auf dieser Reise begegnen ihm unzählige Gefahren, aber auch viele neue Freunde. Wird es ihm gelingen, seine Aufgabe zu erfüllen und die Prinzessin und damit das Nordland zu retten?
Andreas H. Schmachtl, vielen bekannt als Autor von Tilda Apfelkern, hat mit Snöfrid einen liebens­werten und ver­schrobenen Helden geschaffen, dem man nur zu gerne in seine Abenteuer folgt. Für alle großen und kleinen Kinder ab 5 Jahren.

Anni Lenz

 

Bröckelnde Ehe-Fassade in großartiger Besetzung

Die Frau des Nobel­preis­trägers. – Regie: Björn Runge, 2019. – 1 DVD. – 97 Min.

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Joan (Glenn Close) und Joe Castleman (Jonathan Pryce) sind seit fast 40 Jahren ver­heiratet. Als dem erfolgs­verwöhnten und selbst­gefälligen amerikanischen Autor Joe der Nobelpreis zu­ge­sprochen wird, fängt auf der Reise nach Schweden mit ihrem Sohn Max – angehender Schrift­steller ohne Vaters Gnaden – die vermeint­lich heile und mit stoischer Gelassen­heit aufrecht erhaltene Ehe-Fassade bei der charmanten, humor­vollen und intelligenten Joan an zu bröckeln. Seiten­sprünge ihres Gatten kommen zutage, und sie wird in Schweden als Begleiterin des Ausgezeichneten in das Damen­programm eingeführt. Keine gute Idee für Joan, die als Ghost­writerin die Bücher ihres Mannes verfasst hat. Eindrückliche Literatur­verfilmung von Meg Wolitzers Roman „The Wife“ mit einer groß­artigen Besetzung.

Tanja Schleyerbach

 

Neben der Spur? Abgehoben in die Luft? Oder auf Wellen reitend?

The Waves are Rising, Dear! / Andreas Schaerer; Hildegard Lernt Fliegen. – München: ACT Music, 2020. – 1 CD

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„Hildegard Lernt Fliegen“, so heißt die kreative Formation um den Musiker Andreas Schaerer (Gesang) mit Andreas Tschopp (Posaune & Tuba), Matthias Wenger (Saxophone & Flöte), Benedikt Reising (Saxophone & Bassklarinette), Marco Müller (Bass) und Christoph Steiner (Schlagzeug & Marimba). Die Musik und die Texte von Andreas Schaerer pendeln zwischen Wasser und Wellen, zwischen lyrisch-poetisch und aufregend: „Hildegard Lernt Fliegen“ ist seit seinen ersten aufsehen­erregenden CDs im aktuellen Jazz das Ensemble, das mit seiner Musik progressiv und weg­weisend zugleich ist und die Musik in verschiedene Richtungen auslotet. Mit diesem neuen Konzept­album, das für den Jazz sehr ungewöhnlich ist, schlägt es wieder eine neue Seite im Jazz auf.
Und wer das für den 28. Mai in Reutlingen geplante Konzert von „Hildegard Lernt Fliegen“ zusammen mit der Württem­bergischen Philharmonie corona­bedingt versäumen musste, kann auf dieser CD die Musik der Gruppe mit ihren exzellenten Gästen Vincent Peirani (Akkordeon) und Jessana Némitz (Gesang) ent­decken und genießen oder mit der CD „The big wig“ Versäumtes nachholen.

The big wig: CD & Concert DVD / Andreas Schaerer; Hildegard Lernt Fliegen meets the Orchestra of the Lucerne Festival Academy. – München: ACT Music, 2017. – 1 CD & 1 DVD

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Beide CDs auch in unserer Datenbank Naxos Jazz als Streaming   (Links oben: einzelne CD)
Link zu Naxos Music Library Jazz   (+ Suchfeldeingabe: Hildegard Lernt Fliegen) 

Axel Blase

 

Abseits vom Mainstream: Das Böse hat Alzheimer

Young-Ha Kim: Auf­zeich­nungen eines Mörders. Roman. Aus dem Koreanischen von Inwon Park. – Bad Berka: Cass Verlag, 2020. – 152 Seiten

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„Wenn ich nicht aufschrieb, was ich falsch gemacht und wie ich mich dabei gefühlt hatte, würde ich immer wieder dieselben schreck­lichen Fehler machen. Wie ein Prüfungs­kandidat, der sich ein Heft mit falschen Ant­worten anlegt, zeichnete ich penibel meine Morde auf.“ Tierarzt Byongsu Kim ist 70 Jahre alt und „pensionierter“ Serienmörder. Das Morden hat er auf­gegeben, seine Zeit ver­bringt er damit, die Klassiker zu lesen und Gedichte zu schreiben. Doch langsam machen sich bei ihm erste Zeichen von Demenz bemerkbar, seine Er­innerungen schwinden. Und dann trifft er in seinem Viertel einen Mann, den er als seines­gleichen erkennt. Um seine Tochter zu beschützen, plant er einen letzten Mord. Ich habe das schmale Buch während des Corona-Lockdown gelesen und war über­rascht, wie ein Krimi, besser gesagt ein Thriller, mit dieser Zeit der Unsicher­heit und Angst korrespondierte. Auch der Protagonist muss sich – wie wir in der Corona-Krise – mit dem Verschwinden des Bekannten und Gewohnten, seiner Erinnerungen und Erfahrungen auseinander­setzen und Strategien für‘s Überleben finden. „Aufzeichnungen eines Serienmörders“ ist ein schmales, perfekt gestaltetes Buch aus einem kleinen Thüringer Verlag. Der Autor ist einer der bekanntesten koreanischen Schrift­steller. Die Handlung eindringlich und mit einer unerwarteten Wendung. Meine ganz, ganz persönliche Empfehlung für alle, die gerne auch mal abseits vom Mainstream lesen.

Andrea Däuwel-Bernd