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Empfehlungen November 2019

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

 

 

Unzufrieden im Beruf?

Bürger, Brigitte: Unzufrieden im Beruf? Die berufliche Neuorientierung wagen - auch ab dem mittleren Alter. Berlin: Springer, 2019. – 235 Seiten

Titel verfügar?

Manche Menschen über 40 können sich nicht vorstellen, dass es beruflich in den nächsten Jahren so weitergeht wie bisher. Sie suchen nach mehr Zufriedenheit. Ob es sich um neue Herausforderungen  handelt oder um den ultimativen Traumjob  – sie wünschen sich Veränderungen im Job. Das Buch hilft, sich über die eigenen Ziele und Wünsche klar zu werden.  Es gibt Ratschläge, zeigt die Risiken, berät bei Rückschlägen und hilft bei der Umsetzung.
Die Autorin Brigitte Bürger ist Trainerin und Dozentin in der beruflichen Rehabilitation und coacht Gruppen und Einzelpersonen bei beruflichen Themen.
Der Ratgeber ist übersichtlich gestaltet, liest sich leicht und flüssig und ist fundiert geschrieben.

Maria Weber

 

Aufrüttelndes Kinderdrama im zweiten Weltkrieg

Wunderkinder. – Regie: Marcus O. Rosenmüller. 1 DVD. – 2012, 96 Min.

Titel verfügar?

In der Ukraine im Jahr 1941 werden die beiden jüdischen, virtuos Violine und Klavier spielenden Kinder Abrascha und Larissa als Wunderkinder gefeiert. Sie spielen in den großen russischen Konzertsälen und sogar vor Stalin. Ein geplanter Auftritt in der Carnegie-Hall kommt nie zustande. Die gleichaltrige Hanna Reich, Tochter eines reichen deutschen Brauereibesitzers, hört die beiden im Konzert und wünscht sich sehnlichst ein gemeinsames Musizieren mit den beiden. Ihre Lehrerin, Irina Salomonowa, stimmt zu, und es entwickelt sich eine Freundschaft, die mit dem Einmarsch der Deutschen in die Sowjetunion und den folgenden Deportationen auf eine harte Probe gestellt wird. Hannas Familie soll verhaftet werden und flieht in die eigene Brauerei. Mit Hilfe der jüdischen Familien gelingt ihnen das Überleben. Später werden die jüdischen Menschen verfolgt, in Arbeitslager gebracht oder getötet. Auch Hanna landet im Arbeitslager und verliert dort ihre Sprache. In einer dramatischen Szene sollen die beiden jüdischen Kinder vor Himmler ein absolut fehlerfreies Konzert spielen – nur dann werden sie überleben.
In einer großen Rückblende erzählt Marcus O. Rosenmüller diese bedrückende Geschichte aus der Sicht Hannas als Großmutter, und erst am Ende erfährt der Zuschauer, dass Larissa mit hunderten anderen Kindern ermordet wurde und Abrascha überlebt hat. Er hat nach dem Ende des Krieges nie wieder Violine gespielt. Hanna und Abrascha sehen sich nach Jahrzehnten im Alter wieder und gedenken in einer stillen Geste ihrer von den Nazis ermordeten Jugendfreundin.
Rosenmüller schuf mit dem Film ein von wunderbarer Musik und großartigen Schauspielern getragenes, aufrüttelndes Drama.

Tanja Schleyerbach

 

Was der Zweite Weltkrieg mit unserer Gegenwart zu tun hat

Lowe, Keith: Furcht und Befreiung: Wie der Zweite Weltkrieg die Menschheit bis heute prägt. – Stuttgart: Klett-Cotta, 2019. – 591 Seiten

Titel verfügar?

Gesellschaften, Staaten und Landschaften, Menschen, meine Familie - der Zweite Weltkrieg hat nichts unberührt gelassen und er hat die Welt umfassender verändert als jedes andere Ereignis in der Geschichte. Der britische Historiker Lowe hat sich auf die Suche nach den bis heute spürbaren Folgen des Weltkrieges gemacht, die globalen Aus- und Nachwirkungen erforscht  und dazu viele Zeitzeugen befragt. Anhand dieser Lebensschilderungen wird die Vergangenheit lebendig und die umfangreiche wissenschaftliche Abhandlung lesenswert, lebensnah und spannend. Flucht, Entwurzelung, Vertreibung und Zerstörung prägten weltweit das Leben einer ganzen Generation. Ideologien und Gesellschaftsformen, Kulturen und wirtschaftliche Entwicklung durchliefen Transformationsprozesse, die bis in die  globalisierte und digitalisierte Gegenwart hineinspielen. Und Verunsicherung und Angst vor Krieg und Gewalt ist geblieben, bis in die heutige Zeit.
Keith Lowe richtet seinen Blick nicht nur auf Europa und Amerika, sondern bezieht die ganze Welt mit ein. Er beschreibt sehr verständlich, wie der ganze Erdball geradezu „umgekrempelt“ wurde.
Ein hochaktuelles Buch, für das man aber Geduld und Zeit braucht.

