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Kleine Filmperle: humorvolles Feelgood-Movie

Glück auf einer Skala von 1 bis 10. – Regie: Bernard Campan und Alexandre Jolien. – 2022 – 89 Minuten – ab 6 Jahre
Titel verfügbar?
Single Igor ist als Fahrradkurier für Biogemüse unterwegs, ein harter und schlecht bezahlter Job, aber er freut sich an der Ware und der Bewegung. Eine körperliche Behinderung trübt seine Lebensfreude nicht. Workaholic Louis besitzt eine Bestattungsfirma und ist rund um die Uhr im Einsatz. Auf einer Autofahrt fährt er Igor an, der mit seiner Gemüsefracht vom Fahrrad stürzt. Die Begegnung kommt Igor gerade Recht, denn er verfolgt von nun an hartnäckig das Ziel, sich Louis‘ Freundschaft zu erobern – keine leichte Aufgabe. Er begleitet ihn im Leichenwagen – zunächst als blinder Passagier, später ganz offiziell. Es bahnt sich eine Freundschaft an, die sich vertieft und die beiden so ungleichen Männer überraschende und manchmal (schwarz-)humorige Erlebnisse und Begegnungen beschert.
Feines, humorvolles Feelgood-Roadmovie, berührend, voller Lebensfreude und Zuversicht
Tanja Schleyerbach
Chemische Unterwerfung
Caroline Darian: Und ich werde dich nie wieder Papa nennen. – 2025. – 224 Seiten
Titel verfügbar?
In diesem Sachbuch wird geschildert, wie die gesamte Familie Pelicot von jetzt auf gleich aus ihrem „banalen“ Leben gerissen und mit den Taten des Vaters konfrontiert wird, welche nur durch Zufall entdeckt wurden.
Der Vater hat die Mutter über mindestens 10 Jahre lang mit gesundheitsschädlichen Betäubungsmitteln bewusstlos gemacht, sie vielfach vergewaltigt und sie rund 80 fremden Männern, die er im Internet rekrutierte, ausgeliefert.
Das Buch ist aus Sicht der Tochter geschrieben, immer mit kurzen Rückblicken in die Kindheit.
Sehr schwere Kost.
Maike Schneider
Brilliantes Buch!
Helen Fields: The Killer Profile. 2024, dtv. – 415 Seiten
Titel verfügbar?
Schon ihre letzte Veröffentlichung The Institution war so überzeugend, dass ich ihren neuen Titel unbedingt lesen musste.
Midnight Jones arbeitet bei Necto, einer großen Firma, die sich darauf spezialisiert hat anhand von KI-Tests, Personen und deren Charaktereigenschaften zu bewerten und ihnen damit den idealen Studien- oder Arbeitsplatz zu beschaffen. Als sie bei einem der Probanden eines Persönlichkeitstests eine sehr außergewöhnliche Auswertung erhält, ist sie fassungslos, denn das Profil beschreibt einen Psychopathen sondergleichen. Doch weder ihr Chef noch die Leiterin der Firma schenken ihr Gehör. Midnight hingegen kann es kaum glauben, denn kurze Zeit später werden in ihrer unmittelbaren Nähe zwei Menschen bestialisch ermordet. Hängen die Morde wirklich mit dem Profil zusammen oder geht ihre Fantasie mit ihr durch?
Katrin Grießinger
Ist es Schicksal oder doch Zufall – wer weiß das schon?
Carsten Henn: Die Butterbrotbriefe. – 2023. – 255 Seiten
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Wer schreibt denn heute noch Briefe? So richtige, auf Papier und sogar mit der eigenen Handschrift?
So warmherzig, so klug, so poetisch, so humorvoll!
Es fühlt sich an wie eine Umarmung beim Lesen – für mich war es pures Leseglück! Ein unglaubliches Buch!
