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Empfehlungen Juni/Juli 2018

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

   

 

Zum Welttag der Umwelt am 5.Juni

Ökologische Netzwerke unterhaltsam erklärt

Wohlleben, Peter: Das geheime Netzwerk der Natur. Wie Bäume Wolken machen und Regenwürmer Wildschweine steuern. - München: Ludwig, 2017. - 223 Seiten

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Der mit Veröffentlichungen und durch Medienauftritte bekannt gewordene Förster Peter Wohlleben lässt seine Leser Aha-Effekte erleben in diesem populär geschriebenen Buch über Zusammenhänge in der Natur: Mit welchen Tricks sich Bäume gegen Rehe zur Wehr setzen, welchen ökologischen Zusammenhang es zwischen Hirschen, Bären und Fischen gibt, warum Ameisen Blattläuse halten, wie viel Sonnenergie eine ausgewachsene Buche speichert und wie der Mensch die Natur beeinflusst. Anschaulich und spannend erklärt Wohlleben, was Kraniche mit der spanischen Schinkenproduktion zu tun haben und warum Nadelwälder Regenmacher sein können. Aufschlussreich spürt er ökologischen Ungleichgewichten nach, und nur selten gibt es einfache Lösungen.
Er wandert mit seinem Leser durch Zeiten und Kontinente, um Zusammenhänge und Entwicklungen zu verdeutlichen und um vorgefasste Meinungen und Denkfehler zu entlarven. Überraschend unterhaltsam und herausfordernd.

 

Anregend, unterhaltsam und überraschend

Pinzler, Petra und Wessel, Günter: Vier fürs Klima. – Droemer, 2018. – 301 Seiten

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Jakob: „Es gibt kein Menschenrecht auf ein Auto und darauf, die Luft zu verpesten. Es gibt aber eines auf Gesundheit.“

Eine Familie in Berlin macht ernst und den Alltagstest zum Klimaschutz. Ein Jahr lang lassen sie sich auf das Experiment ein, möglichst viel CO2 einzusparen. Das Buch ist die Dokumentation ihrer Bemühungen, und es liest sich überaus spannend. Das liegt auch daran, dass die Eltern von Jakob und Franziska Journalisten sind und durchaus humorvoll die Zeit der Diskussionen und Kämpfe mit sich selbst und miteinander schildern.

Zwischendurch fallen sie ihrer Umwelt gehörig auf die Nerven – nicht jeder möchte mit der eigenen Klimabilanz konfrontiert werden. Denn die vier machen keine halben Sachen. Sie sind gründlich, bis es wehtut, und das ist allerspätestens bei Petras überfülltem Kleiderschrank der Fall. Aber auch der Griechenlandurlaub mit dem Flugzeug wird gestrichen, und stattdessen ein klimafreundlicher und sehr entspannter Zeltplatzurlaub mit viel Spaß und Bewegung verwirklicht.

Kann man für einen USA-Trip von Familienmitgliedern Klimapunkte geschenkt bekommen? Hat Rindfleisch oder Butter die schlimmere CO2-Bilanz? Wein aus Frankreich, Bioäpfel aus Neuseeland oder integriert angebautes regionales Obst? Ist Fleisch überhaupt noch drin? Zu welcher Jahreszeit welche Lebensmittel? Welche Rolle spielen der Transport und die Verpackungen bei meinem Konsum? Versandhandel oder mit dem Fahrrad bei jedem Wetter in den Baumarkt? Wie hängt unser Lebensstil mit den weltweiten Fluchtbewegungen zusammen? Was verschenke ich an Weihnachten? Gibt es eine Silvesterparty mit Fleischfondue und Feuerwerk? Welche Hobbys bleiben uns noch? Wie oft fahre ich Auto, und wie viele Fahrten kann ich einsparen? Können wir auf das Auto ganz verzichten? Ganz sicher jedoch auf den Kurztrip mit dem Flieger übers Wochenende und den Inlandsflug.

