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Empfehlungen Juni 2021

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

Buch-Cover: Die Unverhofften Buch-Cover: Alpensolo DVD-Cover: Brokenwood Buch-Cover: Die intelligenz der Tiere Buch-Cover: Im Herzen des goldenen Dreiecks Buch-Cover: City of girls Buch Cover: Der Krieg im mir Buch-Cover: Unterwegs


 

Sprachgewaltige Familiensaga aus dem Bayerischen Wald

Buch-Cover: Die UnverhofftenNußbaumeder, Christoph: Die Unverhofften. – Berlin: Suhrkamp, 2020. – 668 Seiten

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Am Beginn dieser opulenten Familiensaga steht Marie. Sie lebt um 1900 mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in Eisenstein, einem trostlosen Ort im Bayrischen Wald. Ihrer Perspektivlosigkeit und dem harten Leben will sie durch ihre Auswanderung nach Amerika entfliehen. Doch als sie vergewaltigt wird, nimmt sie Rache an ihrem Peiniger und an der Dorfgemeinschaft. Sie legt ein Feuer in der Glasfabrik, die so vielen in der Region Arbeit gibt. In dieser Brandnacht nimmt die Geschichte einer Familie ihren Anfang, in deren Zentrum der Aufstieg Georg Schatzschneiders, unehelicher Sohn und Enkel von Marie, steht. Beide Familien, die von Marie und die ihres Peinigers, sind über vier Generationen eng miteinander verbunden. Mitreisend erzählt Christoph Nußbaumeder von menschlichen Verwicklungen, Missverständnissen und Lügen. Aber auch gesellschaftliche und politische Ereignisse finden Raum in diesem über 650 Seiten dicken Buch welches von 1900 bis in heute handelt. Der erste Roman des Dramatikers ist sprachlich sehr gut geschrieben und so spannend, dass man den Roman nicht auf die Seite legen kann.

Barbara Glaser

 

Spannendes, kraftvolles Reiseabenteuer

Buch-Cover: AlpensoloZirner, Ana: Alpensolo. Allein zu Fuß von Ost nach West. – Malik, 2019. – 254 Seiten

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Packend ist Ana Zirners Reisebericht, der im slowenischen Ljubljana beginnt und im französischen Grenoble endet. Zwei Monate nimmt sich die bayerische Theater- und Filmregisseurin Zeit, um aus ihrem Alltag auszubrechen und mit einem 35-Liter-Rucksack die Alpen von Ost nach West durch Österreich, Italien, die Schweiz und Frankreich alleine zu durchwandern. Die 34-jährige ist an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, an dem sie es möglich machen kann, auszusteigen und sich darauf einzulassen, was passiert. Akribisch bereitet sie die Routen, eine perfekte Ausrüstung und ihren Körper vor, und auch mental stellt sie ich auf diese Wochen ein. Nachts will sie, wo möglich, unter freiem Himmel biwakieren, und für jeden Wegabschnitt hat sie sich ein Thema vorgenommen, mit dem sie sich auseinandersetzen möchte. Dazu gehören Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Geduld.

Immer weiter taucht sie in die Kraft der Berge und der Natur ein, immer größer wird das Bedürfnis, sich nicht über Banalitäten austauschen zu wollen, und immer fremder werden ihr Menschen, die sich am Berg nicht respektvoll verhalten. Aber auch mit sich selbst ist sie ehrlich, wenn sie gegen ihre eigenen Prinzipien verstößt.

Ana Zirner schildert ungeschminkt neben allen Herausforderungen, die eine solche Tour mit sich bringt wie Kälte, Hitze, Wetterumschwünge, Verlaufen, Umwege, Hunger, Durst, Zeit und anderes auch Diskussionen, Themen und Gefühle, die ihr unterwegs begegnen und sie beschäftigen. Dabei sehnt sie sich immer wieder nach Freunden, mit denen sie ihre Erlebnisse teilen kann - andererseits ist sie auch glücklich über ihre Freiheit, sich ganz und gar auf die Natur einzulassen. Einige Freunde kommen nicht wie verabredet zum abschnittsweise Mitwandern, und ihre Enttäuschung ist groß. Umso mehr genießt sie die entspannten Wandertage mit ihrer über 70-jährigen Mutter.

Am Ende fällt ihr der Abschied von den Bergen schwer und die Vorstellung, in die westliche Art zu leben mit ihrem Überangebot an Waren und Lärm zurückzukehren. Sie will versuchen, so viel an erlebtem Gutem wie möglich in das Leben nach der Tour hinüberzuretten. Als sie ahnt, wie wenig ihr das vermutlich gelingen wird, weint sie. Bei ihrer Rückkehr kommt sie in eine leere Wohnung, einen Tag vor dem geplanten Umzug und räumlichen Neuanfang.

