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Empfehlungen August 2019

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

 

 

Zwischen Glamour und Wahnsinn

Karl, Michaela: „Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen." Hamburg: Hoffmann und Campe Verlag, 2019 – 348 Seiten

Titel verfügar?

...sorry, ich hab es ohne Lippenstift gelesen, es war schließlich schon spät am Abend. Konnte aber nicht aufhören, weil diese Biografie der irisch-amerikanischen Schriftstellerin Maeve Brennan so spannend war. Wieder mal wenig Schlaf, aber es hat sich gelohnt.
War Holly Golightly, die von Audrey Hepburn in dem Film „Frühstück bei Tiffany“ so charmant gespielt wird, real? Man könnte es fast denken, wenn man diese Biografie  liest. Im New York der 50er und 60er Jahre war sie eine Ikone. Die Tochter irischer Freiheitskämpfer kam als Kind nach New York und wurde dort Modejournalistin bei der Zeitschrift Harpers Bazaar. New York in der Nachkriegszeit war das Pflaster für neue Modedesigner,  junge Schriftsteller und innovative Zeitungsmacher. Dazwischen eine junge Frau, spitzzüngig und trinkfreudig, im kleinen Schwarzen und mit Perlenkette, auf jeder Party ein gern gesehener Gast. Für die Zeitschrift New Yorker schrieb sie über unglückliche irische Paare und feministische Kurzgeschichten, als der Feminismus noch nicht in Mode war. Im echten Leben blieb sie einsam, im Alter musste sie gegen eine psychische Krankheit kämpfen. Ein Leben wie für einen Film!
Eine wunderbar und gut zu lesende Frauenbiografie von Michaela Karl, die es auf unterhaltsame Weise schafft, den Zeitgeist New Yorks in den 50er und 60er Jahren lebendig werden zu lassen.
Für alle, die gerne wahre Geschichten lesen.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Der Sherlock Holmes des finsteren Mittelalters

Vondruska, Vlastimil: Die siebte Leiche. Köln: Bastei Lübbe, 2017 – 335 Seiten

Titel verfügar?

Vlastimil Vondruska, geboren 1955 in Tschechien, gilt in seiner Heimat als absoluter Superstar der historischen Belletristik. Der studierte Historiker legt bei seinen Romanen besonderen Wert darauf, dass seine Leser unterhalten werden, aber gleichzeitig etwas über Geschichte lernen. Als Tourguide durch das finstere Mittelalter Böhmens hat Vondruska Ritter Ulrich von Kulm erfunden, königlicher Prokurator und leidenschaftlicher Hobbydetektiv. Unterstützt wird er von seinem lebensbejahenden Knappen Otto, der seine Informationen vorzugsweise bei jungen Edelfräulein beschafft. Dennoch sind Vondruskas Kriminalromane keinesfalls klischeebehaftet, sondern fahren ihre ganz eigene Schiene.
In „Die siebte Leiche“, dem zweiten Band der deutschen Reihe, gerät Ulrich von Kulm mit seinen Begleitern in einen gefährlichen Schneesturm, der alle zur Rast auf einer abgelegenen Burg zwingt. Dort stolpern sie mitten hinein in einen neuen Fall, denn jedes Jahr zur Adventszeit verstirbt einer der Bewohner auf bisher ungeklärte Weise. Die Gründe dafür liegen weit in der Vergangenheit und Ulrich von Kulm setzt alles daran, die Umstände aufzuklären. Doch die Burg birgt finstere Geheimnisse, geisterhafte Erscheinungen von bereits verstorbenen Ahnen mit eingeschlossen…
Bisher wurden in Tschechien zu der Reihe mit Ulrich von Kulm knapp dreißig (!) Kriminalromane veröffentlicht. In Deutschland wurden bisher drei übersetzt (siehe „Die Toten vom Jakobsweg“ (2016) und „Das Bestiarium von Mähren“ (2019)), weitere sollen folgen. Obwohl es eine Reihe ist, sind alle Romane gut getrennt voneinander lesbar. Vondruska schreibt bildlich, flüssig und der Leser hat stets das Gefühl, mittendrin statt nur dabei zu sein.
Merken Sie sich auf jeden Fall diesen Autor!

Jessica Grobelnik

 

Ein politisches Buch, ein Familienroman, ein „Dorfstück“

Aramburu, Fernando: Patrià. Hamburg: Rowohlt Buchverlage 2018 – 768 Seiten

Titel verfügar?

