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Empfehlungen September 2020

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

       

 

Das leise Sterben

Fleischhauer, Wolfram: Das Meer. – München: Droemer, 2018. – 443 Seiten

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Mafia und Fischfang – zwei Begriffe, die man nicht unbedingt sofort miteinander in Verbindung bringt. Dieser Öko-Thriller beschreibt erschreckend realitätsnah das komplexe und teil­weise kriminelle Netz der globalen Fisch­industrie. Die Rahmen­handlung bildet das Verschwinden einer Fischerei­beobachterin auf einem spanischen Fang­schiff. Ihre Freunde geben die Hoffnung nicht auf und versuchen das Schicksal von Teresa aufzuklären. In einem weiteren Handlungs­strang geht es um die Umwelt­aktivistin Ragna, die zusammen mit Verbündeten gegen die Zerstörung und Ausbeutung der Weltmeere kämpft und dabei zu drastischen Mitteln greift.
Der Autor arbeitet auch als Konferenz­dolmetscher und ist daher mit den Abläufen in Brüssel und komplexen wirtschaft­lichen und politischen Themen vertraut.  Der Thriller stimmt nach­drücklich und ist gerade in Bezug auf die Nach­haltig­keits­debatte sehr aktuell, da er beklemmend echt aufzeigt, wie zer­störerisch der Mensch mit dem Planeten umgeht.

Lisa Weber

 

Aktuelles Drama

Styx. / Regie: Wolfgang Fischer. – D/A, 2019. – 1 DVD. – 94 Min.

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Styx ist eine griechische Flussgöttin und ein Fluss der Unterwelt als Grenze der Lebenden zum Hades, dem Reich der Unterwelt, dem Totenreich.

Rike ist eine Kölner Notärztin, die in ihrem Urlaub mit ihrem Segel­boot alleine von Gibraltar nach Ascension Island auf­bricht. Sie entscheidet sich, trotz Unwetter­warnung weiter­zusegeln, und hält Kontakt zu einem nahen Passagier­schiff. Mitten im Unwetter trifft sie in unmittel­barer Nachbar­schaft auf ein havariertes, vollkommen über­ladenes Fischer­boot mit ge­flüchteten Menschen, die zu ertrinken drohen. Sie setzt die Notruf­kette in Gang, doch ihre Hilfe­rufe bleiben ungehört, sie wird vertröstet. Als Stunden später keine Rettung naht, trifft Rike Ent­schei­dungen. Ein junger Afrikaner schafft es auf ihr Boot, und sie dreht ab. Es spielen sich menschliche Dramen ab – auf ihrem Schiff, im Meer, auf dem Fischer­boot. Weiterhin naht keine offizielle Hilfe. Es kommt, wie es kommen muss, wenn diese ausbleibt. Alle Menschen ertrinken vor ihren Augen.

Wolfgang Fischer fängt die Situation und Stimmung auf dem Segel­boot realitäts­nah ein, der Film lebt von den Geräuschen, den Bildern, den fehlenden Worten. Er gibt keine Antworten und lässt den Zuschauer mit ungelösten, aktuellen politischen und moralischen Fragen zurück.

Nachdenklich stimmend und sehr sehenswert!

Tanja Schleyerbach

 

Ein Baumerlebnis für Gross und Klein

Wohlleben, Peter / Reich, Stefanie: Weißt du, wo die Baumkinder sind? – Hamburg: Verlag Friedrich Oetinger, 2018. – 32 Seiten

