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Empfehlungen Oktober 2025

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

Buch-Cover: Der Pinguin meines Lebens Buch Cover: Bury Your GaysBuch-Cover: Die Rettung Buch-Cover: Perfect Crime : wenn niemand dir glaubt Buch-Cover: Die Überlebenden  Buch-Cover: Verbrenn all meine Briefe 


 

Juan Salvado – Tom und die Liebe seines Lebens

Buch Cover: Der Pinguin meines LebensTom Michell: Die wahre Geschichte einer unwahrscheinlichen Freundschaft. – Sachbuch, 2016. – 254 Seiten

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„Unsere Lieben sind stets nur geliehen, nicht geschenkt.“

Die Geschichte ist so unwahrscheinlich, dass sie besser nicht hätte erfunden werden können. Der junge Engländer Tom Mitchell entdeckte bei einem Strandspaziergang in Uruguay inmitten von toten, ölverschmierten Pinguinleichen einen einzelnen Magellanpinguin, der ein Lebenszeichen von sich gab. Die Rettung, die Reinigung und die Reise von Uruguay nach Argentinien ist ein nahezu unbeschreibliches Abenteuer.

Tom beginnt dort als Lehrer an einem renommierten Internat mit Englischunterricht, und der Pinguin Juan Salvado zieht in seine Wohnung mit ein und lebt auf der Terrasse. Es gibt niemanden, den Juan nicht beeindruckt. Er verändert die Menschen um sich, allen voran Tom, aber auch einen schüchternen College-Jungen, dessen herausragendes Schwimmtalent erst durch einen gemeinsamen Aufenthalt im Swimmingpool der Highschool entdeckt wird. Tom reflektiert, an welcher Stelle er Juan in die Freiheit entlassen oder in einen Zoo hätte abgeben sollen, aber diesen Moment gab es nicht. Das beste Leben, das es für ihn geben konnte, wählte Juan selbst, indem er Tom immer wieder folgte – trotz aller Versuche, ihn auszuwildern.

Tom setzt sich mit Umweltthemen auseinander und immer wieder mit der ethischen Frage, welche Entscheidung dem Vogel gerecht wird. Juans Leben bei Tom ist lebensverändernd für viele Menschen. Seine Liebe, Anhänglichkeit und Zuwendung, seine Routinen, seine Fähigkeit, zuzuhören ohne zu urteilen, öffnet und trifft die Menschen tief ins Herz.

Es ist zudem ein spannender Reisebericht eines abenteuerlustigen jungen Mannes, der sich viele Jahrzehnte später erneut auf die Spuren seines frühen Argentinienaufenthaltes begibt. Bei dieser Reise wird seine Entscheidung, Juan bei sich zu behalten, durch eine Entdeckung und Erläuterung rehabilitiert. Juans Lebensende ist herzzerreißend. Das Thema Tod, Trauer und Abschied rückt in den Focus. Dafür kann man sich einen Stapel Taschentücher bereitlegen.

Ein Buch mit ganz großen Gefühlen.

Die DVD zum Film erschien im August 2025.

Tanja Schleyerbach

 

Eine bissige Horrorgeschichte mit Tiefgang

Buch-Cover: Bury Your GaysChuck Tingle: Bury Your Gays. – Englisches eAudio, 2024. – 295 Seiten

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Chuck Tingle ist im Internet unter anderem für provokante Texte bekannt. Mit dieser Horrorgeschichte in Romanlänge nimmt er sich einem sozialkritischen Thema an: der Darstellung von queeren Figuren in Medien der Unterhaltungsbranche.

Der Roman folgt dem Drehbuchautor Misha, welcher von seinen Produzenten dazu angehalten wird, der Beziehung zwischen den beiden queeren Hauptfiguren in der von ihm geschriebenen Serie ein tragisches Ende zu geben. Misha jedoch weigert sich, arbeitet er doch schon seit Jahren auf ein Happy End zwischen beiden Charakteren hin. Als Misha zunehmend von Horrorgestalten aus seinen eigenen Filmen heimgesucht wird, muss er sich schnell entscheiden ob er einlenken wird, oder ob er es riskieren will, sein Leben sowie die Leben derer, die ihm wichtig sind, aufs Spiel zu setzen um seinen Prinzipien treu zu bleiben.

Ich habe dieses Buch aus verschiedenen Gründen regelrecht verschlungen: Zum einen war dies nach langer Zeit wieder mal ein Horrorroman, der den Namen verdient und mich richtig gegruselt hat. Zum anderen hat mir Chuck Tingle mit diesem Buch und der Art und Weise wie er den Umgang mit queeren Figuren in den Medien kritisiert aus dem Herzen gesprochen. Und zu guter Letzt hat es einfach richtig Spaß gemacht diesen Roman zu lesen und der Hauptperson dabei zu folgen, wie sie das Mysterium löst!