Andrea Däuwel-Bernd

 

John Williams Special

Er ist eine lebende Hollywoodlegende, die seit den 1970er-Jahren fast jedes Kind kennt: Seine Musik zu „E.T.“, „Jurassic Park“, „Star Wars“ oder den ersten „Harry Potter“-Filmen hat ihn berühmt gemacht – und immer war seine Musik wesentlich an den großen Erfolgen dieser Filmproduktionen beteiligt. Die große Könnerschaft von John Williams zeigt sich unter anderem darin, dass seine Filmmusik mittlerweile auch Einzug in den Konzertsaal und in das Repertoire der klassischen Sinfonieorchester gehalten hat.

David Helbock: Playing John Williams. München 2019.

Titel verfügar?

Jetzt hat sich der äußerst talentierte, junge Jazzpianist David Helbock aus Österreich alleine auf den Weg gemacht, die Musik von John Williams neu zu entdecken. Allein mit seinem Klavier – ohne orchestralen Ganz und die Farben, die wir von der originalen Filmmusik gewöhnt sind – macht sich der Jazzpianist an den Kern der Musik von John Williams, legt ihn frei und interpretiert mit raffinierten, pianistischen Mitteln alles neu. Die berühmten Filmthemen erscheinen in einem neuen, passenden Kontext und subtile Stimmungen stellen den Bezug von Musik und Film wieder her: Das kraftvolle Hauptthema zu „Star Wars“ wird musikalisch ins All entrückt, „Hedwigs Theme“ bekommt in einer von 4 (!) Versionen eine schlagende Geisterstunde unterlegt. Die Klavierinterpretationen der Filmmusiken sind nie langweilig und zeigen, wie vielfältig Helbock im Piano Jazz zu Hause ist.

Score. Eine Geschichte der Filmmusik. Hinter jedem großen Film steht ein großer Komponist: Danny Elfman, Hans Zimmer, James Cameron, Quincy Jones, John Williams, Trent Reznor. Buch und Regie: Matt Schrader. Berlin 2018. 1 DVD.

Titel verfügar?

Wer sich übrigens für Filmmusik im Allgemeinen interessiert, dem sei wärmstens die Dokumentation „Score – eine Geschichte der Filmmusik“ empfohlen, in der John Williams und andere Komponisten eindrücklich zu Wort kommen und beschreiben, wie ihre Musik zu bekannten Filmen entstanden ist.

Axel Blase

 

Menschliches Grauen zwischen zwei Buchdeckeln

Bauer, Wolfgang: Bruchzone. Krisenreportagen. – Suhrkamp, 2018. – 349 Seiten

Titel verfügar?

„Du löscht sie aus wie einen Traum in der Nacht.“
Die zwischen 2010 und 2017 entstandenen Reportagen stammen aus der Feder des Reutlinger Journalisten, der für Die Zeit arbeitet, u.a. Nannen-Preisträger ist und sich auf Kriegs- und Krisenberichterstattung spezialisiert hat. Dafür setzen er und seine Informanten mehr als einmal ihr Leben auf’s Spiel. Bauer geht dorthin, wo niemand aus dem Westen mehr freiwillig hingeht. Wo die Welt zerbricht oder zerbrochen ist, berichtet er schonungslos, geht mutig an die Bruchzonen der Erde, wo Veränderungen passieren, die er in absehbarer Zeit auch für die westliche Welt prognostiziert. Alleine deswegen sollten uns diese Reportagen interessieren. Bauer reist nach Afghanistan, Syrien, Libyen, auf die Krim, nach Japan, Pakistan, Somalia, in den (Süd-)Sudan, nach Sierra Leone und in den Irak. Und was er dort erfährt und erlebt, sprengt bisweilen jedes menschliche Vorstellungsvermögen. Die Texte handeln von den Schlachtfeldern der Erde, nackter Verzweiflung, vollkommener Hoffnungslosigkeit, unbändiger Wut und Rachegefühlen, von Misstrauen, unvorstellbarem Hunger und Armut, von Siegen und Niederlagen, von Spionage, Verrat und von entsetzlicher menschlicher Brutalität und Grausamkeit.
Wenn man diese Reportagen gelesen hat, lässt sich manches im eigenen Leben relativieren. Daher: Pflichtlektüre!