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Bäume haben auch Kinder und das kleine Eich­hörnchen Piet möchte diese kennen­lernen. Der Förster Peter sitzt jeden Morgen auf der Bank vor seinem Haus und trinkt seinen Kaffee. Piet, das kleine Eich­hörnchen, nähert sich ihm und scheint traurig zu sein. Der Förster hakt nach und Piet erzählt, dass alle Tiere eine Familie haben, nur er nicht. Peter will ihm zeigen, dass selbst Bäume Kinder haben und sie machen sich gemeinsam auf den Weg in den Wald. Es wird ein richtiges Abenteuer. Sie kommen tief in den Wald hinein, treffen eine Wolfs­familie, sehen gefährliche Maschinen und begegnen Dirk, einem Freund von Peter, mit seinem Pferd. Inzwischen dämmert es und die beiden können nicht mehr zum Forst­haus zurück­kehren. Sie über­nachten daher im Wald. Am nächsten Tag ver­jagt Peter mutig einen gefähr­lichen Habicht. Es ist nicht so einfach, Baum­kinder zu finden, aber sie begegnen immerhin zwei Menschen, die junge Nadel­bäume einpflanzen, aber eine Baum­familie ist nicht in Sicht. Erst im Buchen­wald stehen silber­graue Stämme, Buchen, mit ihren frisch gekeimten Buchen­kindern. Obwohl das Eich­hörnchen begeistert ist, hat es immer noch keine Familie gefunden. Vielleicht kann Peter ihm helfen?
Peter Wohlleben ist Förster und Natur­schützer mit Leiden­schaft. In diesem Bilder­buch bringt er Kindern wunderbar den Wald nahe. Stefanie Reich hat das Bilder­buch hervor­ragend illustriert. Sie schafft es Bäume, Pflanzen, Tiere und Personen durch kräftige Farben und Formen lebendig werden zu lassen. Die Geschichte und die Illustrationen fließen sehr gut ineinander über und lassen den Wald für Kinder lebendig werden. Wenn das Bilder­buch gelesen ist, möchte man am liebsten gleich in den Wald aufbrechen. Ein Lese­vergnügen für Groß und Klein.

Beate Reichmann

 

Strike – drei Romanverfilmungen

Strike – die komplette Serie: Der Ruf des Kuckucks. Der Seidenspinner. Die Ernte des Bösen. – Darsteller: u.a. Tom Burke, Holliday Grainger. – Warner Bros, 2018. – 2 DVDs. – FSK 16

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Sie laufen immer wieder durch die Straßen von London und sind auf der Suche nach Zeugen und Verdächtigen: der findige Privat­detektiv Cormoran Strike, gehandicapt durch eine unbequeme Bein­prothese, und seine tüchtige junge Assistentin Robin. Zusammen lösen sie drei komplexe Mord­fälle. Dabei entdeckt Robin ihre krimina­listischen Fähig­keiten, und zwischen ihr und Strike entwickelt sich ein ganz spezielles Verhältnis.
Die Verfilmung von drei Kriminal­romanen, die J.K. Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith schrieb, hält sich dicht an die Roman­vorlagen. Die Filme fesseln den Zuschauer und ziehen ihn immer weiter in das Geschehen hinein. Eine gelungene Mini-Serie mit Sucht­potential.

Maria Weber

 

Fußpflege in Marzahn

Oskamp, Katja: Marzahn mon amour: Geschichten einer Fußpflegerin. – Berlin: Hanser, 2019. – 142 Seiten