Wie viel von den bisher verbrauchten 42 Tonnen CO2 können wir als Familie in diesem Jahr einsparen, um gerecht (8,8 Tonnen) zu leben, und wie viel Geld kostet uns der verbleibende Rest, den wir nicht immer beeinflussen können – Stichwort Straßenbau, ungedämmte Schulgebäude etc. – bei Atmosfair? Sind wir bereit, diesen Betrag zu bezahlen, und kann man Klimasünden überhaupt mit Geld wiedergutmachen – Ablasshandel? Auf wessen Kosten leben wir? Wie geht es uns nach dem Jahr? Und schließlich: wie viel CO2 verursacht die Herstellung dieses Buches?

Es werden Experten gefragt, Forschungsergebnisse diskutiert, Klimarechner bemüht und Statistiken zu Rate gezogen. Es entsteht großer Respekt für eine nachdenkliche, sympathische und großartig zusammengewachsene Familie, und man bekommt schwarz auf Umweltschutzpapier einen gründlichen und immer wieder überraschenden Einblick in sehr praktische ethische Lebensfragen, die jeden betreffen.

Unbedingt lesen!

PS: Butter verursacht bei Lebensmitteln mit sehr großem Abstand den höchsten CO2-Ausstoß.

Tanja Schleyerbach

 

Regency trifft Fantasy

Goodman, Alison: Dark Days Club. - London: Walker Books, 2017 - 482 Seiten

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Goodman, Alison: Dark Days Pact. - London: Walker Books, 2017 - 498 Seiten

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London Anfang des 19. Jahrhunderts: die junge Lady Helen steht kurz vor der Einführung in die Londoner Gesellschaft , als sie vom verrufenen Lord Carlston vom Dark Days Club und ihren eigenen besonderen Fähigkeiten erfährt. Sie ist auserwählt als „Reclaimer“ den „Grand Deceiver“ zu bekämpfen,   der mit seinen Kreaturen die Welt ins Chaos stürzen will. Zwischen zwei Männern stehend – dem charismatischen Lord Carlston und dem seriösen, sympathischen Duke of Selburn –entscheidet sich Lady Helen, ihr traditionell vorgegebenes Leben zu verlassen und ihr geheimes Kampftraining zum Reclaimer zu beginnen. Bei den Konfrontationen mit Deceivern kommt immer mehr über die mysteriöse Vergangenheit ihrer verstorbenen Eltern ans Licht.
Die Autorin Alison Goodman hat aufwendige historische Recherchen über das Victorianische Zeitalter betrieben, um die Zeit, das gesellschaftliche Milieu und die Örtlichkeiten originalgetreu darzustellen. Das Ergebnis sind zwei phantasiereiche packende Pageturner mit übernatürlichen magischen Elementen; spannend von der ersten bis zur letzten Seite – in englischer Sprache.

Maria Weber

 

Wunderbar unterhaltsames Biopic

Florence Foster Jenkins. - Regie: Stephen Frears. - 2017. - 1 DVD, 106 Minuten

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"Möchten Sie es nochmal versuchen?" - "Oh, ich wüsste nicht warum. Für mich war es perfekt."
Tragikomisch hat Stephen Fears die wahre Geschichte einer schwerreichen älteren Frau (Maryl Streep) verfilmt, die in der Musikgeschichte der 20er Jahre eine eher unrühmliche Rolle gespielt hat. Aber sein Film geht tiefer: er zeigt die Liebe einer eher unmusikalischen Frau zur Musik, die konsequent ignorieren kann, dass sie die Töne nicht trifft, dass ihre Stimme nicht ansatzweise zur Aufführung taugt, und die sich davon einfach nicht beirren lässt und ihren Weg als Primadonna auf die Bühne sucht, um die Massen damit zu begeistern. Er zeigt aber auch die Liebe ihres Mannes (Hugh Grant), der zwar nebenher eine andere Beziehung, aber wohl keine andere Liebe hat und wie seine Frau deren Talentlosigkeit ignorieren kann und ihr Gesangsunterricht und einen Auftritt in der Carnegie-Hall ermöglicht, der zum schrägen Geheimtipp für einen unterhaltsamen Abend wird und an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist. Der dritte Hauptdarsteller ist der Pianist, grandios gespielt von Simon Helberg, der sie begleiten muss und unsäglich unter ihren  falschen Tönen und ihrer unausgebildeten Stimme leidet, und letztlich doch ihrem umwerfenden Charme und ihrer Liebe zur Musik erliegt. Die Konzertkritik fällt wie zu erwarten vernichtend aus, und so müssen sämtliche Presseerzeugnisse von ihrem Mann aufgekauft und vernichtet werden. Als das nicht gelingt, wird die ganze Tragik eines Lebens in einer Traumblase offenbar.
Florence ist von außen betrachtet eine Witzfigur, doch sie wird tiefer ausgeleuchtet in ihren Gefühlen, ihrer Freude, ihrer Liebe, ihren Beziehungen, ihrer Persönlichkeit. Ein von allen drei Hauptdarstellern und auch den Nebendarstellern hervorragend gespieltes, wunderbar unterhaltsames Biopic.

