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Empfehlungen November 2019

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

 

 

Unzufrieden im Beruf?

Bürger, Brigitte: Unzufrieden im Beruf? Die berufliche Neuorientierung wagen - auch ab dem mittleren Alter. Berlin: Springer, 2019. – 235 Seiten

Titel verfügar?

Manche Menschen über 40 können sich nicht vorstellen, dass es beruflich in den nächsten Jahren so weitergeht wie bisher. Sie suchen nach mehr Zufriedenheit. Ob es sich um neue Herausforderungen  handelt oder um den ultimativen Traumjob  – sie wünschen sich Veränderungen im Job. Das Buch hilft, sich über die eigenen Ziele und Wünsche klar zu werden.  Es gibt Ratschläge, zeigt die Risiken, berät bei Rückschlägen und hilft bei der Umsetzung.
Die Autorin Brigitte Bürger ist Trainerin und Dozentin in der beruflichen Rehabilitation und coacht Gruppen und Einzelpersonen bei beruflichen Themen.
Der Ratgeber ist übersichtlich gestaltet, liest sich leicht und flüssig und ist fundiert geschrieben.

Maria Weber

 

Aufrüttelndes Kinderdrama im zweiten Weltkrieg

Wunderkinder. – Regie: Marcus O. Rosenmüller. 1 DVD. – 2012, 96 Min.

Titel verfügar?

In der Ukraine im Jahr 1941 werden die beiden jüdischen, virtuos Violine und Klavier spielenden Kinder Abrascha und Larissa als Wunderkinder gefeiert. Sie spielen in den großen russischen Konzertsälen und sogar vor Stalin. Ein geplanter Auftritt in der Carnegie-Hall kommt nie zustande. Die gleichaltrige Hanna Reich, Tochter eines reichen deutschen Brauereibesitzers, hört die beiden im Konzert und wünscht sich sehnlichst ein gemeinsames Musizieren mit den beiden. Ihre Lehrerin, Irina Salomonowa, stimmt zu, und es entwickelt sich eine Freundschaft, die mit dem Einmarsch der Deutschen in die Sowjetunion und den folgenden Deportationen auf eine harte Probe gestellt wird. Hannas Familie soll verhaftet werden und flieht in die eigene Brauerei. Mit Hilfe der jüdischen Familien gelingt ihnen das Überleben. Später werden die jüdischen Menschen verfolgt, in Arbeitslager gebracht oder getötet. Auch Hanna landet im Arbeitslager und verliert dort ihre Sprache. In einer dramatischen Szene sollen die beiden jüdischen Kinder vor Himmler ein absolut fehlerfreies Konzert spielen – nur dann werden sie überleben.
In einer großen Rückblende erzählt Marcus O. Rosenmüller diese bedrückende Geschichte aus der Sicht Hannas als Großmutter, und erst am Ende erfährt der Zuschauer, dass Larissa mit hunderten anderen Kindern ermordet wurde und Abrascha überlebt hat. Er hat nach dem Ende des Krieges nie wieder Violine gespielt. Hanna und Abrascha sehen sich nach Jahrzehnten im Alter wieder und gedenken in einer stillen Geste ihrer von den Nazis ermordeten Jugendfreundin.
Rosenmüller schuf mit dem Film ein von wunderbarer Musik und großartigen Schauspielern getragenes, aufrüttelndes Drama.

Tanja Schleyerbach

 

Was der Zweite Weltkrieg mit unserer Gegenwart zu tun hat

Lowe, Keith: Furcht und Befreiung: Wie der Zweite Weltkrieg die Menschheit bis heute prägt. – Stuttgart: Klett-Cotta, 2019. – 591 Seiten

Titel verfügar?

Gesellschaften, Staaten und Landschaften, Menschen, meine Familie - der Zweite Weltkrieg hat nichts unberührt gelassen und er hat die Welt umfassender verändert als jedes andere Ereignis in der Geschichte. Der britische Historiker Lowe hat sich auf die Suche nach den bis heute spürbaren Folgen des Weltkrieges gemacht, die globalen Aus- und Nachwirkungen erforscht  und dazu viele Zeitzeugen befragt. Anhand dieser Lebensschilderungen wird die Vergangenheit lebendig und die umfangreiche wissenschaftliche Abhandlung lesenswert, lebensnah und spannend. Flucht, Entwurzelung, Vertreibung und Zerstörung prägten weltweit das Leben einer ganzen Generation. Ideologien und Gesellschaftsformen, Kulturen und wirtschaftliche Entwicklung durchliefen Transformationsprozesse, die bis in die  globalisierte und digitalisierte Gegenwart hineinspielen. Und Verunsicherung und Angst vor Krieg und Gewalt ist geblieben, bis in die heutige Zeit.
Keith Lowe richtet seinen Blick nicht nur auf Europa und Amerika, sondern bezieht die ganze Welt mit ein. Er beschreibt sehr verständlich, wie der ganze Erdball geradezu „umgekrempelt“ wurde.
Ein hochaktuelles Buch, für das man aber Geduld und Zeit braucht.