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Katja Oskamp ist wahrschein­lich die einzige deutsche Schrift­stellerin, die auch als Fuß­pflegerin arbeitet. In ihrer Geschichten­sammlung „Marzahn, mon amour“ erzählt die Autorin berührend und komisch von ihren Kunden im Ost-Berliner Hoch­haus­viertel und davon, wie sie deren Füße be­handelt. Damit sind wir bei ihrem wunder­baren, lesens­werten Buch „Marzahn, mon amour“ an­ge­kommen. Kauernd vor ihren Kunden, „ganz unten bei den Füßen an­ge­langt“, die nicht selten kaputt sind von dem Leben der kleinen Leute, ver­lieren die Menschen die Scheu und fangen an zu er­zählen. Da ist Frau Guse, eine über 80-Jährige Ur-Berlinerin, mit der die Gespräche nach dem immer gleichen Dialog­tanz ablaufen, der Marzahner Ur­einwohner Herr Paulke, am ganzen Körper reparatur­bedürftig, aber immer noch reise­lustig, die Zustimmungs­künstlerin Frau Blumeier mit ihrem Standard­satz „wollt ick grade sagen“, der ehemalige DDR-Bonze Herr Pietsch, der stramm die Welt erklären und die Fußpflege­kraft anbaggern will und viele andere, meist ältere Bewohner des Hoch­haus­viertels. Mit der gleichen Sorg­falt, die Katja Oskamp den Füßen zuteil­werden lässt, kümmert sie sich um deren schrundige, lädierte Lebens­läufe. Sie hat ein Auge für die Marotten, ein sicheres Gespür für Situations­komik, vor allem aber hat sie ein großes Herz. Man ist immer wieder gerührt von der liebe­vollen, fast zärt­lichen Anteil­nahme, mit der sie ihrer zumeist alten, oft schon stark gehandi­capten Stamm­kund­schaft ein Denk­mal setzt. Für einige wird der Fuß­pflege­termin auch deshalb zu einem Ereignis, weil sie noch einmal Nähe, Wärme und Berührung erfahren, die aus ihrem All­tag längst ver­schwunden sind.
Atmosphäre und Lebens­gefühl enthält diese Geschichten­sammlung aus dem Alltag der kleinen Leute in Ost-Berlin reich­lich und deshalb: Unbedingt lesen!

Andrea Däuwel-Bernd

 

Ergreifende Biografie eines britischen Ehepaars

Winn, Raynor: Der Salzpfad. – Köln: DuMont, 2019. – 330 Seiten

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“Had I seen enough things? When I could no longer see them, would I remember them, and would just the memory be enough to fill me up and make me whole?... Could anyone ever have enough memories?”

Raynor Win packt mich gleich auf den ersten Seiten, ich bin mitten­drin in ihrer Geschichte. Die Geschichte eines britischen Ehe­paars mittleren Alters. Ray kauert mit ihrem Mann, Moth, unter einer Treppe ihres Hauses, sie ver­stecken sich vor den Gerichts­voll­ziehern (Männern in Schwarz). Diese sind gekommen, um ihre Farm für ein­ge­gangene Schulden ein­zu­lösen. Die beiden wissen: Sobald sie durch ihre Haustüre hinaus­gehen, sind sie obdach­los. Ray und Moth haben gemein­sam zwei Kinder groß­gezogen und die Farm mit eigenen Händen auf­gebaut. Im Ver­trauen auf einen Freund und durch einen Fehler beim Gerichts­verfahren, in dem sie sich selbst ver­teidigen mussten, haben sie allen Besitz ver­loren. Alles im Leben der beiden war in kürzester Zeit zusammen­gebrochen: Innerhalb einer Woche kam das Gerichts­urteil und Moths Krank­heits­diagnose: eine neuro­generative Erkrankung (CBD), die in abseh­barer Zeit zum Tod führen wird.