Antonia Heger

 

Spannender Ökothriller auf einer einsamen Insel

Buch-Cover: Die RettungCharlotte McConaghy: Die Rettung. – Roman, 2025. – 364 Seiten

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„Wir müssen mit ganzer Seele Dinge lieben, von denen wir wissen, dass sie sterben werden.“

Die bemerkenswerte australische Autorin mit schottischen Wurzeln und einer unverbrüchlichen Liebe zur Natur hat nach „Zugvögel“ und „Wo die Wölfe sind“ ihren dritten Roman vorgelegt, und er ist ein wirklicher Pageturner. Spannend bis zuletzt schildert sie, wie Dominic Salt, ein Vater mit drei Kindern Raff, Fen und Orly auf der verlassenen Insel Shearwater (sie basiert ziemlich genau auf der subantarktischen Insel Macquarie Island, Heimat von vier Millionen Robben, Pinguinen und Seevögeln, ein heimliches Weltwunder) zwischen Australien und der Antarktis lebt und dort eine Saatgutbank, die für das Überleben der Menschheit wichtig ist, überwacht. Die Insel hat eine entsetzlich blutige Vergangenheit, Menschen haben die dort lebenden Tiere fast bis zur Ausrottung geschlachtet und ihr Fett als Brennmittel verwendet.

Auf Shearwater gab es bis vor kurzem eine Forschungsbasis, die bis zu vierzig Forscher/innen beherbergt hat. Alle sind inzwischen jedoch gegangen oder tot. Die drohende Überflutung der Insel hat den Arbeitsplatz zu einem lebensbedrohlichen Ort gemacht. Nur die Familie bleibt. Eine Frau, Rowan, die viele Rätsel birgt, wird eines Tages schwer verletzt angespült, sie ist auf der Suche nach ihrem Mann. Ihr Bootsfahrer ist derweil den Kräften des Meeres zum Opfer gefallen. Sie hütet ebenso ein Geheimnis wie die Familie, und gegenseitiges Misstrauen ist bis zur Auflösung aller Rätsel die Basis ihres Zusammenlebens.

Der vielschichtige und herausragende Roman wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und fesselt durch seinen Aufbau, die Beschreibung der Naturgewalten, der Tiere und der Menschen, die den Leser/innen in ihren Charakteren und Entscheidungen sehr nahekommen. Eine fantastische Mischung aus Ökothriller, Krimi, Abenteuer, Gesellschaftsroman und Familienstudie.

Wie für ihre anderen Romane gilt: Absolute Empfehlung!

Tanja Schleyerbach

 

Genial!

Buch-Cover: Perfect Crime : wenn niemand dir glaubtClaire Douglas: Perfect Crime : wenn niemand dir glaubt. – Psychothriller, 2025. – 396 Seiten

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Emilia ist Krimi-Autorin und lebt mit ihrer Familie in London und hat gerade ihr aktuelles Buch ins Lektorat gegeben. Um sie herum passieren seit Tagen einige beängstigende Dinge, die bisher in ihren Büchern vorgekommen sind und sie schocken. Richtig unheimlich wird es als Dinge aus ihrem noch nicht einmal veröffentlichten Buch passieren. Emilia ist in Alarmbereitschaft und versucht herauszufinden, wer dahintersteckt und ihr etwas Böses will.
Zwischen den aktuellen Ereignissen, Gedanken Emilias und der Beschreibung des Familienalltags finden sich ab und zu kurze Einblicke in Form von Kapiteln des unveröffentlichten Buches.

Einfach genial!

Katrin Grießinger

 

Oktober ist der Monat der Aufklärung über häusliche Gewalt – 2 Medienempfehlungen

Düstere, fesselnde und scharf gezeichnete Familiengeschichte dreier schwedischer Brüder

Buch-Cover: Die ÜberlebendenAlex Schulman: Die Überlebenden. – Roman, 2021. – 302 Seiten