Tanja Schleyerbach

 

Miau, miau!
Bücher für Katzenliebhaber

Tucker, Abigail: Der Tiger in der guten Stube: Wie die Katzen erst uns und dann die Welt eroberten. – Darmstadt: WBG, 2017 – 304 Seiten

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Katzenvideos bevölkern das Internet, Katzenplüschtiere die Kaufhäuser, Katzen chillen in eigens kreierten Katzencafes.  Katzen sind überall in unserem Leben und viele Menschen finden sie so niedlich, dass sie mehr oder minder einem „Katzenwahn“ verfallen.  Aber diese Tiere gehören auch zu den einhundert schlimmsten invasiven Arten der Welt und bedrohen ganze Ökosysteme - und damit ist nicht gemeint, dass sie sich zu Abermillionen auf den Sofas breit machen.
Im Laufe der Zeit wurden sie zu einer der erfolgreichsten Tierarten auf der Erde. Insgesamt wissen wir aber wenig über sie und das Buch geht der Frage nach, wer diese Viecher eigentlich sind, wo sie herkommen und warum und wieso sie sich so erfolgreich vom freilebenden Raubtier zum Haustier entwickelten.
In einer gut zu lesenden Mischung von wissenschaftlichen Fakten und persönlichen Anekdoten arbeitet sich die Autorin durch viele Themen rund um die Beziehung zwischen Mensch und Katze und bringt selbst eingefleischte Katzenkenner zum Staunen.

 

Michaelis, Antonia: Mr. Widows Katzenverleih. Roman – München: Knaur, 2017 – 443 Seiten

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Mr. Widows findet in einem Papiercontainer in einem Hinterhof nicht nur neugeborene  Katzenbabys, sondern auch eine junge Frau. Diese ist anscheinend vor irgendetwas weggelaufen und kommt nun bei ihm in einem alten Haus mit Garten mitten in der Großstadt unter. Von da an unterstützt sie den alten Mann bei seinem exzentrischen Hobby. Mr. Widows verleiht nämlich Katzen. Und je nach Bedarf verbreiten seine Stubentiger von Glück, Behaglichkeit bis Chaos all das, was sich die Menschen wünschen. Da ist die alte Dame, die gerne jemanden hat, dem sie vorlesen kann, der Schuljunge, der  (mit Katze) zum Lehrerschreck wird, der Künstler mit Ödipuskomplex und viele andere skurrile Typen, Träumer und Individualisten.
Ein poetischer und hintersinniger Roman um Katzen, ihre Menschen, Freundschaft, Liebe und ein unterhaltsamer lebenskluger Lesegenuss.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Frisch, lakonisch und warmherzig

Leky, Mariana: Was man von hier aus sehen kann. Roman: - Dumont, 2017. – 314 Seiten