Rays Wunsch ist es, in dieser Situation mit Moth den South West Coast Path zusammen zu laufen, mehr als 1.000 km und 35.000 Höhen­meter mit einem Budget von 48 Pfund pro Woche. Sie wagen es und brechen auf. Es ist eine spannende Reise und ein Weg, der die beiden zu allen existen­ziellen Fragen des Lebens führt. Obdach­losig­keit, Hunger und Durst, Kälte, un­erträg­liche Hitze und Regen, ver­brannte Haut, das Gefühl, nicht mehr zur Gesell­schaft zu gehören, die Krank­heit, die ihren Tribut fordert, ein Voran­kommen im Schnecken­tempo und auf dem ganzen Weg ab­lehnende, ver­ur­teilende, vor­her­seh­bare, aber auch er­staun­liche, wunder­bare und humor­volle Begegnungen – Momente voller Glück. Ray nimmt mich mit in ihre Gefühls­welt und an den Rand des Erträg­lichen, sie beschönigt und ver­schweigt nichts. Bis zuletzt bange ich mit, ob die beiden es schaffen werden und wie es weiter­geht. Es kommt der Winter, und es ist ihnen un­möglich, mit ihrem ein­fachen Zelt und den nicht winter­harten Schlaf­säcken den Weg fort­zu­setzen. Sie kommen auf der Farm einer „Freundin“ unter, doch schnell werden sie dort – in einer ab­hängigen Situation – als kosten­günstige Arbeits­kräfte ein­gesetzt. Ray arbeitet zwei Monate lang mit Schaf­scherern – eine harte Er­fahrung. Mit dem er­sparten Geld aus dieser Arbeit möchten sie nach der Fort­setzung und dem Ende des Weges in ein neues Leben durch­starten. Moth möchte studieren, beide wollen in eine Studenten­bude ziehen und Ray Geld ver­dienen. Nach dem Winter und nach­dem sie ihre vorüber­gehende Unter­kunft unter großem Einsatz renoviert haben, werden sie von der „Freundin“ an die Luft gesetzt und setzen ihre Reise vom geplanten Ziel­ort bis zum Ende ihrer letzten Etappe rück­wärts fort. Das Buch endet mit ihrer Reise und den Plänen für das neue Leben. Angesichts von Moths lebens­bedroh­licher und fort­schreitender, auf dem Weg jedoch auch immer wieder besser werdenden Krank­heit, ein weiterer lebens­be­jahender, Mut machender Schritt. Die beiden finden sich und ihre innige Liebe zu­einander neu, schöpfen Kraft aus der Natur und werden bei allen Heraus­forderungen immer stärker. Die Natur­beschreibungen sind grandios. Ein Buch, das ich ungern aus der Hand gelegt habe: eine ergreifende Biografie!

Tanja Schleyerbach

 

 

Empfehlungen September 2019

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

 

 

Lesen wie der Blitz: Zeit sparen durch schnelles Lesen

Buzan, Tony: Speed Reading. Schneller lesen – mehr verstehen – besser behalten. – München: mvg-Verlag 2018. – 300 Seiten

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Stapeln sich die Berge ungelesener Bücher und Zeitschriften bei Ihnen? Schnell-Lesetechniken könnten diesem Zustand abhelfen. Dabei wird die Lesegeschwindigkeit nach und nach erhöht und das Textverständnis verbessert.
Eine dieser Methoden ist das Speed-Reading  von Tony Buzan. Der Erfinder der Mind-Map-Technik erklärt einfach und ausführlich  das Vorgehen. Hilfreiche Übungen bringen rasch Fortschritte. Eine Verdoppelung der Lesegeschwindigkeit ist so denkbar. Trotzdem gehen die Inhalte nicht verloren und prägen sich gut ein. Die Schnell-Lesetechnik lässt sich im Beruf und auch zuhause anwenden.

Maria Weber 

 

Schauen Sie mal Youtube!
Goethe, Schiller und Shakespeare per Playmobil

Sommer, Michael: Gehst du Goethe! Speed-Dating mit deutschen Klassikern: Sommers Weltliteratur to go. – Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch 2018. – 155 Seiten

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Bei vielen Leuten lösen die Namen Goethe, Lessing und Schiller Schweißausbrüche und Fluchtreflexe aus, schließlich hat man sie im Deutschunterricht unter meist misslichen Umständen kennen gelernt. „Gehst du Goethe!“ ist ein erneutes Speed-Dating mit deutschen Klassikern, das den Herren und Damen Faust, Woyzeck, Effi Briest, Emilia Galotti und vielen anderen eine echte Chance gibt, im Ranking nach oben zu kommen. Und das alles mit einem einfachen, aber genialen Trick: Michael Sommer stellt mit Playmobil-Figuren und lässiger Sprache die Klassiker der Weltliteratur nach. Das Playmobil-Theater des Theaterdramaturgen ist auf Youtube der Hit (http://sommers-weltliteratur.de/).
Unbedingt mal hineinschauen!
Jetzt ist daraus auch ein Buch entstanden. Knackige Kurzversionen der bekanntesten deutschen Dramen auf den Punkt gebracht!