Authentisch und spannend für alle, die gerne in den Bergen unterwegs sind. Mit Streckenbeschreibung und Tipps, zu Wetter, Ausrüstung u.a.

Tanja Schleyerbach

 

Brokenwood – Aus der mörderischen Provinz

DVD-Cover: BrokenwoodBrokenwood: Mord in Neuseeland. / Regie: Mike Smith. – Staffel 1-3. – Deutschland, 2019-2020. – 2 DVDs. – 363 Min.

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Untermalt von den Klängen von Countrymusik ermittelt Detective Mike Shepard in einer der schönsten Gegenden der Welt, einem Städtchen in der neuseeländischen Provinz. Sein Markenzeichen ist ein Oldtimer mit Kassettenrekorder; seine Arbeitsweise eher unkonventionell. Er spricht nicht nur mit den Verdächtigen, sondern auch mit den Mordopfern. Seine junge, korrekte Kollegin wundert sich zunächst nur, schätzt aber immer mehr den Instinkt des cleveren Ermittlers. Eine weitere Figur, die immer wieder mitmischt, ist der pfiffige Maori-Nachbar des Detectivs. Er kennt die Menschen und die Gerüchte.
Die interessante Krimiserie hat stimmige Drehbücher und zeigt neuseeländisches Landleben. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, nicht zuletzt bei den trockenen Kommentaren der russischen Pathologin Gina.
Viel Vergnügen und gute Unterhaltung bei den gelungenen Whodunit`s.

Maria Weber

 

Bewegend, leidenschaftlich und wegweisend

Buch-Cover: Die intelligenz der TiereSafina, Carl: Die Intelligenz der Tiere. Wie Tiere fühlen und denken. – München: Beck Verlag, 2017. – 525 Seiten

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Dieses Buch ist parteiisch, leidenschaftlich und sehr persönlich. Es ist geprägt von der Tierliebe und dem Respekt Carl Safinas gegenüber den Tieren. Aber es ist mit seinen 200 Fußnoten auch wissenschaftlich fundiert. Der Meeresbiologe, Professor für Natur und Humanität und Naturschriftsteller Carl Safina nimmt seine Leser/innen in die Welt der Tiere mit, er zeigt sie ihnen, wie sie sie vielleicht noch nie gesehen haben. Es führt sie in die Welt der Elefanten, Wölfe und Wale, und nebenbei erzählt er von erstaunlichen Fähigkeiten weiterer Tiere. Er dringt tief ein in die Kommunikation und das soziale Leben dieser Tiere und zieht Vergleiche zu menschlichen Fähigkeiten, ohne diese zu vermischen. Er lässt den Tieren ihre eigene Welt und schafft es, durch seine Beobachtungen, die er auch deutet, die Leser/innen für diese Welt einzunehmen, so dass sie sich tief anrühren lassen. Die geschilderte Respektlosigkeit, mit der der Mensch sich über andere Lebewesen stellt, ist erschreckend und macht traurig. Besonders beeindruckend ist die Fähigkeit der Tiere, den Menschen zu vergeben und sich nicht an ihnen zu rächen, obwohl es möglich wäre und sie genau wissen, dass diese ihr größter Feind sind und die Macht haben, sie vollständig auszurotten. Die Beziehungen der Tiere untereinander und zu den Menschen, unser beschränktes Bewusstsein ihrer Rechte hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck. Ich konnte das Buch nicht mehr weglegen. Es hat das Potenzial und die Kraft, unser Verhältnis zu den Tieren zu verändern.

Tanja Schleyerbach

 

Geschichten aus Afrika

Buch-Cover: Im Herzen des goldenes DreiecksGappah, Petina: Im Herzen des goldenen Dreiecks. Stories. – Zürich, Hamburg: Arche Literatur-Verlag, 2020. – 268 Seiten

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In 13 Storys erzählt Petina Gappah von den Menschen in Simbabwe, von ihren Hoffnungen und Ängsten, ihren Träumen, ihrem Lachen und ihrem Weinen. Inflation, Korruption, Massenarmut und Bürokratie: das sind Stories über Simbabwe unter dem Diktator Mugabe und über das Leben von verschiedenen Bevölkerungsschichten. Es geht um die reichen Frauen der Beamten bis hin zu den Bewohnern der Townships. Petina Gappah, stammt aus Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, wuchs in Harare, auf, studierte Jura und arbeitete als Anwältin für internationales Handelsrecht und als Journalistin in Genf. Sie kennt aus eigener Erfahrung die Zustände in Simbabwe. Das verleiht ihren Erzählungen einen besonderen Ton. Mit Mitgefühl und Humor schreibt sie über die Menschen ihres Heimatlandes, wie sie ihr Glück unter widrigsten Umständen suchen.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Skandalös gut

