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Voller Witz und Wärme

Anika Decker: Zwei vernünftige Erwachsene, die sich mal nackt gesehen haben. – 2025. – 461 Seiten
Titel verfügbar?
Nina, 49, geschieden und Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern trifft auf David, 30, Single und Tagesbar-Besitzer.
Eine Geschichte die amüsant und sehr leicht beginnt, wandelt sich kurz darauf unbemerkt zu einem wirklich guten, tiefgründigen und feministischen Unterhaltungsroman.
Ich bin begeistert!
Katrin Grießinger
Allmächtiges Patriarchat
Rahaf Mohammed: Rebellin. – 2022. – 256 Seiten
Titel verfügbar?
Rahaf Mohammed beschreibt in ihrem Buch anhand ihrer Kindheit das männliche Vormundschaftssystem Saudi-Arabiens: ein Rechtsrahmen, der erwachsene Frauen wie Minderjährige einordnet und sie der Verantwortung von Männern unterstellt – dies wirkt sich auf alle Aspekte des Lebens von Mädchen und Frauen aus und schränkt ihre Grundfreiheiten erheblich ein.
Im Jahr 2019, mit gerade mal 18 Jahren, gelang Rahaf die Flucht. Sie setzte sich während eines Familienurlaubs in Kuwait ab und wollte über Bangkok nach Australien fliehen, um dort Asyl zu bekommen. In Bangkok wurde sie von den thailändischen Behörden festgehalten, welche sie ihrer Familie aushändigen wollten - was ihren sicheren Tod bedeutet hätte. Dank eines von ihr schnell eröffneten Twitter Accounts machte sie öffentlich auf sich aufmerksam, erhielt dadurch u.a. Hilfe von einer australischen Journalistin und letzten Endes Asyl in Kanada.
Heute engagiert sie sich von dort aus als Aktivistin für die Rechte von Mädchen und Frauen in Saudi-Arabien.
In der Mediathek des ZDFs ist ihre Flucht zu sehen unter: https://www.zdf.de/video/dokus/zdf-info-100/flucht-aus-saudi-arabien-ein-maedchen-kaempft-um-die-freiheit-102
Maike Schneider
Mal wieder ein Abenteuerroman!
Tobias Friedrich: Der Flussregenpfeifer. – 2022. – 512 Seiten
Titel verfügbar?
Mit über 500 Seiten Umfang und basierend auf einer wahren Geschichte liefert Tobias Friedrich einen Abenteuerroman mit vielen historischen und geografischen Bezügen. Der Hamburger Oskar Speck startete 1932 in Ulm aus der Not heraus mit seinem Faltboot Richtung Zypern und legte insgesamt über 50.000 Kilometer zurück. Auf unterschiedliche Weisen war er in die Wirren des zweiten Weltkrieges verwoben, auch wenn er weit von der Heimat entfernt war.
Bei lesejury.de wurde treffend formuliert: "Gepackt von sportlichem Ehrgeiz, begleitet von Jazzmusik und Mark Twains weisem Witz, gejagt von den Nationalsozialisten, die aus dem Faltbootfahrer einen deutschen Helden machen wollen, fährt der schweigsame Einzelgänger von Zypern aus immer weiter in die Welt."
Es ist der Debütroman von Tobias Friedrich, der in erster Linie Musik für Bands geschrieben und als Sachbuchautor gearbeitet hat. Er sagt selbst zu seinem Debüt: »Es war mir ein Rätsel, wieso es noch kein Buch über Oskar Speck gab. Es war klar, dass ich, der ich noch nie einen Roman geschrieben hatte, mit dem Schreiben eines Romans über ihn restlos überfordert sein würde. Also fing ich unverzüglich mit der Arbeit an.«
Endlich mal wieder ein Abenteuerroman und das nach einer wahren und auch tragischen Lebensgeschichte. Sehr unterhaltsam.
