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Empfehlungen Juli 2025

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

Buch-Cover: In die andere Richtung jetzt Buch Cover: Der fabelhafte Buchladen des Mr. LivingstoneBuch-Cover: Very bad company Buch-Cover: Halbinsel  DVD-Cover: Cranko  Buch-Cover: Die Großzügigkeit der Felsenbirne


 

Eine bewegende Reise durch die östlichen Länder Afrikas

Buch Cover: In die andere Richtung jetzt

Navid Kermani: In die andere Richtung jetzt. Eine Reise durch Ostafrika. – 2024. – 270 Seiten

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Voller Neugierde und Offenheit bereist Navid Kermani den Osten Afrikas vom Süden Madagaskars über die Komoren, Mosambik, Tansania, Kenia, Äthiopien bis zu den Nuba-Bergen des Sudan und teilt eine Erlebnisse und Gedanken großzügig. Die Gespräche mit den Menschen sind es, die seinen Horizont weiten und Einblick geben in ein Leben in entsetzlicher Armut und Kriegen mit ihren Folgen, eine Geschichte der Kolonisation mit ihren brutalen Folgen, Korruption und Hilfsprojekte, die Macht der Islamisten, aber auch in Musik, Gebete, die sufistische Lebensweise, friedliche Koexistenz von Christ/innen und Muslim/innen, Hoffnungen und Möglichkeiten und vor allem: in Länder mit unendlich vielen Facetten und diverser Historie. Es sind Geschichten, die bewegen, von unvorstellbarem Willen zum Überleben zeugen und immer wieder auch ratlos machen. Eine spannende Reise, die kritischen Fragen auch zum Klimawandel, Geschlechterfragen, der Rolle des Westens und den Golfstaaten sowie detailreichen Schilderungen nicht ausweicht und zu verstehen versucht, was die einzelnen Menschen und gesellschaftlichen Gruppen in der Vielfalt der Herausforderungen bewegt und sie zum Leben benötigen.

Sehr empfohlen!

Tanja Schleyerbach

 

Verzaubernder Roman im verregneten London

Buch-Cover: Der fabelhafte Buchladen des Mr. LivingstoneMónica Gutiérrez: Der fabelhafte Buchladen des Mr. Livingstone. – 2021. – 301 Seiten

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An einem regnerischen Abend in London sucht die jobsuchende Archäologin Agnes Marti Unterschlupf in der ganz besonderen Buchhandlung „Moonlight Books“. Der Inhaber Edward Livingstone sucht gerade nach einer Aushilfe und nach einem netten Gespräch bei einer Tasse Tee nimmt Agnes die Stelle an. Wir begleiten Agnes bei ihrer Arbeit als Buchhändlerin, lernen die eigenwillige Stammkundschaft und den Zauber des kleinen Buchladens kennen. Alles ist gut, bis eines Tages das wertvollste Buch von „Moonlight Books“ verschwindet. Ein hilfsbereiter Polizeiinspektor tritt in Erscheinung und wirbelt Agnes‘ Leben durcheinander, während er den Fall lösen möchte.

Das Buch hat mir viel Spaß gemacht zu lesen, übrigens passenderweise an einem verregneten Nachmittag. Ich wurde sofort von der Beschreibung der Buchhandlung verzaubert, sowie von den liebenswerten Charakteren und natürlich dem Happy End. Ein echter Feel-Good-Roman, den ich gerne empfehle.

Isabelle Gonser

 

Voller Glamour & bissigem Humor

Buch-Cover: Very bad companyEmma Rosenblum: Very bad company : ein Luxushotel, zehn Gäste, zehn Geheimnisse. Eins davon tödlich. 2025. 366 Seiten

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Der aufsteigende Stern am Himmel der Tech-Welt „Aurora“ lädt seine Führungskräfte zu einem Retreat ins sonnige Miami ein. Die neue Kollegin und Legende der Unternehmenswelt Caitlin Levy nimmt auch daran teil und entdeckt nach und nach dunkle Geheimnisse hinter jedem ihrer KollegInnen. Zwischen Machtspielen, dem geplanten Firmenverkauf, Intrigen und zwischenmenschlichen Abgründen geschieht dann ein Mord.

Kein typischer Thriller, eher ein Gesellschaftsroman – aber sehr spannend und flüssig zu lesen.

Vielschichtig, realistisch und kurzweilig!

Katrin Grießinger

 