Buch-Cover: City of girlsGilbert, Elizabeth: City of Girls. – Frankfurt am Main: S.Fischer, 2020. – 490 Seiten

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Als die neunzehnjährige Vivian vom College fliegt, wissen ihre Eltern nicht so recht, was nun, und schicken sie kurzerhand zu ihrer Tante nach New York. Diese hat dort ein etwas runtergekommenes Theater (Zielgruppe: eher Arbeiterklasse) und Vivian fügt sich schnell in den Alltag und das wilde Nachtleben ein, schneidert die Kostüme, freundet sich mit Schauspieler/innen und Revuegirls an, macht Männerbekanntschaften…
Ihre Lebensgeschichte erzählt sie – als mittlerweile alte Frau – der Tochter eines Mannes, den sie einst kannte. Und man kann lange rätseln, wer denn dieser Mann war.
Eine Geschichte voller Leben, mit skurrilen Situationen, die trotz sehr ernster Themen, nie an Spannung, Farbe oder Leichtigkeit verliert.

Andrea Bässgen

 

Spurensuche in der Kriegsenkelgeneration

Buch-Cover: Der Krieg in mirHeinzel, Sebastian: Der Krieg in mir. Welche Spuren haben die Erfahrungen der Kriegsgeneration in mir hinterlassen? Das Buch zum Film. – Bielefeld: Kamphausen Media, 2020. – 191 Seiten.

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Sebastian Heinzel ist Mitte dreißig, als er beginnt, sich sechs Jahre lang filmisch mit dem Krieg in seinen Träumen auseinanderzusetzen. Das ZDF erlegt ihm für die Filmförderung einen wissenschaftlichen Nachweis auf. Die Wissenschaftlerin Prof. Isabelle Mansey am Züricher Institut für Hirnforschung hat nachgewiesen, dass sich Traumata über die DNA an Folgegenerationen übertragen. Heinzel geht den familiären Spuren der beiden Großväter nach, die beide im Krieg Soldat waren. Er forscht in Archiven, führt Gespräche mit Familienangehörigen, trifft den Traumatherapeuten Peter A. Levine und die Traumtherapeutin Verena Kast und lässt sich auch auf praktische Sitzungen in Bezug auf seine Familiengeschichte und Träume ein. Er fährt mit seinem Filmteam nach Weißrussland und sucht gründlich nach Kriegsspuren seines Großvaters. Auch Heinzels Vater beginnt, sich mit seinem eigenen Vater auseinanderzusetzen und findet Frieden mit ihm. Bei Sebastian Heinzel dauert es länger, bis er mental und emotional das familiäre Erbe durchgearbeitet hat. Seine Frau und die Mutter seiner Kinder verlässt ihn in dieser Zeit, und er wagt einen familiären Neustart.

Sebastian Heinzels intensive Spurensuche ist aufwühlend und ehrlich. Wer sich auf sie einlässt, erfährt spannende Details und wundert sich vielleicht über die weißrussische Interpretation und den Umgang mit dem „Großen Vaterländischen Krieg“ – auch heute noch. Er knüpft an die Bücher Sabine Bodes zu diesem Thema an und gibt einen sehr persönlichen Einblick in sein Leben und die Aufarbeitung seines familiären Kriegstraumas.

Lesenswert! Auch der Film ist im Bestand.

Tanja Schleyerbach

 

Manifest des Beatniks

Buch-Cover: UnterwegsKerouac, Jack: Unterwegs. – Reinbeck bei Hamburg: Rowohlt, 2012. – 279 Seiten

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Sal Paradise ist Schriftsteller und er brennt. „… denn die einzigen Menschen sind für mich die Verrückten, die verrückt sind aufs Leben, verrückt aufs Reden, verrückt auf Erlösung, voll Gier auf alles zugleich, die Leute die niemals gähnen oder alltägliche Dinge sagen, sondern brennen, brennen, brennen ...“
Sal und sein Freund, Vorbild, Muse und ewige Faszination Dean Moriaty trampen von der Ostküste zur Westküste, nur um direkt wieder umzukehren, wenn sie ankommen. Getrieben von Saxophonklängen und Benzedrin, gefangen im Augenblick des feurigen Lebens, auf der Suche nach … Lesen Sie selbst!
In atemlosen Sätzen führt Kerouac durch das Amerika der Fünfziger Jahre. Für Englischsprachige ist Allen Ginsbergs „Howl“ im Anschluss ein Muss.

Clara Schilling