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Empfehlungen Oktober 2019

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

 

 

Achtsam zu lesen

Dusse, Karsten: Achtsam morden. Ein entschleunigter Kriminalroman. – München: Heyne Verlag, 2019. – 415 Seiten.

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Björn Diemel steht zu spät vor der Tür eines Achtsamkeitsberaters und fragt sich, was er da soll. Schließlich ist er doch ein erfolgreicher, wenn auch überarbeiteter und gestresster Anwalt und Strafverteidiger mit ganz speziellen Klienten. Aber seine Frau Katharina will sich von ihm trennen und dann wird er die geliebte Tochter Emily nicht mehr oft sehen. Also ist das von Katharina verordnete Achtsamkeitstraining der letzte Ausweg aus der Misere. Björn ist nicht umsonst ein geschickter Jurist, denn er lernt schnell. Die Ratschläge und Techniken seines Achtsamkeitsberaters integriert er höchst effizient in seinen turbulenten Alltag. Die Probleme der brutalen und kriminellen Klientel lassen sich zwar nicht immer achtsam wegatmen, aber die Achtsamkeitsperspektiven bringen doch ganz neue Lösungsansätze für Björns Job. Nicht unbedingt zum Vorteil der Klienten, aber ganz sicher zum Vorteil von Björn und seiner Familie.     
Achtsam morden ist schwarzer Humor vom Feinsten und krimimäßig leichte Kost. Der Autor nimmt nicht nur Ganovenklischees, sondern auch die Welt der Achtsamkeitsberater auf die Schippe und kombiniert deren Regeln mit herrlich bösen Beschreibungen aus dem bürgerlichen Alltagsleben. 

Andrea Däuwel-Bernd

 

Afrika ist mehr

Abouet, Marguerite (Text) und Oubrerie, Clément (Zeichnungen): „Aya“. Aus dem Französischen von Kai Wilksen. – Berlin: Reprodukt Verlag, 2014. – 360 Seiten

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Abouet, Marguerite (Text) und Clément Oubrerie (Zeichnungen): „Aya: Leben in der City“. Aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock. – Berlin: Reprodukt Verlag, 2014. – 376 Seiten

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Vor Kurzem wurde ich gefragt, ob es in der Stadtbibliothek denn Literatur von Autoren aus der Elfenbeinküste gibt. Hier sind zwei Bücher zum Thema, die ich empfehlen kann, nämlich einen zweibändigen Comic, oder besser, Graphic Novel. Hier gibt es weder Kindersoldaten noch ethnische Konflikte, die unsere Vorurteile über Afrika bedienen, sondern es wird der Alltag junger Menschen in den 70er Jahren in Abidjan gezeigt. Marguerite Abouet erzählt das Leben in der afrikanischen Großstadt unterhaltsam, frisch und bunt.
Da ist Aya, die gegen den Willen ihres Vaters Medizin studieren will, ihre Freundinnen Bintou und Adjoua, ihre Familien und Freunde. Man erfährt viel über den Alltag und die Lebenswelt von Jugendlichen in Westafrika.
Die Autorin Marguerite Abouet kam als Kind von der Elfenbeinküste nach Frankreich, heute lebt sie mit ihrem Mann Clement Oubrerie, der auch die Illustationen gezeichnet hat, im Großraum Paris.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Wenn britische Komik auf griechische Mythologie trifft

Fry, Stephen: Mythos – was uns die Götter heute sagen. – Berlin: Aufbau Verlag, 2018. – 448 Seiten

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Stephen Fry, seines Zeichens einer der bekanntesten britischen Komiker, gilt spätestens seit seiner kongenialen Vertonung der Harry-Potter-Bücher als weltberühmt. Neben seiner Tätigkeit als Komiker und Schauspieler sowie Gastauftritten in Serien, schreibt Fry bereits seit Jahren Romane. Seine Autobiographien sind ehrlich und das absolute Muss für Fans. Fry schreibt so, dass es scheint, als würde man ihm direkt gegenüber sitzen. Besonders authentisch wirkt das dadurch, dass er manchmal während einer Erzählung abdriftet, dann sich dafür entschuldigt und fürchtet, die Leserin oder den Leser damit gelangweilt zu haben. Doch genau das macht seinen Stil aus und lässt ihn gleichzeitig auch unglaublich sympathisch wirken!
So auch in seinem neuesten Sachbuch „Mythos“, das uns in die Mysterien der griechischen Mythologie entführt. Fry versteht es, mit einer Leichtigkeit zu erzählen, dass sich keiner vorkommt, als würde er mitten in einer langweiligen Geschichtsstunde sitzen. Mit einer ordentlichen Portion Unterhaltung berichtet er vom Anbeginn der Erde, der Zeit und den ersten Göttern; den Verwirrungen, Verstrickungen und Bindungen untereinander. Auch eine Prise Philosophie fließt mit ein in eine Nacherzählung der von Fry bereits in seiner Kindheit geliebten griechischen Mythologie. Und diese Liebe spürt man definitiv beim Lesen.
Übrigens: Dieses Buch finden Sie bei uns auch als Hörbuch in der Hauptstelle sowie als eAudio in unserer eAusleihe Neckar-Alb!