Tanja Schleyerbach

 

Waffenverrückte Gesellschaft  II

Clement, Jennifer: Gun love. Roman. – Berlin: Suhrkamp 2018. – 251 Seiten

Titel verfügar?

Trailerpark, Teenie-Mutter und Waffenhandel: Seit ihrer Geburt lebt Pearl im Auto. Vierzehn Jahre steht diese Heimstatt für Mutter und Tochter schon am Rand eines Trailerparks in Florida. Draußen vor der Windschutzscheibe regiert die Gewalt: Kinder wachsen mit Pistolen statt mit Haustieren auf, Schießübungen – mal Alligatoren, mal den Fluss, mal Polizisten im Visier – aus purer Langeweile, und sonntags sitzt man beim Gottesdienst mit der geschulterten Schrotflinte in der Kirchenbank. Doch im Auto wirken andere Kräfte, hier lernt Pearl von ihrer Mutter das Träumen. Bis ein Mann und seine Pistolen alles verändern. „Gun Love“ berichtet vom Leben am Rand der Gesellschaft, aber auch von der Liebe zwischen Mutter und Tochter. Ein bestürzendes literarisches Stimmungsbild. 

Andrea Däuwel-Bernd

 

Empfehlungen Oktober/November 2018

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

      

 

Mord und Magie in  London - britisch, witzig, schräg

Aaronovitch, Ben: Die Flüsse von London. – München: dtv, 2012 – 477 Seiten

Titel verfügbar?

Was macht man aus seinem Leben, wenn man aus einer Migrantenfamilie stammt, der eigene, hochmusikalische Vater drogenabhängig ist und die Familie auf den Putzjob der Mutter angewiesen ist, um über die Runden zu kommen? Eigentlich keine Frage für den farbigen Peter Grant: Er wird Polizist.
Nach seiner Ausbildung befürchtet Peter, einen öden Schreibtischjob bei der Metropolitan Police London zugewiesen zu bekommen. Seine Karriere nimmt eine überraschende Wendung, als ihm an einem Tatort ein Geist erscheint, den nur er sehen kann.
Er wird der Einmannabteilung von Chief Inspector Thomas Nightingale zugeteilt, die sich mit magischen Vorkommnissen beschäftigt und schon bald ist Peter „Zauberlehrling“, der sich neben der Polizeiarbeit auch mit dem Lernen von magischen Formeln beschäftigen muss.
Eine besondere Art, London zu entdecken, ist dieses erste Buch von Ben Aaronovitch um den Zauberlehrling Peter Grant, der sich auf der Verbrecherjagd mit Flussgöttern, Vampiren, aufmüpfigen Geistern und eingebildeten Diven abgeben muss.
Den Leser erwartet eine Mischung aus Krimi und Fantasy,  geschrieben mit bissig-englischem Humor und viel Selbstironie!
P.S.: Es gibt bereits sechs Fortsetzungen...

     Ulrike Dahl

 

Landkarten-Trilogie ; 1

Palma, Félix J.: Die Landkarte der Zeit. – Reinbek: Kindler, 2010 – 715 Seiten

Titel verfügbar?

Andrews große Liebe wurde von Jack the Ripper ermordet. Deshalb will Andrew Selbstmord begehen. Doch sein Cousin hat eine Idee, denn seit kurzem gibt es die Firma „Zeitreisen Murray“.  Allerdings werden hier nur Reisen in das Jahr 2000 angeboten, in welchem der Endkampf zwischen Menschen und Maschinen stattfindet.
Vielleicht hat der Erfinder der „Zeitmaschine“, der Autor H. G. Wells, der ausgerechnet Murrays Erzfeind ist, eine Lösung?
Aber kann mal wirklich durch die Zeit reisen?
Ein auf amüsante Weise verwirrendes und unterhaltsames Buch, eine Mischung aus Fantasy-, historischem, Science-Fiction- und Liebesroman mit überraschenden Wendungen, in dem auch der eine oder andere bekannte  Schriftsteller einen Auftritt hat.
Die Fortsetzungen „Die Landkarte des Himmels“ und „Die Landkarte des Chaos“ (Parallelwelten? Außerirdische?) sind ebenso zu empfehlen.