Eine Mutter-Tochter-Annäherung

Buch-Cover: HalbinselKristine Bilkau: Halbinsel. – 2024. – 220 Seiten

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Bibliothekarin Annett holt ihre Tochter Linn, die bei einem Vortrag, den sie vor Fachpublikum hielt, zusammengebrochen ist, zu sich nach Hause in ein Haus am Wattenmeer nahe Husum. Nach einer Woche Rückkehr nach Berlin steht Linn wieder vor der Türe. Sie lösen beide die Wohnung in Berlin auf, und Linn zieht bei ihrer Mutter ein. Sie hatte in schwedischen und rumänischen Wäldern als Umweltvolontärin gearbeitet und ist inzwischen für ein Aufforstungsprojekt tätig. Annett hat, nachdem sie die Firma und deren Verstrickungen und Machenschaften durchschaut hat, eine tiefe Sinnkrise bei einem gleichzeitigen Abnehmen ihres Engagements. Die alleinerziehende Annett kann mit dem Zusammenbruch und dem Burnout der Tochter wenig anfangen, ja, sie versteht ihn nicht. Die beiden Frauen in ihren verschiedenen Situationen versuchen, sich in diesem Sommer „zwischen Ende Mai und Mitte September“ anzunähern, geraten aneinander, es entstehen Dynamiken, jede muss die andere neu verstehen lernen. Annett reflektiert die Erziehung ihrer Tochter und ihren Wunsch, dass sie ein gutes, ein besseres Leben haben möge. Eine nicht funktionierende Tochter, die sich trotz ihres Studiums, das Annett viel gekostet hat, dazu herablässt, in der örtlichen Bäckerei zu verkaufen, passt nicht gut in ihr Weltbild. Den plötzlichen Tod ihres früh verstorbenen Mannes hat sie nicht verkraftet, er ist für sie nicht tot, er ist „nicht zurückgekommen“.

Man ist sofort mitten im Geschehen und hautnah bei den Figuren und Geschehnissen und Gefühlen, die sehr lebensnah und intensiv geschildert werden.

Kristine Bilkau hat für ihren Roman den Leipziger Buchpreis 2025 gewonnen.

Tanja Schleyerbach

 

Emotional und überzeugend gespieltes Biopic

DVD-Cover: CrankoCranko. – Regie: Joachim A. Lang. – 2025. – 128 Minuten

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128 Minuten voller Ballett, Spannung, und es menschelt gewaltig in den 60-er Jahren im Stuttgarter Opernhaus und darüber hinaus. Aus London kommt John Cranko, der wegen seiner Homosexualität dort einem Berufsverbot und Anfeindungen ausgesetzt war, der Berufsanfänger, der Ausnahmechoreograph, der alles fordert von seinen Tänzer/innen, die ganz aufgehen in ihrer jeweiligen Rolle und die darüber hinaus im Lauf der Arbeit eine exzellente Kompanie bilden, deren Leistung sie bis in die Metropolitan Opera nach New York führt. Cranko, ein empfindlicher Charakter, oft voller Selbstzweifel und gleichzeitig voller Visionen, ein Star. Er lebt ganz und gar für die Arbeit, geht in ihr auf, kann nicht ohne sie existieren. Er wird zum Kettenraucher, setzt seine Forderungen beim Ballettdirektor durch, strebt nach Perfektion und zeitgenössischen Inszenierungen. Reid Anderson, Marcia Haydée und andere Größen verzaubern das vernarrte Stuttgarter Publikum, und es liegt ihnen zu Füßen. Das „Stuttgarter Ballettwunder“ ist auf dem Höhepunkt, als ihr Choreograph unter tragischen Umständen in einem Flugzeug mit der Kompanie stirbt. Am Ende werden die „realen“ Personen fotografisch neben die Schauspieler gestellt. Ein packendes und absolut überzeugend gespieltes Drama. Sehr sehenswert!

Tanja Schleyerbach

 

Einladung zum Perspektivwechsel

Buch-Cover: Die Großzügigkeit der FelsenbirneRobin Wall Kimmerer: Die Großzügigkeit der Felsenbirne. – 2025. – 130 Seiten

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»Vom Horten zum Kreislauf, von der Unabhängigkeit zur Interdependenz, vom Verwunden zum Heilen; nur so können wir auch in Zukunft gedeihen.«

Der 3. Mai war dieses Jahr der Überlastungstag in Deutschland, zu einem ähnlichen Zeitpunkt wie in den Jahren zuvor.

Robin (dt: Wanderdrossel) Wall Kimmerer, Professorin für Umweltbiologie und Gründerin und Leiterin des „Center for Native People and the Environment“ lädt in diesem Buch zum Perspektivwechsel in Bezug auf kapitalistische und die Natur und Menschen ausbeutende Wirtschaftssysteme ein. Nicht mit eingerechnet in den Preis der vermeintlichen Billigprodukte sind die Folgekosten für die Gesellschaft. Anhand der Felsenbirne (engl.: serviceberry) gibt sie Einblick in die Idee einer Schenk- und Tauschökonomie.

Von ihren Verwandten Anishinaabe und deren Nachbarn, den Haudenosaunee trägt sie eine Dankbarkeitskultur in sich, die sie im Einklang, in Anerkennung und Verantwortung für die Gaben der Natur leben lässt. Statt nach immer mehr Konsum und immer kürzeren Intervallen zu streben, geht es um nachhaltige Strategien, eine dekarbonisierte Ökonomie, soziale und Umweltgerechtigkeit, Reziprozität und die Frage, was für jede/n einzelne/n genug ist zum Leben. Freecycling-Guppen, Repair-Cafés, Tauschbörsen und –regale, Umsonstläden, Foodsharing, Buy-Nothing-Projekte u.a. beschreibt sie als Wege, Überkonsum und einer Wegwerfmentalität etwas entgegenzustellen. Kooperation und Freigiebigkeit sind als Überlebensstrategien im Menschen angelegt, und soziale und politische Strukturen können diese, ein Umdenken und gemeinsame Ideen und Interessen fördern. Anhand praktischer Beispiele im Kleinen schildert sie erste Schritte zur Annäherung und Versöhnung von Ökonomie und Ökologie.

Einfühlsame s/w-Illustrationen ergänzen das lesenswerte Buch.

Tanja Schleyerbach