Jessica Grobelnik

 

Mondlandung und  menschliche Dramen

Woelk, Ulrich: Der Sommer meiner Mutter. Roman. – München: Verlag C.H. Beck 2019. – 189 Seiten

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„Im Sommer 1969, ein paar Wochen nach der ersten bemannten Mondlandung, nahm sich meine Mutter das Leben“. Wenn ein Roman schon so anfängt, legt man ihn nicht mehr aus der Hand. Mit der Vorwegnahme des tragischen Endes führt uns der Autor in die Welt des 11-jährigen Tobias ein, aus dessen Perspektive die Geschichte eines Sommers im Jahr 1969 erzählt wird. Neue Nachbarn verändern das Leben von Tobis Familie in einem Kölner Vorort. Uschi, die Übersetzerin, ihr Mann, der Philosophie-Dozent, und die frühreife Tochter Rosa ziehen zu und treffen auf Tobis Vater Walter, den Ingenieur, und seine Mutter Eva, die Hausfrau. Auf der einen Seite die traditionellen Rollenmodelle, auf der anderen Seite der linksliberale Aufbruch. Nachbarschaftliche Beziehungen, die erste Jugendliebe, Erfahrungen mit Emanzipation und Sexualität – alles spielt sich zeitgleich zur Mondlandung der Apollo 11 ab. Und während die Menschen erfolgreich den Mond erobern, geht eine kleine Welt unter.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Die magische Reise eines pilgernden Schamanen

Die Augen des Weges. – Regie: Rodrigo Otero Heraud. – 1 DVD. – 2018, 88 Min.

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„Der Mensch kommt auf die Welt, damit das Leben mit vollem Herzen erblüht.“
Hipolito Peralta Ccama ist Lehrer und ein spiritueller Meister aus den zentralen Anden Perus, der in verschiedenen Regionen auf der Suche nach den spirituellen Kräften der Erde und der Vorfahren ist. Nicht nur mit Menschen spricht er, die ganze Natur ist belebt und kann mit ihm kommunizieren:  An Steine, Pflanzen, Wasser und Wind wendet sich Hipolito mit Ritualen und Gebeten. Die Apus genannten Berggeister beschützen die Menschen auf ihrem Lebensweg. Der pilgernde Schamane sucht nach der Krankheit, welche die Menschen befallen hat und nach Heilung für die Menschen und die Erde. Er spürt die Reste der indigenen Quechuakultur und ihre geistige Welt auf. Grandiose Landschaftsaufnahmen und ruhige Gitarrenmusik lassen den Zuschauer sich auf eine magische Reise begeben.

Tanja Schleyerbach

 

Waffenverrückte Gesellschaft I

Tallent, Gabriel: Mein Ein und Alles. Roman. – München: Penguin Verlag 2018. – 480 Seiten

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„Ein Roman […] wie ein Schusswechsel“, schrieb ein Rezensent über dieses Buch, das den amerikanischen Autor Gabriel Tallent auf einen Schlag berühmt machte. Mit diesem Debüt zeichnet er das Bild einer Gesellschaft, in der Schusswaffen schon in der Kindheit zum Alltag gehören. Im Mittelpunkt steht das Mädchen Julia, das schon als Kind schießen lernt und von ihrem Vater missbraucht wird. Auf ihren Streifzügen durch die nordkalifornische Wildnis lernt Julia einen Jungen aus der Stadt kennen. Aber ihr Vater will die absolute Kontrolle über ihr Leben behalten, und es beginnt ein Kampf auf Leben und Tod. Ein Buch voller schockierender Bilder und machtvoller Erzählsprache, eine atemberaubende Geschichte über Liebe, Missbrauch und Zorn.
Beeindruckend und unbedingt lesenswert!

Andrea Däuwel-Bernd