 Andrea Bässgen

 

Zweimal Schwäbische Alb

Niemann, Solveig A: Von den Socken und ich: Eine Wanderung über die Schwäbische Alb und zu neuen Lebenszielen. – Hamburg: trediton, 2017 – 343 Seiten

Titel verfügar?

Der Hauptwanderweg HW1 von Donauwörth nach Tuttlingen ist Schauplatz dieses autobiografischen Romans. Vor drei Jahren erwanderte die Autorin über 360 Kilometer. Das Buch ist nicht nur ein Wanderbericht mit allerlei Prüfungen, Strapazen und Schilderung der landschaftlichen Schönheiten, sondern auch eine Innenschau mit Selbsterkenntnis. Gerade einem Burnout entkommen, sucht Solveig Niemann Erkenntnisse und Ablenkung auf einer Wanderung quer über die Schwäbische Alb. Aber die Pfade sind einsam und für eine Innenschau bleibt ihr wegen der Unterkunftssuche, der Pflege der ramponierten Füße und der Betrachtung der Landschaften keine Zeit. Erst ein dramatisches Erlebnis lenkt ihre Aufmerksamkeit auf die wichtigen Fragen: Wie hat sie sich in die Erschöpfung reinmanövriert? Womit will sie ihre Lebenszeit verbringen? Und wo gibt’s das nächste Stück Kuchen?
Ein schöner Kompromiss zwischen Reisebericht und ganz individueller psychologischer Aufarbeitung einer Lebenskrise.

 

Maichle-Schmitt, Ursula: Kraftorte und Kraftwege: Wegweiser zu Orten der Ruhe auf der Alb und im Albvorland. – Reutlingen: Oertel und Spörer, 2010 – 121 Seiten

Titel verfügbar?

Solveig Niemann hat die Erfahrung gemacht, dass das Laufen und die Begegnung mit der Natur für die physische Gesundheit wichtig sein können. Für alle, die in der Region neue Kraft schöpfen wollen, empfehle ich ergänzend zu ihrem Reisebericht den Führer „Kraftorte und Kraftwege: Wegweiser zu Orten der Ruhe auf der Alb“. Solche besonderen Orte  gehörten fest zum Leben unserer Vorfahren. Berge, Flüsse, Wälder und Steine hatten einen Geist und wurden als mystische Orte verehrt. Auffällige Steine oder Steinkreise markierten oft diese Plätze und später bauten die Menschen dort Kirchen, Klöster und Kathedralen. Die Kraftorte aus diesem Buch sind oft auch die unscheinbaren Plätze, Natursehenswürdigkeiten und Wege durch die faszinierende Landschaft der Schwäbischen Alb von Reutlingen bis Zwiefalten.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Knall, zisch, blubb! – So machen Physik und Chemie Spaß!

Dawn, Isaac: Big boom bang Kreativbuch. 101 spektakuläre Bastelideen für kleine Forscher. – Münster: Coppenrath, 2017. – 222 Seiten

Titel verfügbar?

Kleine Physik- und Chemie-Tüftler, die gerne praktisch forschen und basteln, kommen bei diesem Buch sicher auf ihre Kosten. Und auch Erwachsene können bei den Experimenten noch was lernen.
„Schwerkraftbetriebene Siphonflaschenfontäne“, „Brausepulver herstellen“, „Barometer bauen“, „Gel-tastischer Lufterfrischer“ sind nur einige der Projekte, die im Buch beschrieben werden.
Mit der einen oder anderen Sauerei müssen Mama oder Papa bei den Experimenten zwar rechnen, aber Vieles lässt sich auch draußen erforschen. Außerdem gibt es auch einige ganz harmlose Bastelideen, anhand derer sich nebenbei allerhand erforschen lässt: wie etwa „Samenkarten basteln“ oder „Schattentheater bauen“.

Kinder, die wissen möchten, welches physikalische oder chemische Phänomen hinter dem jeweiligen Experiment steckt, finden am Ende jeder Anleitung schnelle und einfache Erklärungen „für Besserwisser“.

Ein Experimentier- und Bastelbuch für neugierige Kinder.