Argiro Mavromatis
Spannender Einblick in ein altes Ritual
Konklave. Regie: Edward Berger. – 1 DVD, 2025. – 126 Minuten
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Eine fast reine Männerwelt versammelt sich bei der Wahl eines neuen Papstes – so viel ist klar. Aber es gibt auch zwei Frauen, die eine Rolle spielen, und da wird es interessant. Dass es Machtspiele und Intrigen, Korruption, Absprachen und Überraschungen gibt, davon ist auch in der Realität des Konklaves auszugehen. Es menschelt, Hardliner, Konservative und Progressive ringen um Mehrheiten, denn es geht um die Zukunft der Kirche. Jeder potenzielle Kandidat hat irgendetwas, das besser nicht ans Licht der Öffentlichkeit kommt oder möchte die Last des Amtes nicht tragen. Eine Nonne weiß mehr, als sie sollte und ein Kandidat taucht plötzlich auf, den niemand auf dem Plan hat. Eine andere Nonne hat ein uneheliches Kind mit einem Kandidaten. Kardinal Lawrence (brillant von Ralph Fiennes gespielt) ist die Schlüsselfigur bei der Papstwahl, er leitet das Konklave. Auch er verhält sich nicht korrekt, will aber um jeden Preis alle Geheimnisse erforschen. Und wenn endlich weißer Rauch aufsteigt – welcher Überraschungskandidat wird der nächste Papst sein?
Spannend bis zuletzt.
Tanja Schleyerbach
Eine tiefe Verbindung mit der Natur führt zu rücksichtsvollem Maßhalten
Robin Wall Kimmerer: Die ehrenhafte Ernte. – 2024. – 130 Seiten
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„Um an einem Ort heimisch zu sein, müssen wir seine Sprache sprechen.“
Die ehrenhafte Ernte ist ein Prinzip, das die Angehörige des Stamms der Potawatomi im Buch „Geflochtenes Süßgras“ vorgestellt hat und das in dieser bibliophilen Sonderausgabe komprimiert in poetischen Worten veröffentlicht wird. Die US-amerikanische Pflanzenökologin, Autorin und Professorin der State University of New York am College für Umweltwissenschaften und Forstwirtschaft ist zugleich Direktorin des Center for Native Peoples and the Environment, das sich zur Aufgabe gemacht hat, das traditionelle ökologische Wissen der indigenen Völker mit moderner Umweltwissenschaft zu verbinden.
Robin Kimmerer erläutert, wie ihre indigenen Vorfahren schon durch ihre Sprache einen anderen Bezug zu ihrer Umwelt hatten, nämlich indem sie Flüsse, Bäume und anderen Lebewesen als Baummenschen oder Flusswesen bezeichnen. Diese poetischen Bilder hat die englische Sprache nicht, Flüsse, Tiere und Pflanzen sind Dinge. Sie lernt sehr mühsam einige Worte ihrer Vorfahren: Mai heißt Blütenmond, das Wort Puhpowee bedeutet “die Kraft, die bewirkt, dass Pilze über Nacht aus dem Boden schießen“. Sie wird immer besser darin, und merkt, dass diese Sprache mit ihrem Verhältnis zur Natur kongruent ist und ihrer Weltsicht entspricht. Anders herum kann die englische Sprache nicht dazu beitragen, dieses Verhältnis zu fördern und ein anderes Verständnis zu entwickeln. Das Englische ist durch eine ganz andere Lebensweise entstanden.
Robin Kimmerer plädiert dafür, in Verbindung mit der Natur immer um Erlaubnis zu bitten, bevor man sich etwas nimmt, nie das erste oder letzte zu nehmen, immer darauf zu achten, dass für Fortpflanzung und die späteren Generationen noch genügend bleibt, respektvoll zu nehmen, was einem die Natur freiwillig gibt und schenkt, so wenig Schaden wie möglich anzurichten, nicht zu verschwenden, zu teilen, zu danken und ein Gegengeschenk zu hinterlassen. So haben es die indigenen Völker geschafft, die Natur nicht zu zerstören und eine tiefe Verbindung mit der Natur aufzubauen. Sie beschreibt eindrücklich, wie sie diese Regeln praktiziert, auch wenn die Natur nein sagt, darauf zu hören, es zu respektieren und geduldig zu sein. Eine wertvolle Sichtweise, die aktuell aus dem Kreislauf des immer maßloser, immer rücksichtsloser und immer gedankenloser herausführen kann. Die wunderbaren Illustrationen machen das Buch vollkommen.