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Wenn man in die Bücher des schwedischen Autors eintaucht, muss man sich auf dysfunktionale Familienkonstellationen und tiefe Abgründe einlassen. „Die Überlebenden“ ist sein Debütroman und die Geschichte dreier schwedischer Brüder, deren vermeintliche Idylle im Sommerhaus zusammen mit ihren Eltern geschildert wird. Erst nach und nach offenbaren sich die Risse: Für Alkohol und Zigaretten der Eltern ist immer Geld da, für das Notwendige für die Kinder, die am Existenzminimum gehalten werden, fehlt es an vielem. Emotionale Vernachlässigung, aber auch ausreichend warme Kleidung, das Kümmern um ihre Grundbedürfnisse, Fürsorge – Fehlanzeige. Die Eltern leben an ihnen vorbei und haben das Projekt Familie aufgegeben. Gewalt schleicht sich ein, Ängste und Prügeleien, aber auch Strafen wie in einen dunklen Kellerraum verbannt werden, werden geschildert. Die Brüder gehen untereinander ebenfalls sorglos unsentimental miteinander um, und auch in die Schule tragen sie ihre Gewaltexzesse. Liebe ist Mangelware, dabei wird auf Tischgebet und Respekt vor den Eltern großen Wert gelegt. Benjamin, der Mittlere, sehnt sich am meisten nach Geborgenheit. Da ist immerhin noch Molly, die Familienhündin, mit der er sein Bedürfnis nach Liebe und Zuneigung ausleben kann. Der Vater stirbt an einem Schlaganfall, und die Familie zerstreut sich.   

Nach 20 Jahren treffen sich die drei ungleichen und sich über die Jahre fremd gewordenen Brüder wieder, um die Asche der Mutter zu Grabe zu tragen. Dass sie ihre Asche über dem See beim Sommerhaus verstreut haben möchte, offenbart sich ihnen erst einen Tag vor der bereits arrangierten Beerdigung durch einen letzten Brief der Mutter, in dem sie Worte findet, die sie zu Lebzeiten nie aussprechen konnte. Benjamin hat sich nach einem Suizidversuch einer Kurztherapie unterzogen. Dabei kommt das dunkle Familiengeheimnis ans Licht und in sein Bewusstsein. Als die drei Brüder am Sommerhaus ankommen, kommt die geballte Wut und Gewalt ihrer Kindheit und Jugendzeit wieder nach oben und bricht sich Bahn.

Düstere und haarscharf beobachtete Familiengeschichte, die in wechselnden Rückblenden immer mehr Details offenbart. Sehr gute Literatur!

Tanja Schleyerbach

 

Ergreifend: Briefroman über eine alte Wut und eine tragische Dreiecksgeschichte, recherchiert anhand von Tagebuchaufzeichnungen und Briefen

Buch-Cover: Verbrenn all meine BriefeAlex Schulmann: Verbrenn all meine Briefe. – Roman, 2022. – 300 Seiten

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Alex Schulman wird nach einem familiären und gewaltvollen Streit mit seiner Frau klar, dass er eine alte Wut in sich trägt, die er analysieren muss, bevor die Familie auseinanderbricht und seine Frau mit den Kindern sich vor ihm in Sicherheit bringt. Seine kleinen Kinder fürchten sich vor ihm, sie versuchen es ihm unentwegt recht zu machen und seine Stimmung abzulesen, und das bedrückt in. Er geht in die Offensive und macht sich in der Vergangenheit auf die Suche nach den Spuren seiner unbändigen Wut. Sie führt in die Jahre 1932 und 1988 und deckt eine dramatische Liebesgeschichte und Dreierbeziehung seiner Großeltern auf, die kunstvoll in mehreren Erzählperspektiven mit der Gegenwart verwoben wird. Seinen Großvater Sven Stolpe lernt er als Kind kennen als einen fanatisch belesenen Mann und Schriftsteller, als einen herrischen Ehemann und jemanden, für den Gefühle nicht existieren und wie lästiges Ungeziefer von ihm ferngehalten werden sollen. Als Alex weint, fordert er, dass das Geplärr abgestellt wird. Die Wut rührt in der Begegnung seiner Großmutter Karin Stolpe mit Olof Lagercrantz, den Vater des Autors David Lagercrantz. Es ist Liebe auf den ersten Blick und für immer, aber Karin ist bereits mit Sven verheiratet. Bis zu ihrem beiden Tod bleibt die Leidenschaft füreinander ungebrochen. Sven ist machtlos gegen Karins Gefühle, und er ist zu jeder Gewalttat bereit, was er ihr unumwunden stets vor Augen hält. Karin ist sein Besitz, und sie fügt sich nach einem Ausbruchsversuch in diese Rolle. Sven kennt keine Gnade, nur Eifersucht, und sein Markenzeichen ist die Wut. Gegenüber Konkurrenten, gegenüber Kollegen, gegen alle, die sich ihm in den Weg stellen. Die Folge: die Familie von Alex mütterlicherseits ist heillos zerstritten – bis heute. Anhand von umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen und Briefen zeichnet Alex Schumann das Bild der dramatischen Liebesgeschichte mit ihren Folgen für viele Nachkommen nach und kommt dabei seinen eigenen Abgründen nahe.

Fesselnd, tragisch, authentisch und sehr ergreifend!

Tanja Schleyerbach