 Esther Murat

 

Alte Schuhe und neue  Geschäftsideen

Von alten Schuhen leben: Straßenhändler in Tansania als Experten der Stadt. Herausgegeben vom Völkerkundemuseum der Universität Zürich. – Salenstein: Benteli, 2016. – 111 Seiten

Titel verfügbar?

Wohin mit Kleidern und Schuhen, die zwar noch tragbar sind, aber nicht mehr gefallen? Tausende Tonnen Altkleider und Schuhe werden jährlich gespendet. Mittlerweile werden mehr Kleider und Schuhe abgegeben, als karitative Organisationen vor Ort benötigen. Deshalb übernehmen kommerzielle Unternehmen das Sammeln und verkaufen weiter. Einer der wichtigsten Abnehmer ist Tansania in Afrika. Hier hat sich rund um den Handel mit gebrauchten Schuhen ein ganzer Berufszweig gebildet. Straßenhändler prägen das Stadtbild in den afrikanischen Großstädten und für den erfolgreichen Verkauf brauchen sie  Menschenkenntnis, Kommunikationspsychologie und Intuition. Mit Überzeugungskunst, guter Beobachtungsgabe und vielen Verkaufkniffen bringen sie die Schuhe an den Mann oder an die Frau. Lebendig und spannend erzählt das Buch, wie sie in der Großstadt agieren und wie so ein ganz neuer Berufszweig entstanden ist.   
Eine Ausstellung im Zürcher Völkerkundemuseum „Von alten Schuhen leben“ erzählte die Geschichte der weitgereisten Schuhe und der Menschen, die von ihnen leben. Der Ausstellungskatalog ist auch heute lesenswert. Mit informativen Texten und farbigen Bildern werden der Werdegang einer globalen Handelsware und die Lebensgeschichten der Menschen gezeigt, die von ihr leben. Ein außergewöhnliches Buch, das afrikanisches Großstadtleben lebendig werden lässt.

Andrea Däuwel-Bernd

 

In unserer Welt ist einiges nicht so, wie es scheint.

Harkness, Deborah: Die Seelen der Nacht . –  München: Blanvalet, 2011. – 799 Seiten

Titel verfügbar?

Diana Bishop, leidenschaftliche Historikerin mit Doktortitel und einem Lehrauftrag in Oxford, weiß das am besten. Denn sie ist eine Hexe, die allerdings der Magie und Hexenkunst abgeschworen hat, seitdem ihre Hexen-Eltern auf grausame Weise ermordet wurden, als sie noch ein Kind war.

Als angesehene Wissenschaftlerin erforscht sie die Ursprünge der Alchemie des 17. Jahrhunderts und verbringt Stunden in der Bodleian-Library.  Dort fällt ihr eines Tages ein magisches Manuskript in die Hände und es kommen Dinge ins Rollen, die dafür sorgen, dass sie ihr magisches Erbe nicht länger ignorieren kann.
Denn Hexen, Dämonen und Vampire, die unerkannt zwischen den Menschen leben,  interessieren sich für das Manuskript und heften sich an ihre Fersen.
Hilfe bekommt sie ausgerechnet von Matthew Clairmont, einem namenhaften Naturwissenschaftler – und Vampir!
Und so beginnt eine Liebesgeschichte, die es nach dem herrschenden Kodex so nicht geben dürfte.

Auf alle, die nach 800 Seiten noch nicht genug haben, wartet die Fortsetzung „Wo die Nacht beginnt“, die mit einer Zeitreise ins elisabethanische London beginnt.

     Ulrike Dahl

 

Finnische Wälder, Pilze und ein lebender Toter

Tuomainen, Antti: Die letzten Meter bis zum Friedhof. – Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 2018. – 316 Seiten

Titel verfügbar?

