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Die perfiden Machenschaften von Epstein
Virginia Giuffre: Nobody’s girl. – 2025 – 400 Seiten
Titel verfügbar?
Bis endlich Ende Dezember 2025 das US-Justizministerium auf Druck der Öffentlichkeit und des Parlaments damit begonnen hat, die Epstein-Akten online zu veröffentlichen, hatten sich schon viele der Epstein-Opfer zu Wort gemeldet. Eines der bekanntesten Opfer ist Virginia Giuffre, die in ihren postumen Memoiren im Detail schildert, wie sie noch als Minderjährige „rekrutiert“ wurde. Als Kind sexuell missbraucht und als Jugendliche ohne Perspektive war sie ein leichtes Opfer.
In ihrem Buch schildert sie ihre Kindheit, ihre Zeit im Gefüge Epsteins, versucht aber auch eine Erklärung zu finden, warum immer wieder junge Mädchen und Frauen leichte Beute für solche Menschen und deren Machenschaften werden.
Das Buch liest sich nicht flüssig, der Schreibstil ist etwas kantig und inhaltlich ist es sehr „voll“. Aber um zu verstehen, wie das perfide System rund um Epstein funktioniert hat, ist dieses Buch ein sehr wichtiger Beitrag.
Maike Schneider
Hochaktueller, überaus interessanter Einblick in den Iran, seine Verflechtungen, sein Niedergang und eine Zukunftsprognose
Sadrzadeh, Ali: Ali Khamenei : Aufstieg und Herrschaft. – 2025. – 263 Seiten
Titel verfügbar?
Der im Iran geborene und 1970 nach Deutschland ausgewanderte Journalist, Autor, Germanist und Politologe ist Iran-Experte des Hessischen Rundfunks. Er hat eine hochaktuelle Biografie über das derzeitige Oberhaupt der Islamischen Republik Iran verfasst und lässt geschichtlich, politisch, religiös und gesellschaftlich tiefe Einblicke in ein Land zu, das sich im ständigen Überlebensmodus befindet, andere Meinungen brutal unterdrückt und seine ideologischen Gegner konsequent bespitzelt und eliminiert. Der Hass auf Israel und dessen Auslöschung ist Staatsprogramm, das Überleben der Republik wichtiger als religiöse Pflichten. Die Wasserknappheit, derzeit in den Medien nachzulesen, schätzt er als weitgehend selbstverschuldet ein, weil Wasser nicht rationiert wird und 90 % des Grundwassers verbraucht werden. Die größte Gefahr droht nach Einschätzung des Autors von der Generation Z, die auf Social media ihr Leben verbringt: über 50 % der 90 Millionen Bewohner*innen des Landes sind unter 30 Jahre alt. Sie sind nicht mehr gewillt, sich unterdrücken, kontrollieren und religiös und politisch beherrschen zu lassen. Sie sind viele, und sie sind mutig und riskieren ihr Leben. Aufstände werden brutal niedergeschlagen, Angst und Gewalt sind Mittel der Wahl, um das Volk auf Linie zu halten. Der Machtapparat jongliert sich über Jahrzehnte durch die härtesten Sanktionen, die je über ein Land verhängt wurden. Er berichtet von wunderbaren und furchtlosen Menschen, von einer großartigen Kultur und Geschichte, von gebildeten Menschen, von Widersprüchen und Diversität. Die Schönheit des Landes ist nicht Thema des Buches. Es liest sich spannend, wie dieser Staat dennoch funktioniert, wie sein Einfluss in der Region, ist, wie er sich finanziert, welche Verflechtungen es mit Russland und anderen Machthabern gibt, wie die Seiten gewechselt, Menschen fallengelassen und Ideologien zementiert werden und mit welchen Mitteln er sein Überleben sichert – nach innen und außen. Und natürlich liest sich das auch mit Verwunderung und Entsetzen.
Sehr empfehlenswerte Lektüre!
Passend dazu: https://www.arte.tv/de/videos/124588-000-A/iran-der-mullah-und-die-jungen-frauen/
Tanja Schleyerbach
Die Killerunterhosen greifen an!