Zum Roman „Patria“ gegriffen habe ich wegen seines interessanten Themas: Das Baskenland und sein Streben nach Autonomie, der politische Terror der ETA. Begeistert hat mich seine Erzählweise: Das Buch umfasst mehr als 700 Seiten und ist sehr komplex. Die Perspektiven wechseln, manchmal kommt der Ich-Erzähler mitten in einem Satz zum Vorschein, in welcher Zeit man sich gerade befindet, ist nicht deutlich benannt und bei den handelnden Personen kann ich nicht eine finden, die mir so richtig sympathisch ist. Dann noch diese vielen, mit unzähligen „X“ durchsetzten baskischen Wörter, deren Bedeutung man sich auch nicht von anderen Sprachkenntnissen her erschließen kann. Dies alles könnte stören beim Lesefluss, aber das Gegenteil ist der Fall. Endlich mal wieder ein Buch, das einen eigenen Stil pflegt, einen Sog entwickelt, da es sehr direkt anspricht. Wie in einem Gespräch wird manchmal nach dem richtigen Wort gesucht, Begriffe werden „ausprobiert“ und aufgereiht, Fragen werden eingeschoben oder Sätze nicht vollendet. So blickte ich niemals seufzend auf den Umfang des Romans, sondern freute mich, dass das Lesevergnügen so lange andauern würde. Zum Inhalt: In einem kleinen Dorf in der Nähe von San Sebastian entzweit ein ETA-Mord zwei bis dahin befreundete Familien, wobei die Spannungslinien auch davor schon zwischen direkten Nachbarn oder Kollegen verlaufen. Es geht um Solidarität, soziale und familiäre Zwänge. Um Opfer und Täter – und um deren Motivation: „Und genauso machte es Joxe Mari seiner Meinung nach, zumindest am Anfang. Ein Spiel, mit den Freunden, ein Sport. Du gehst da hin, riskierst was, kriegst einen Gummiknüppel übergezogen, das ist Leben. Hinterher in der Kneipe wird getrunken und gegessen und alles lautstark kommentiert, und man spürt mit einem angenehmen Kribbeln das Fieber, das die ganze Clique wärmt, das einen mit der Sache verbindet.“ Es geht um unerfüllte Erwartungen auf der Suche nach Heimat, nach Wahrheit und um Sprachlosigkeit: Über zwanzig Jahre nach der Ermordung des baskischen Unternehmers Txato kehrt seine Witwe Bittori in das Dorf zurück, in dem sie damals mit ihrem Mann wohnte. Sie erfährt heftige Ablehnung und will, dem Lebensende nahe, endlich erfahren, wer damals auf ihren Mann geschossen hat. Womöglich der inzwischen verhaftete Sohn ihrer früher ehemals besten Freundin?

Jutta Zimmermann

 

Ein warmherziger Film für die ganze Familie

Die Familie mit den Schlittenhunden. - Regie: Ralf Breier und Claudia Kuhland. – 1 DVD. – 2014, 93 Min.

Titel verfügar?

Dave und Kristen Olesen  leben mit ihren beiden Töchtern Annika und Liv und 37 (!) Alaska-Huskys in einem kleinen Familiendorf mit selbst gebauten Holzhäusern an einem See am Ufer einer Bucht. Die Kinder versorgen die Schlittenhunde bei jedem Wetter, sie haben keine gleichaltrigen Freunde, denn die Familie lebt naturverbunden und isoliert an einem außergewöhnlichen Ort inmitten der Wildnis Alaskas. Die Familienbande sind stark, ein Ausscheren ist in dieser Einsamkeit undenkbar. In Annika entsteht der Traum, mit zehn ihrer Huskys an einem Schlittenhunderennen, dem Iditarod Trail International Championship Sled Dog Race teilzunehmen, weit weg von ihrem Wohnort, und sie trainiert, unterstützt von ihrer Familie, mit ihnen dafür viele Monate. Der Zuschauer erlebt den Alltag in der Familie und alle Höhen und Tiefen dieser Trainingsphase und den Wettkampf hautnah. Ein warmherziger dokumentarischer Familienfilm vor einer traumhaften landschaftlichen Kulisse.
Tanja Schleyerbach  

 

Gerüchte und ihr Wahrheitsgehalt

Weigelt, Udo / Freund, Melanie (Ill.): Wenn der wilde Wombat kommt. Minedition, 2013 – 48 Seiten

Titel verfügar?