Tanja Schleyerbach
Ein etwas anderer Roman über das Erwachsenwerden
Neil Gaiman: Das Graveyard-Buch. – 2015. – 358 Seiten
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Das Graveyard-Buch erzählt die Geschichte von Nobody Owens, der als kleines Kind knapp den mörderischen Fängen des Mannes Jack entkommt, welcher es auf ihn abgesehen hat. Er kann in einen nahegelegenen Friedhof fliehen und wird von dessen (untoten) Bewohnern adoptiert. In ihrem Schutz wächst er auf, und erlebt mit ihnen viele spannende Abenteuer.
Trotz Bezugnahme auf dunklere Themen ein durch und durch positives und lebensbejahendes Werk für Jung und Alt, und sowohl als klassischer Roman als auch als Graphic Novel ein einzigartiges Leseerlebnis.
Antonia Heger
Was glamourös und voller Luxus beginnt, endet in einem schrecklichen Szenario
Sarah Goodwin: Die Yacht : wer wird untergehen, wenn die Wahrheit ans Licht kommt? – 2025. – 399 Seiten
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Hannah wird jedes Jahr von ihrer Kindheitsfreundin Libby zu ihrer Silvesterparty eingeladen. Jedes Jahr wird dieses Event größer und noch dekadenter. Nur dieses Jahr möchte Libby gerne im kleinen Kreis mit ihren besten Freunden und deren Partnern auf ihrer Yacht feiern, die in Italien am Hafen liegt.
Während der Silvesterparty hört Hannah durch Zufall ein Gespräch zwischen ihrer Freundin und ihrem Partner mit und beschließt daraufhin direkt am nächsten Morgen von Bord zu gehen.
Am Morgen nach der Party stellt Hannah dann aber mit Schrecken fest, dass die Yacht in der Nacht vom Hafen abgetrieben ist und weit und breit nur offenes Meer zu sehen ist.
Was anfänglich noch eher ein Zickenkrieg ist, artet sehr schnell aus und endet, für mich völlig überraschend, in einer Art „Cast Away“-Verschnitt.
Die Charaktere sind sehr authentisch, die Spannung wird immer aufrechterhalten und deshalb lässt einen die Geschichte keinen Moment los.
Katrin Grießinger
Hommage an eine kluge, faszinierende Frau inmitten vieler Männer
Lou Andreas-Salomé. – Regie: Cordula Kablitz-Post. – 2016. – 108 Minuten – ab 6 Jahre
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Lou zu ihrer Mutter: „Ich werde nie Deine Erwartungen erfüllen“
Die 1861 in St. Petersburg gebürtige Lou möchte wie ihre fünf Brüder auf Bäume klettern und fordert dieselben Rechte für sich ein. Sie will sich nicht in gängige Vorstellungen für ihr Leben pressen lassen und erteilt der körperlichen Liebe aus diesem Grund zunächst eine rigorose Absage, um als selbstbestimmte Frau auch in der Männerwelt ernst genommen zu werden. Philosophische Studien, Gedichte schreiben und Kontakte zu Intellektuellen Männern prägen ihren Alltag, und in Rom trifft die junge Studentin auf die beiden Philosophen Paul Rée und Friedrich Nietzsche, die um sie buhlen und sich mit Heiratsanträgen überbieten – erfolglos. Als jedoch Rainer Maria Rilke ihren Weg kreuzt und die inzwischen mit einem anderen Mann zum Schein Verheiratete mit Gedichten umgarnt, ist es um ihren Vorsatz geschehen. Sie gibt sich ihm hin, und er möchte ohne sie nicht mehr leben. Mit ihm ist der Bann gebrochen, und weitere Männer folgen, als seine Angstattacken zunehmen und er sich hilflos an sie klammert und sie sich von ihm befreit. Bei Sigmund Freud lässt sie sich ausbilden und muss zunächst bei ihm auf die Couch, bevor sie selbst als Analytikerin arbeiten kann. In einem zweiten Handlungsstrang werden Szenen mit ihrem Biographen Pfeiffer in Göttingen eingeblendet, mit dem sich die gealterte Lou überwirft, weil sie seine Fragen nicht beantworten möchte. Einen Teil ihrer Notizen verbrennt sie, damit sie den Nazis und der Nachwelt nicht erhalten bleiben.
Das Biopic einer faszinierenden, selbstbewussten und schillernden Persönlichkeit lässt mich mit dem Wunsch zurück, sich näher mit ihrem aufregenden Leben zu befassen.
Weitere Medien zu Lou Andreas-Salomé finden Sie hier.
Tanja Schleyerbach