Gerne mehr von C. Henn: Der Buchspazierer und Der Geschichtenbäcker
Das Apfelblütenfest habe ich mir jetzt auch noch bestellt und bin schon sehr gespannt.
Sabine Schaller
Mit außergewöhnlichen Bildern und Metaphern durch die Philosophiegeschichte reisen
Alcadre, Pedro; Alcade, Merlín; Tió, Gim: Metaphern. Die Geschichte der Philosophie in 24 Bildern. Prestel Verlag, 2024. – 52 Seiten
Titel verfügbar?
Eine ganz und gar ungewöhnliche und kurze Einführung in die Geschichte der Philosophie anhand von Metaphern und ästhetisch ansprechenden Bildern haben die drei Autor*innen als Appetizer vorgelegt, und der schmale Band lässt sofort den Wunsch erwachsen, das Buch zu öffnen und zu schmökern. Höhle, Geheimnis, Wüste, Eisberg, Taube, Garten oder Kugel sind Begriffe, die auf einer Seite jeweils einem Philosophen mit Zitat, philosophischer Einordnung und einer philosophischen Strömung zugeordnet werden. Heraklit, Platon, Hegel, Kierkegaard, Marx, Arendt, Said oder Butler werden u.a. als Philosoph*innen vorgestellt. Gegenüberliegend ein ganzseitiges Bild, das zum Sinnieren und Meditieren einlädt und eine großartige Ergänzung zu den Texten darstellt.
Ein philosophischer Anfang – auch für Philosophiemuffel –, der neugierig und Lust auf mehr machen kann mit einem Buch voller Schönheit.
Tanja Schleyerbach
Familiäre Aufarbeitung der faschistischen Vergangenheit des Vaters
Francesca Melandri: Kalte Füße . – 2024. – 283 Seiten
Titel verfügbar?
Wenn man dieses Buch zur Hand nimmt, scheint der Titel – eine im Wind wehende Sonnenblume - nicht zum Cover zu passen. Es geht sofort zur Sache und um das uralte Thema Krieg und Frieden. Francesca Melandri richtet angesichts des russischen Krieges gegen die Ukraine Briefe und Fragen an ihren Vater, der auf Nachfrage nur eine Taube im Krieg getötet haben will. Jeder Satz sitzt, und es sind schonungslose Sätze, die den Atem stocken lassen. Sätze, die in die Welt müssen. Italienische Soldaten wurden im 2. Weltkrieg v.a. in die Ukraine geschickt, um zu kämpfen. Sie flohen im Winter 1942/43 vor der Roten Armee und erfroren in Pappschuhen zu Zehntausenden bei ihrem „Rückzug aus Russland“. Ihr Vater Franco überlebte. Und Melandri hat viele Fragen an ihn, den inzwischen Verstorbenen, der ein gefälliges Narrativ zusammen mit der Familie pflegte und für Mussolini als Gebirgsjäger gegen die sowjetischen Truppen kämpfte. Orte, von denen er früher erzählte, kommen im heutigen Ukrainekrieg plötzlich wieder vor. Ihr Vater hat seine Erinnerungen in drei Werken literarisch verarbeitet, aus denen jedem Kapitel ein Zitat vorangestellt wird. Gesprochen hat er über seine schlimmsten Erlebnisse und Taten nicht. Melandri geht den Fragen ohne Furcht und unerschrocken nach, weil nur die Wahrheit sie befriedigen und auch davor bewahren kann, die Augen zu verschließen, was derzeit in der Ukraine und in vielen anderen Kriegen passiert. Gerechtigkeit, nicht Frieden bezeichnet sie als das Gegenteil von Krieg. Vor allem aber lernt Melandri selbst und die Lesenden die Ukraine und ihre Sprache und Kultur mit ganz neuen Augen und auch historisch nicht als russisches „Anhängsel“ zu sehen. Hochaktuell, dicht, messerscharf und ehrlich.
Absolute Leseempfehlung.
Tanja Schleyerbach