Der Finne Jaako ist 37 und erfolgreicher Pilzhändler. Das Leben könnte schön sein, die Japaner sind ganz verrückt nach den Delikatessen aus den finnischen Wäldern und seine kleine Firma floriert. Doch ein Arztbesuch beendet die Idylle: Nein, er hat keine Grippe, sondern bald wird er sterben, erfährt er von seinem Hausarzt. Jemand hat ihn über längere Zeit tödlich vergiftet. Alle Organe sind geschädigt und es bleiben ihm höchstens noch ein paar Wochen, um herauszufinden, wer ihn ermordet hat. Aber wer um Himmels willen hatte dafür einen Grund? Kein Wunder, dass Jaakos heile Welt an einem Tag völlig zusammenbricht. Denn das ist nicht die einzige schlechte Nachricht, die ihn an diesem Tag trifft. Auch seine Frau betrügt ihn mit einem Angestellten, skrupellose Konkurrenten bedrohen sein Geschäft und die Mitarbeiter seines Unternehmens haben ganz eigene Interessen und Probleme. Jaako macht sich auf, sein Unternehmen zu retten und seinen Mörder zu finden. Dabei geht nicht alles mit rechten Dingen zu und Jaako muss sich entscheiden, was ihm wichtig ist. Das ist die Ausgangslage für einen skurrilen und wendungsreichen Krimi mit skandinavischem Flair, der voller Überraschungen steckt und in vielen Situationen wirklich unterhaltsam und komisch ist.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Eine lebensverändernde Begegnung

Rørth, Charlotte: Die Frau, die nicht an Gott glaubte und Jesus traf. – Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2018. – 220 Seiten

Titel verfügbar?

„Ich dachte, so etwas könnte mir nie passieren. Niemals. Und doch…“
„Du bist in das Loch gefallen. Direkt hinunter in eine andere Welt“.
Charlotte Rørth, Jahrgang 1962, erfolgreiche Journalistin, Ehefrau und dreifache Mutter, ist eine bis dato ungläubige und säkular in Dänemark lebende Frau, die 2008 im Süden Spaniens am Tag nach einer Prophezeiung, die sie nicht ernst nimmt, eine persönliche „Begegnung“ mit Jesus hat. So nah und tiefgreifend, dass sie nicht mehr weiterleben kann wie bisher. Sie versucht, zu verdrängen, und als sie daran scheitert, beginnt sie mit journalistischer Gründlichkeit zu untersuchen, was ihr widerfahren sein kann. Es beginnt mit der Annahme, einen epileptischen Anfall gehabt zu haben oder an psychischen Auffälligkeiten zu leiden, und sie befragt dazu allerlei Ärzte, Heiler, Priester, Freunde und Familienmitglieder.
Sie bekommt starke körperliche Symptome, verliert Gewicht, sieht die Auren und Chakren anderer Menschen, erlebt umfassende Liebe, verfügt über die Fähigkeit zu heilen und vieles mehr. Eine zweite Begegnung am selben Ort verstärkt ihre Symptome. Weiterhin wehrt sie sich erfolglos gegen diese Erlebnisse, versucht sie mit dem Verstand zu analysieren und sich und ihrer Umgebung zu erklären. Fünfmal fährt sie in einem Jahr an denselben Ort, versucht herauszufinden, warum ihr, die dergleichen nie gesucht hat, dieses widerfahren musste. Sie beschäftigt sich mit den Mystikern und findet Antworten. Erst nach vielen Jahren nimmt sie die Bibel zur Hand. Immer stärker wird die Sehnsucht, ins Kloster zu gehen und sich von der Welt abzukapseln. Sie widersteht; der journalistische Spürsinn, ihre Realitätsverbundenheit und der Wunsch, eine Brückenbauerin „zwischen den Welten“ zu sein, sind stärker. Immer einsamer und unverstandener fühlt sie sich, immer empfindlicher wird sie, und immer mehr sieht sie ihre Ehe mit einem Mann, der alles akzeptiert, aber nicht versteht, in Gefahr. Ihr ältester Sohn, der bereits eine Nahtoderfahrung erlebt hat, geht wie ihre beiden anderen Söhne gelassen mit den Erlebnissen seiner Mutter um.
Beeindruckend schildert sie erst sechs Jahre nach der ersten Begegnung ihr Ringen, ihr Gefühlsleben und ihre Suche mit Hilfe ihres journalistischen Handwerks in einer distanzierten Selbstanalyse. Eine bemerkenswerte, hypersensible Frau traut sich, ihr Innerstes offen zu legen, ohne dass es einen Moment unangenehm oder missionarisch wäre.
Besonders bewegend: Im Jahr 2014, nachdem sie zum ersten Mal nach Jerusalem, dem Ort der Zeitreise gefahren ist und ihr Buch zu schreiben beginnt, stirbt ihr jüngster Sohn mit Anfang 20. Ihm ist ihr Erfahrungsbericht gewidmet, der in Dänemark ein Bestseller ist.

Tanja Schleyerbach