Andrea Däuwel-Bernd

 

Besser als James-Bond – eine Agentenschule

Bukin, Denis: Spy School: Sind Sie clever genug, ein KGB-Agent zu sein? Das Gedächtnistraining der Profis. – München: Goldmann 2018. – 272 Seiten

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Machen Sie James-Bond Konkurrenz! Mit dem Bestseller aus Russland „Spy school“ durchlaufen Sie das Training eines KGB-Agenten. Mit Hilfe anspruchsvoller Aufgaben und Tests wird das Erinnerungsvermögen verbessert und die Leistung Ihres Gehirns gefördert. Ob verdeckter Ermittler, freier Geheimdienstmitarbeiter oder Doppelagent – für jeden ist etwas dabei. Eine unterhaltsame Gedächtnisschule für Laien und Profis.

  Maria Weber 

 

Wild, bunt und superkräftig!

Das große Superhelden-Lexikon. – München: Dorling Kindersley Verlag, 2019. – 215 Seiten

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Hier versammeln sich Superhelden, Schurken, Außerirdische und Cyborgs. Willkommen in der Welt der DC Comics! Das DC‍-‍Universum ist das fiktive Universum, das alle in den Serien des US-amerikanischen Comic-Verlages DC Comics auftauchenden Charaktere, Orte, Städte, Planeten, Organisationen, Unternehmen, Technologien etc. beinhaltet. Da kann man schnell mal den Überblick verlieren über Sonarschreie, elektrische Kräfte, Kältepistolen und Tantu-Totems.
Hilfe im Superhelden-Dschungel bietet dieses Nachschlagewerk. Es beschreibt mehr als 200 Helden und Bösewichte: Von A wie Aquaman bis Z wie Zoom. Aber auch alle Lieblingsfiguren wie Superman, Batman, Wonder Woman oder Flash und ganze Teams, wie die Justice League lassen ihre Muskeln spielen. Alle Figuren werden anhand einer kurzen Einführung, Steckbrief und Superkräfte vorgestellt und laden zum Erforschen der Comicwelt ein. Da steckt Fantasie drin!

Andrea Däuwel-Bernd

 

Heikle Verhältnisse und ein großes Familiengeheimnis

Haratischwili,Nino: Mein sanfter Zwilling. – Frankfurt: Frankfurter Verlagsanstalt, 2011. – 378 Seiten

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Stella und Ivo sind Wahlverwandte. Sie lernen sich kennen, als Stellas Vater und Ivos Mutter eine heimliche Liebesbeziehung beginnen. Ivos Vater entdeckt die Affäre und tötet Ivos Mutter. Daraufhin wird Ivo von Stellas Familie adoptiert und wächst daher mit Stella auf. Allein sie schafft es, Ivo aus seiner Sprachlosigkeit herauszuholen und so beginnt eine symbiotische Beziehung zwischen beiden. Als junge Erwachsene hat Stella dann eine Liebesbeziehung mit Ivo, die sehr zerstörerisch ist. Sie können nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander sein. Doch zunächst gehen beide eigene Wege. Stella ist Mitte dreißig, glücklich verheiratet, hat einen Sohn und arbeitet bei einer Zeitung. Als Ivo nach Jahren aus dem Ausland zurückkehrt, stellt er Stellas Leben auf den Kopf. Sie beginnt wieder eine leidenschaftliche Beziehung mit Ivo und befindet sich im moralischen Konflikt, da sie ihre Familie nicht verlassen möchte. Ivo überredet Stella zu einer Reise nach Georgien, damit beide ihre Vergangenheit aufarbeiten können.
Es gibt mehrere Erzählebenen in diesem Roman, ein großes Familiengeheimnis, das erst in den letzten Seiten des Buches gelüftet wird und andererseits Stellas komplizierte Familienverhältnisse. Stella ist Scheidungskind, die Mutter ist ohne ihre Kinder in die USA geflohen, der Vater ist Alkoholiker und hat wechselnde Affären. Nach und nach wird die ganze tragische Familiengeschichte, die von Schuld, Zerstörung und Enttäuschung handelt, aufgedeckt. Es ist eine bewegende und aufwühlende Handlung, die wie ein Sog das nahende Unglück anzeigt. Streckenweise ist das Buch erschöpfend, aber andererseits unheimlich spannend. Nino Haratischwili hat eine unglaublich ausdrucksstarke Sprache. Sie wurde 1983 in Tiflis, Georgien, geboren und kann daher auch im zweiten Teil des Buches dieses Land und seine Probleme so wunderbar beschreiben. Sprache und Handlung sind in diesem Buch extrem gut gelungen. Anstrengend, faszinierend und atemlos zugleich ist diese Geschichte. Auf alle Fälle lesenswert!