Elise Gravel: Angriff der Killerunterhosen : Fake News und Verschwörungstheorien erkennen. – 2024 – 88 Seiten
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Die preisgekrönte Autorin und Illustratorin hat mit „Angriff der Killerunterhosen“ ein wichtiges Kinderbuch geschrieben. In ihrem Sachbuch-Comic erklärt sie auf witzige, anschaulich und unterhaltsame Weise, was Fake News sind. Dabei erklärt sie wieso Menschen Fake News erfinden und wie sich diese verbreiten. Am Schluss wird dann anhand von 10 Schritten gezeigt, wie man Fake News erkennen kann, in dem man z.B. kritisch ist, die Nachrichtenquelle überprüft, man versucht, Fakten von Meinungen zu unterscheiden und mehr, als nur die Überschrift liest.
Gerade der leichte Zugang zu diesem wichtigen Thema hat mich überzeugt. Der Zeichenstil ist sehr bunt, die Figuren eher schlicht. Die Bilder lenken nicht vom Text ab. Im Gegenteil: sie unterstreichen das gelesene auf eindrückliche und oft etwas überzogene Art und Weise. Auch wenn es sich hier um ein Kindersachbuch für 8-12-jährige handelt, sollten diesen, schnell zu lesenden Comic, alle lesen.
Barbara Glaser
Eindrückliches Familienportrait
Alex Schulman: Endstation Malma. – 2023 – 315 Seiten
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Familien-Mitglieder dreier Generationen sind unterwegs nach Malma, und alle tragen familiäre Verletzungen in sich. Das Kind Harriet mit einer Urne und ihrem Vater, Oskar und Harriet als Ehepaar und Yana, ihre Tochter, sitzen in verschiedenen Zeitebenen im Zug nach Malma, einem kleinen schwedischen Ort wenige Stunden von Stockholm entfernt. Keine der Reisenden weiß, was sie dort erwartet. Fein konstruiert Schuman die dysfunktionalen familiären Verflechtungen, macht die Gründe ihrer Traumata mit jedem Kapitel durchsichtiger, und ab und zu gibt es Szenen, bei denen Gewalt ausbricht. Die Zugfahrt und das Reiseziel ist das verbindende Element, immer enger werden die Verbindungen, spannend bis zuletzt, und man muss aufmerksam beim Lesen bleiben, um der Handlung zu folgen.
Die Szene, als Harriet im Bett liegt und mit ihrer Schwester zusammen ihre Eltern in der Küche streiten hört, wer nach der Trennung zu wem kommt, ist kaum zu ertragen. Harriet will zu keinem der Elternteile. Dass sie beim Vater wohnend den Kontakt zu ihrer Mutter und Schwester verliert, ist dramatisch. Das hinterlässt Narben und es ist eine ewige Suche nach Anerkennung und Gemochtwerden. Harriet ist die zentrale Figur, die den Roman zusammenhält und für ihr Umfeld immer wieder eine große Zumutung darstellt. Die Frage, ob man ohne die Vergangenheit angesehen und gelöst zu haben, frei für die Zukunft ist, stellt sich immer wieder. Schulmann ist eine spannende und aufwühlende Familiengeschichte gelungen.
Tanja Schleyerbach
Willkommen in der 32. Etage!
Ivar Leon Menger: Der Tower – 2025 – 398 Seiten
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Weil mich seine bisherigen Bücher immer schon begeistert haben, war ich total gespannt auf diesen neuen Titel. Schon nach einigen Sätzen war ich total in der Story und bis zum Ende hat sie mich auch nicht mehr losgelassen. Die Atmosphäre war einfach nur grandios: beklemmend, düster, futuristisch & sehr temporeich. Kurze und knackige Kapitel haben die Spannung immer hochgehalten und so wird man in einen Sog gerissen, der einen erst wieder loslässt, wenn man das Buch bis zum Ende gelesen hat.
Unvergleichlich gut!
Katrin Grießinger
Lebenspraktisches Reflexionsinstrument
Eckhart von Hirschhausen: Der Pinguin, der fliegen lernte. Eine Geschichte über das Leben, die Liebe und das Glück. – 2025 – 160 Seiten
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„Kindern erzählt man Geschichten, damit sie einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.“ Jorge Bucay
Glücksratgeber gibt es nicht wenige, aber diese Geschichte ist besonders, weil sie eindrücklich und leicht zu verstehen ist. Viele Menschen leben wie ein Delphin in der Wüste nicht in ihrem Element, weder beruflich noch in Bezug auf Menschen, mit denen sie sich freiwillig umgeben. Im Flow leben, in der richtigen Umgebung sein, zusammenhalten und sich gemeinsam Problemen entgegenstellen, das verstehen Pinguine wie andere Tiere, wenn Menschen ihnen nicht die Lebensgrundlagen entziehen. Von Pinguinen kann Mensch auf natürliche Weise und ohne Zwang Zärtlichkeit, Zuwendung, Tanzen, Singen, Treue, Liebe, Gemeinschaft, Durchhaltevermögen, Fürsorge und Mut lernen. Sie können lernen, wie es sich lebt, wenn man absolut in der richtigen Umgebung mit den richtigen Wesen und ohne Nörgeln lebt. Eckhart von Hirschhausen hat zu jedem Kapitel unterhaltsam viele Beispiele zusammengetragen, anhand derer Mensch seine eigenen Absurditäten und selbstgemachten Blockaden erkennen kann.