Im Zoo soll es einen neuen Mitbewohner geben: einen wilden Wombat direkt aus Australien! Man müsse sehr vorsichtig mit ihm sein…
Der Papagei hört diese Aussage von Tierpflegern und erzählt sie dem Seehund weiter. Der erzählt es dem Chamäleon, dieses der Eule und so weiter. Keines der Tiere hat je einen Wombat gesehen hat, nicht mal das Känguru, und das kommt ja bekanntlich auch aus Australien! Die Gerüchteküche brodelt und der Wombat wird bei jedem Weitererzählen schrecklicher und wilder dargestellt. So kommt es, dass sich am Tag seiner Ankunft alle Zootiere versteckt haben. Aber ist der Wombat wirklich so ein schreckliches Ungeheuer?
Ein wundervolles Bilderbuch mit herrlichen, großformatigen Illustrationen und gekonnt platzierten Effekten beim Umblättern. Nicht nur für kleine Leser ab 3 Jahren.

  Anni Lenz  

 

Ein Klassiker wiederentdeckt!

Pat & Mat. – Lustige Handwerksgeschichten mit den pfiffigen Burschen. – Regie: Luboír Beneš. – 1 DVD, 2012. – 606 Min.

Titel verfügar?

Die zwei lustigen Handwerker Pat und Mat kennen manche vielleicht noch aus der eigenen Kindheit. Ob sie Tapezieren, Schnee räumen oder einfach nur Grillen wollen, irgendwie geht bei den beiden netten Herren immer etwas schief, doch unterkriegen lassen sie sich davon nie. Stattdessen finden sie mit viel Pfiffigkeit und Freude stets unkonventionelle und amüsante Lösungen. Lachen ist garantiert!

Die tschechoslowakische, später tschechische Puppentrickserie startete in den 70er Jahren und ist ein echter Klassiker, der aber auch heute noch schön anzusehen ist und nichts von seinem Charme verloren hat. Gerade auch als ruhigerer Gegenpol zu den schnell geschnittenen Kinderserien der heutigen Zeit, ohne dabei altertümlich zu wirken, versprechen die Kurzfilme angenehmes und humorvolles Sehvergnügen. Dabei kommen sie ganz ohne Sprache aus, untermalt mit fröhlicher Instrumentalmusik.

Ohne Worte, mit viel Humor für Klein und Groß!

Esther Murat

 

Spannung pur!

Rififi. – Regie: Jules Dassin. – 1 DVD, 2009. – 114 Min.

Titel verfügar?

Der Film-noir-Klassiker von 1955 mit seinen klaren Charakteren, herausragenden Einstellungen, seiner düsteren Spannung und detaillierten Handlung, die bis zuletzt offen lässt, ob es Gewinner des spektakulären Juwelendiebstahls geben wird, ist auch heute noch ein Juwel der Filmgeschichte. Die 24-minütige schweißtreibende und minutiös geplante Einbruchsszene besticht durch knisternde Spannung und Schweigen ebenso wie die Nahaufnahmen der Ganoven und die immer neuen, wenig zimperlichen Wendungen in diesem so gar nicht verstaubten Schwarzweißklassiker der Unterwelt ohne Happy End.
Tanja Schleyerbach

 

Erstes Album ist da!

Lewis Capaldi: Divinely uninspired to a hellish extent. Berlin, Vertigo: 2019 – CD

Titel verfügar?

Wer die Musik von Adele mag, kann vielleicht auch Lewis Capaldis CD „Divinely uninspired to a hellish extent“ etwas abgewinnen. 2017 veröffentlichte er seinen ersten Song „Bruises“, im Mai 2019 erschien jetzt sein erstes Album, angesiedelt irgendwo zwischen Rock und Soul. Die Songs erzählen vom Erwachsenwerden, von Liebe, Verlustängsten und Beziehungen. Vor allem seine kratzige Stimme und seine Ausdruckskraft machen ihn einzigartig. Die Begleitung ist überwiegend mit Gitarre und Klavier, oft angenehm zurückhaltend, manchmal aber auch kraftvoll. Ich finde: Seine Songs können berühren.

Katja Schultz-Nisi