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Empfehlungen Januar 2020

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

 

Adam und Eva kommunizieren unterschiedlich

Muderlak, Cristina: Eva talks - Adam walks. Wie unsere Unterschiedlichkeit das Miteinander stärkt. – Berlin: Goldegg-Verlag, 2015. – 315 Seiten

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Wollten Sie schon immer mal wissen, warum der Kollege oder die Kollegin so seltsam reagiert, in scheinbar klaren beruflichen Situationen? Cristina Muderlak versucht diese Miss­verständnisse zwischen den Geschlechtern zu klären. Sie zeigt typisches Verhalten von Männern und Frauen in der Kommunikation auf. Ob es um das Thema Wett­bewerb und Konkurrenz geht oder um Solidarität, Fehler­kultur oder die unter­schied­liche Verwendung von Sprache – es wird klar, dass es ein­deutige Differenzen gibt. Die Autorin geht der Frage nach, ob die Unter­schiede angeboren oder erlernt sind. Schließlich zeigt sie auf, ob die Frauen­quote eine Lösung ist und wie das Miteinander gelingen kann.

Das Wissen um geschlechtsspezifische Kommunikationsmuster kann Missverständnisse verhindern und die Zusammenarbeit in Teams verbessern.
Ein interessanter, gut lesbarer und trotzdem fundierter Titel.

Maria Weber

 

Zweimal klein aber fein, Teil 1

Scharfzüngiges Prosadebüt

Kohli, Julia: Böse Delphine. – Basel: Lenos Verlag, 2019. – 190 Seiten

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„Wenn Sie noch etwas am Buch ändern könnten, was wäre das?“, wurde die Autorin Julia Kohli in BuchMarkt gefragt. Und ihre Antwort: „Es hätte ruhig böser sein können. Ich habe mich etwas zurück­gehalten, das bereue ich. Eine weibliche Protagonistin muss nicht sympathisch sein – das schreib ich mir für meine nächsten Projekte hinter die Ohren.“
Böse genug für meinen Geschmack ist es allemal. Und gerade diese scharf­züngige Sprache und der heftig-klare Blick auf die junge Generation machen den Reiz des Buches aus. Es passiert nicht viel in dem kleinen Roman, aber er lohnt zu lesen.
Die Studentin Halina hat einen Aushilfs­job am Flug­hafen­kiosk, sortiert Bücher, stapelt Zeit­schriften, wartet auf den Feierabend. Mit der Semester­arbeit geht es nicht so recht voran. Coolness, Sinnkrise und Distanz bestimmen das Leben, aber wo findet das echte Leben eigentlich statt? Man trifft sich, kocht Veganes und Thai in der Altbau­wohnung, schaut Netflix oder geht zur Party und zum Open Air Festival. Nur die Affäre mit Elias beginnt zunächst viel­versprechend. Ob sie so bleibt?
Lakonisches, ungeschminktes Zeitportrait einer Generation.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Von Paradiesäpfeln und Terebinthenbäumen

Böhm, Manfred: In den Himmel wachsen. Bäume der Bibel. Symbole für das Leben. – Düsseldorf: Patmos 2019. – 124 Seiten

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„Die Zivilisation beginnt mit dem ersten gefällten Baum und endet mit dem Fällen des letzten.“- Sprichwort

Nach einer Einführung über die Bedeutung der Bäume für die Menschen, das Leben und die Welt sowie ihr Vorkommen in der Bibel, anderen Religionen und Mythen, wendet sich der Autor einzelnen, in Palästina anzu­treffenden Bäumen zu. Er erläutert deren biblisches Vorkommen, Bezüge und Symbol­gehalt. Spannend sind die Quer­verbindungen und Details über ihre Geschichte und Wirkung. Ihre existenzielle Bedeutung für den Menschen und das Leben auf der Erde wird damit ins Bewusst­sein gebracht. Mit wunder­baren Fotos und Zeichnungen bebildert, weckt der kleine Band Interesse für eines der ältesten Lebe­wesen unserer Erde.

Tanja Schleyerbach

 

Beethoven aktuell

Alle Menschen werden Brüder. Uwaga! ; Folkwang Kammerorchester ; Christopf König (Violine, Viola), Maurice Maurer (Violine), Miroslav Nisic (Akkordeon), Matthias Hacker (Kontrabass), Johannes Klumpp (Dirigent). – Ratingen: Ars Produktion, 2019. – 1 CD