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„Ich beschloss, Martin später zu heiraten, weil ich fand, der Richtige sei der, der einem das Hinsehen erspart, wenn die Welt ihren Lauf nimmt.“
Unerhört frisch ist Mariana Lekys Sprache, die ihre Leser mitnimmt zu Selma, der alten Westerwäldlerin, deren Okapiträume gefürchtet sind und ein ganzes Dorf in Aufruhr versetzen können, weil just am selben Tag jemand von ihnen sterben wird. Man geht also nicht mehr aus dem Haus, man orakelt, wen es treffen wird, und man trifft Vorbereitungen aller Art. Endlich spricht man Sätze aus, die man nur im Angesicht des möglichen Todes zu sprechen wagt. Erwartungen von Geständnissen werden dennoch nicht erfüllt.
Die Beziehungen der Dorfbewohner werden seziert und verworrene Lieben und Abneigungen, Schrulligkeiten, Psychosen, unabgeschickte Liebesbriefe, ein unsterblicher Hund, ein dramatischer Tod anschaulich gemacht. Immer mit einer subtilen Trauer und ebenso warmherzig wie humorvoll. Selbst ein buddhistischer Mönch schafft es zum Liebhaber. Lekys lakonischer Tonfall und ihre scharfe Beobachtungsgabe paaren sich mit einer tiefen Liebe zu ihren Figuren. Man ist geneigt, das  Buch nicht mehr aus der Hand zu legen, möchte baden in ihren Sätzen, dem Kosmos des Westerwald-Dorfes und ihrer Art, die Welt zu betrachten.

Tanja Schleyerbach

 

Magenau, Jörg: Bestseller: Bücher, die wir liebten – und was sie über uns verraten, Hamburg: Hoffmann und Campe, 2018. -  286 Seiten

Bestseller? In der Stadtbibliothek Reutlingen meistens ausgeliehen, sorry.
Warum greifen Tausende von Lesern auf einmal zum gleichen Buch? Ganz einfach, weil Bestseller nicht nur erfolgreiche Bücher sind, sondern auch Spiegel ihrer Zeit. Sie schüren in ganz eigener Weise unsere Ängste, Neugier und Hoffnungen.
Warum wurden bestimmte Themen zu einer bestimmten Zeit mächtig? Und was sagen diese Bücher über unsere Gesellschaft aus? Erfolgreiche Titel haben oft auch etwas mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld zu tun. Götter, Gräber und Gelehrte von C.W. Ceram, lag nicht umsonst im Dezember 1949 unter vielen deutschen Weihnachtsbäumen und setzte die geheimnisvollen Reste ferner Epochen der Realität der deutschen Ruinenlandschaften entgegen.
Bestseller verdanken ihren Erfolg Stimmungen und Trends, sie lassen sich nicht isoliert betrachten, sondern haben einen engen Bezug zur Zeit und Gesellschaft, in der sie entstehen. Der Literaturkritiker Jörg Magenau hat in den Buchregalen gestöbert und die Geschichte der Bestseller seit 1945 bis heute in einem populären Sachbuch zusammengefasst. Und hier bekommt man neue Einblicke in die Mechanismen des Buchmarktes.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Verstrickungen in Schuld und Sühne

Ein halbes Leben. – Regie: Nikolaus Leytner. - 2008. - 1 DVD, 88 Min.

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Überragend ist der Film, der ein oft aufgegriffenes Thema verarbeitet: Nach der Vergewaltigung und Ermordung seiner Tochter findet ein Vater, Nikolaus Leytner, keine Ruhe mehr, bis der Täter gefasst ist. Er gibt die Hoffnung nicht auf, lässt alle Beziehungen spielen, ist zutiefst verzweifelt und recherchiert selbst weiter. Seine Ehe hält die Belastungsprobe über Jahrzehnte aus, der Verlust der einzigen Tochter Manuela scheint die Eltern zusammenzuschweißen, auch wenn Leytners Frau sich wünscht, er möge zu einem normalen Leben zurückfinden.
Auch für Ulrich Lenz, den Mörder, ist ein normales Leben unmöglich. Er wird Familienvater und bleibt selbst immer in Gefahr, rückfällig zu werden. Er führt eine Ehe ohne Glück und Liebe, und seine Tochter lässt ihn immer wieder an seine Tat denken. Gut zwanzig Jahre nach dem Mord, als die DNA-Analyse die Gerichtsmedizin revolutioniert, läuft die Zeit ab für den Mörder. Er weiß, dass er gefasst werden wird. Am Ende begegnen sich Lenz und Leytner.

Schuld und Sühne sind die Grundthemen des Films, der sehr sensibel Verständnis und Anteilnahme für alle Personen entwickelt. Das noch nicht einmal halbe Leben der ermordeten Tochter bestimmt das halbe Leben der Eltern und des Mörders.
Ein grandios gespieltes Drama.

Tanja Schleyerbach