Beate Reichmann

 

Neue CDs mit großen Stimmen

Philip Bailey: Love will find a way. New York: Verve 2019.

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Claire Martin: Believin´ it. Waterford: LINN 2019.

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Willie Nelson: Ride me back home. New York: Legacy Recordings 2019.

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Drei neue CDs mit großartigen Stimmen, die gegensätzlicher kaum sein könnten, sind auf den Markt gekommen. Jede Stimme hat ihr eigenes Timbre und besitzt Unverwechselbarkeit. Besonders markant ist die Falsett-Stimme von Philip Bailey, der seit 1972 eines der führenden Mitglieder der Gruppe „Earth, Wind & Fire“ ist. Seine neue CD beweist: Bailey ist und bleibt einer der wichtigsten Vertreter des Rhythm & Blues und Soul.
Die britische Jazzsängerin Claire Martin gilt als unangefochtene Nummer eins im britischen Königreich: Ihre Stimme ist voller Klarheit und Kraft, dabei klingt in ihr viel Raues und Sinnliches mit. Auf ihrer zwanzigsten CD wird sie von drei exzellenten schwedischen Jazzmusiker begleitet.
Und auch Willie Nelson hat eine neue CD herausgebracht. Der 86-Jährige verkörpert die Stimme des amerikanischen Folk und Country schlechthin. Das Alter hört man dieser Stimme nicht an: Voller Vitalität und Jugendlichkeit nimmt sie einen sofort gefangen. Nelsons CD bildet den Abschluss einer Trilogie über die Sterblichkeit – aber in dieser lebensbejahenden Interpretation scheint der Tod nicht die Oberhand zu gewinnen.
Hier sind die Titel dieser drei hervorragenden CDs – das ist wahrer Hörgenuss!

Axel Blase

 

Großes Gefühlskino

Mein linker Fuß. – Regie: Jim Sheridan. – 1 DVD. 2010. – 99 Min.

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Christy Brown (Daniel Day-Louis), zehntes Kind einer irischen Arbeiterfamilie in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, kann sich im Alter von vier Jahren aufgrund einer zerebralen Kinderlähmung nicht mehr bewegen – bis auf seinen linken Fuß. Sein arbeitsloser Vater hält ihn für geistig behindert. Seine Mutter, die ihn niemals aufgibt, ist zu Tränen gerührt, als es ihm mit seinem linken Fuß gelingt, nach einem Stück Kreide zu greifen und das Wort MOTHER zu schreiben. Sie spart – obwohl die Familie arm ist und hungert – heimlich auf einen Rollstuhl für ihr Kind. Durch Therapien lernt Christy sprechen und wird ein angesehener Künstler, der seine Bilder mit dem linken Fuß malt. Nach einem Suizidversuch Christys, zu dem ihn eine unglückliche Liebe getrieben hatte, baut ihm seine Familie ein eigenes Atelier, das ihm wieder neuen Lebensmut verleiht. Schließlich heiratet er eine Krankenschwester und wird ein berühmter Autor. Fast dokumentarisch genau wird Christy Browns gleichnamiger autobiografischer Roman aus dem Jahr 1954 mit einem die psychischen und physischen Leiden anrührend spielenden Hauptdarsteller genial umgesetzt und lässt den mit zahlreichen Preisen überhäuften Klassiker zu großem Gefühlskino werden.

Tanja Schleyerbach