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Am 17. Dezember 2020 jährt sich der Geburtstag von Ludwig van Beethoven zum 250. Mal. Noch heute kann sich ein Musiker kaum der Musik dieses her­vor­ragenden Komponisten ent­ziehen. Es liegt also nahe, dass sich zahl­reiche Musik­projekte mit Beethovens Musik beschäftigen. Das Ensemble Uwaga! und das Folkwang Kammer­orchester Essen unter der Leitung von Johannes Klumpp setzen ein erstes Ausrufe­zeichen in dieser Hinsicht. Uwaga!, besetzt mit zwei Violinen, Akkordeon und Kontrabass, ist dem Jazz zuzurechnen und hat mit dem klassischen Kammer­orchester eigene Arrangements entwickelt. Bekannte Klavier­stücke wie die Mond­schein­sonate, Für Elise, oder die Pathétique werden in ein neues akustisches, zeit­gemäßes Gewand gekleidet. Sehr erstaunlich ist es, mit welcher Selbst­ver­ständ­lich­keit und Natür­lich­keit die Musik Beethovens zu grandioser Film- und Unter­haltungs­musik umge­wandelt wird. Phänomenal musiziert schaffen Uwaga! und das Folkwang Kammer­orchester mit ihrer CD „Alle Menschen werden Brüder“ eine wichtige Verbindung zwischen Tradition und Gegenwart. Beethoven bleibt aktuell!
Apropos Beethoven: unsere Musik­bibliothek hat bis Ende Januar einen Beethoven-Bereich für Groß und Klein ein­ge­richtet, in dem man sich auf unter­haltsame Weise an die Musik und das Leben des Ludwig van Beethovens annähern kann. Beethovens Musik hören und kennen­lernen, dabei lesen und rätseln oder sich inspirieren lassen. Sie sind herzlich ein­ge­laden mit uns den Start in das Beethovenjahr 2020 zu begehen!

Axel Blase

 

Märchen aus 1001 Nacht reloaded

Gardi, Tomer: Sonst kriegen Sie ihr Geld zurück. – Graz: Literaturverlag Droschl 2019. – 154 Seiten.

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Ausgangspunkt: ein arbeitsloser Mann geht zum Amt. Stempeln. Bei der  Job­bezeichnung fürs Formular stößt er auf Widerstand: „So einen Beruf gibt es nicht, Schriftsteller.“ Findig wie er ist, schlägt der Autor also einen Deal vor: Er erzählt dem Mann hinterm Schreib­tisch eine Geschichte und bei Gefallen erhält er den be­gehr­ten Stempel. Und schon sind wir drin im Erzählen und in ganz vielen Geschichten, die plötzlich an­fangen zu interagieren und sich über­einander zu schieben. Die alte Frau, die die Müll­tonnen durch­sucht, ein Stier­kampf in Israel, der Palästinenser Abu Adwan, der die Gasflaschen liefert, ein rosa­farbener Feng-Shui-Fisch spielen eine Rolle. Aus dem Schrift­steller wird eine Schrift­stellerin, die Schau­plätze wechseln, die Geschichten schweifen ineinander, und wir fragen uns, was Realität und was ausgedacht, wo der Anfang und das Ende ist. Der kleine Roman über das, was Literatur und Fantasie ausmacht, hat mich in den Bann gezogen und an die Märchen von 1001 Nacht erinnert.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Stilles Drama im ewigen Eis

Nanouk. Regie: Milko Lazarov. – 1 DVD, 2018. – 93 Min.

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Nanouk und Sedna, ein Inuit-Ehepaar, leben in der Tradition ihrer Vorfahren mit ihrem Hund in ihrer Jurte als Rentier­jäger und Fischer in den Eiswüsten Jakutiens im Norden Sibiriens. Doch die Jagd wird immer schwerer, denn die Rentiere sterben an einer unbekannten Krankheit, und alle drei bleiben immer öfter hungrig. Hinzu kommt das sich verändernde Klima, das für frühe Schnee­schmelzen und Starkwinde sorgt und ihre Behausung zu zerstören droht. Ága, die Tochter von Nanouk und Sedna, hat ihre Eltern schon lange verlassen. Ein tiefes Schweigen verbindet das sich liebende Ehepaar, das sich mit minimalen Gesten verständigt, während sie inmitten einer grandiosen, einsamen Land­schaft ihren Alltag im Einklang mit der Natur leben. Nur von ihren Träumen erzählen sie sich manchmal, und das batterie­betriebene Radio unterbricht bisweilen die Stille. Die Natur verändert sich, die Jagd wird schwieriger, und das Eis immer dünner. Der Fang eines Schnee­fuchses, aus dem Sedna eine Mütze näht, gehört zu den Höhe­punkten und bringt große Freude in ihr bescheidenes Leben. Nur Chena, ein Freund Ágas, hält Kontakt zu deren Eltern; er wohnt in der Stadt und ist für das Inuit-Ehepaar die Verbindung zur Zivilisation. Sedna hat eine lebens­bedrohliche Krank­heit, und als sie stirbt, lässt Nanouk Jurte und Hund zurück und bricht auf, um seine Tochter in der Stadt noch einmal zu besuchen und sich mit ihr zu versöhnen – der unerfüllte Traum seiner verstorbenen Frau.
Die bulgarisch-deutsch-französische Produktion ist ein berührendes, stilles Drama um die Folgen des Klima­wandels, um den Konflikt zwischen anachronistischer Lebens­weise und der wenig idyllischen Moderne und das Porträt eines alternden Ehepaars in der Einsamkeit einer wunderbaren Natur.

Tanja Schleyerbach