Andrea Däuwel-Bernd

 

John Williams Special

Er ist eine lebende Hollywoodlegende, die seit den 1970er-Jahren fast jedes Kind kennt: Seine Musik zu „E.T.“, „Jurassic Park“, „Star Wars“ oder den ersten „Harry Potter“-Filmen hat ihn berühmt gemacht – und immer war seine Musik wesentlich an den großen Erfolgen dieser Filmproduktionen beteiligt. Die große Könnerschaft von John Williams zeigt sich unter anderem darin, dass seine Filmmusik mittlerweile auch Einzug in den Konzertsaal und in das Repertoire der klassischen Sinfonieorchester gehalten hat.

David Helbock: Playing John Williams. München 2019.

Titel verfügar?

Jetzt hat sich der äußerst talentierte, junge Jazzpianist David Helbock aus Österreich alleine auf den Weg gemacht, die Musik von John Williams neu zu entdecken. Allein mit seinem Klavier – ohne orchestralen Ganz und die Farben, die wir von der originalen Filmmusik gewöhnt sind – macht sich der Jazzpianist an den Kern der Musik von John Williams, legt ihn frei und interpretiert mit raffinierten, pianistischen Mitteln alles neu. Die berühmten Filmthemen erscheinen in einem neuen, passenden Kontext und subtile Stimmungen stellen den Bezug von Musik und Film wieder her: Das kraftvolle Hauptthema zu „Star Wars“ wird musikalisch ins All entrückt, „Hedwigs Theme“ bekommt in einer von 4 (!) Versionen eine schlagende Geisterstunde unterlegt. Die Klavierinterpretationen der Filmmusiken sind nie langweilig und zeigen, wie vielfältig Helbock im Piano Jazz zu Hause ist.

Score. Eine Geschichte der Filmmusik. Hinter jedem großen Film steht ein großer Komponist: Danny Elfman, Hans Zimmer, James Cameron, Quincy Jones, John Williams, Trent Reznor. Buch und Regie: Matt Schrader. Berlin 2018. 1 DVD.

Titel verfügar?

Wer sich übrigens für Filmmusik im Allgemeinen interessiert, dem sei wärmstens die Dokumentation „Score – eine Geschichte der Filmmusik“ empfohlen, in der John Williams und andere Komponisten eindrücklich zu Wort kommen und beschreiben, wie ihre Musik zu bekannten Filmen entstanden ist.

Axel Blase

 

Menschliches Grauen zwischen zwei Buchdeckeln

Bauer, Wolfgang: Bruchzone. Krisenreportagen. – Suhrkamp, 2018. – 349 Seiten

Titel verfügar?

„Du löscht sie aus wie einen Traum in der Nacht.“
Die zwischen 2010 und 2017 entstandenen Reportagen stammen aus der Feder des Reutlinger Journalisten, der für Die Zeit arbeitet, u.a. Nannen-Preisträger ist und sich auf Kriegs- und Krisenberichterstattung spezialisiert hat. Dafür setzen er und seine Informanten mehr als einmal ihr Leben auf’s Spiel. Bauer geht dorthin, wo niemand aus dem Westen mehr freiwillig hingeht. Wo die Welt zerbricht oder zerbrochen ist, berichtet er schonungslos, geht mutig an die Bruchzonen der Erde, wo Veränderungen passieren, die er in absehbarer Zeit auch für die westliche Welt prognostiziert. Alleine deswegen sollten uns diese Reportagen interessieren. Bauer reist nach Afghanistan, Syrien, Libyen, auf die Krim, nach Japan, Pakistan, Somalia, in den (Süd-)Sudan, nach Sierra Leone und in den Irak. Und was er dort erfährt und erlebt, sprengt bisweilen jedes menschliche Vorstellungsvermögen. Die Texte handeln von den Schlachtfeldern der Erde, nackter Verzweiflung, vollkommener Hoffnungslosigkeit, unbändiger Wut und Rachegefühlen, von Misstrauen, unvorstellbarem Hunger und Armut, von Siegen und Niederlagen, von Spionage, Verrat und von entsetzlicher menschlicher Brutalität und Grausamkeit.
Wenn man diese Reportagen gelesen hat, lässt sich manches im eigenen Leben relativieren. Daher: Pflichtlektüre!

Tanja Schleyerbach

 

Waffenverrückte Gesellschaft  II

Clement, Jennifer: Gun love. Roman. – Berlin: Suhrkamp 2018. – 251 Seiten

Titel verfügar?

Trailerpark, Teenie-Mutter und Waffenhandel: Seit ihrer Geburt lebt Pearl im Auto. Vierzehn Jahre steht diese Heimstatt für Mutter und Tochter schon am Rand eines Trailerparks in Florida. Draußen vor der Windschutzscheibe regiert die Gewalt: Kinder wachsen mit Pistolen statt mit Haustieren auf, Schießübungen – mal Alligatoren, mal den Fluss, mal Polizisten im Visier – aus purer Langeweile, und sonntags sitzt man beim Gottesdienst mit der geschulterten Schrotflinte in der Kirchenbank. Doch im Auto wirken andere Kräfte, hier lernt Pearl von ihrer Mutter das Träumen. Bis ein Mann und seine Pistolen alles verändern. „Gun Love“ berichtet vom Leben am Rand der Gesellschaft, aber auch von der Liebe zwischen Mutter und Tochter. Ein bestürzendes literarisches Stimmungsbild. 

Andrea Däuwel-Bernd