Mehr Leichtigkeit, bessere und mutigere Entscheidungen, Reflektieren über Freunde und die Liebe, über Vertrauen und Zusammenhalt, mehr Leichtigkeit und Lebensglück, der Blick von außen auf das eigene Leben und von der Zukunft der Blick zurück – wer will ich einmal gewesen sein - das Buch macht es möglich.
„Umwege erhöhen die Ortskenntnis“ (Umwege sind normal und bereichernd) – „Mal bist Du die Taube – mal das Denkmal“ (Perspektivwechsel)
Am Ende gib es einige persönliche Pinguingeschichten von inspirierten Kenner/innen und einen flammenden Appell des Autors, den Lebensraum der Pinguine nicht weiter durch den Klimawandel zu zerstören – jede/r mit seinem und ihrem persönlichen Fußabdruck.
Vollendet wird das handliche Buch mit betörend schönen Fotografien von Stefan Christmann, der zwei Winter in der Antarktis verbracht hat. Spätestens da wünsche ich mir: das Buch möge größer sein, damit die Bilder noch eindrücklicher wirken.
Für alle, die noch den letzten Kick brauchen, um eine Veränderung anzugehen.
Tanja Schleyerbach
Früher auch mit Begeisterung Tetris gespielt? Strategie-Spiel-Fan?
Bernard Tavitian: Blokus. – 2025 – 1 TechnoThek-Spiel
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Bei Blokus versuchen zwei bis vier Spieler möglichst viele ihrer Formen (die übrigens stark an Tetristeile erinnern) auf der Spielfläche unterzubringen. Wenn kein Spieler mehr anlegen kann wird gezählt, wer die wenigsten Einzelteile übrighat, der hat dann auch das Spiel gewonnen.
Durch die kurze Spieldauer – maximal 20 - 30 Minuten – ist bei Blokus nicht nur der „Wiederspiel-“ sondern auch der „GLEICH NOCHMAL!-Faktor“ sehr hoch. Und das Gute dabei: nach maximal 3 Minuten hat wirklich jeder verstanden, wie´s geht.
Übrigens, kennt Ihr schon das Spiel Skyjo? Ein Kartenspiel, einfach genial und genial einfach.
Das gibt es natürlich auch bei uns!
Viel Spaß beim Spielen wünscht
Sabine Schaller
Ist eine Frau mehr wert als zwei Rinder?
Macelli Wadino Shabati: Tochter der Savanne. – 2025 – 300 Seiten
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Der Lebensweg von Macelli Wadino Shabati war eigentlich eindeutig vorgegeben: aufgewachsen in einem patriarchalisch geprägten Nomadenstamm in Tansania würde sie mit spätestens fünfzehn Jahren für zwei Rinder an einen Mann verkauft werden, Kinder gebären und den Rest ihres Lebens hart arbeiten und ihrem Mann dienen.
Doch ein tragischer Unglücksfall in ihrer Familie bringt die Wende in ihrem Leben und sie darf mit vierzehn Jahren zum ersten Mal eine Schule besuchen. Von da an versucht sie mit eiserner Disziplin und gegen alle Hindernisse, ihr Ziel zu erreichen: Lehrerin zu werden.
Je mehr sie lernt, desto mehr zweifelt sie an Vielem, was vierzehn Jahre lang für sie Normalität war, vor allem an der Unterdrückung und der Grausamkeit gegenüber den Frauen ihres Stammes. Doch am Ende schafft sie es, in ihrem Leben beides zu vereinen: ihre traditionellen Wurzeln mit einem modernen, selbstbestimmten Leben.
Eine mitreißende Biografie einer mutigen Frau!
Renate Goldbrunner