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Empfehlungen Juni 2026

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

Buch Cover: Pride began on Christopher Street Buch-Cover: Die Rückkehr der Kraniche Buch-Cover: Das Licht in den Birken Buch-Cover: Ich, die ich Männer nicht kannte Buch-Cover: Vergiss mich DVD-Cover: Gaza mon amour


 

Medienempfehlung zum Pride Month im Juni

Love is love

Buch-Cover: Pride began on Christopher StreetChristian Handel / Andreas Suchanek: Pride began on Christopher Street. – Roman, 2024 – 364 Seiten

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Finn ist homosexuell, lebt in einer queeren WG, geht des Öfteren ins Stonwall Inn. Jake ist Polizist und genau dort an einer Razzia beteiligt. Die beiden treffen aufeinander und es entwickelt sich so viel mehr als eine Liebesgeschichte.

Es geht um Diskriminierung und extrem toxische Familienverhältnisse, aber auch um Freundschaft, um den Mut zu sich selbst zu stehen, Zusammenhalt und die Kraft gemeinsam etwas zu verändern.
Der Roman beginnt 1969 und behandelt mit dem Aufstand queerer Menschen gegen Polizeigewalt und für ihre Rechte einen „Schicksalsmoment der Geschichte“.

Nicht nur die Haupt- auch die Nebencharaktere sind überzeugend und authentisch dargestellt. Und trotz des recht simplen Schreibstils kann man die Tiefe der Gefühle und die Härte der Realität spüren.

Andrea Bässgen

 

Vier Frauen, etliche Konflikte und Familiengeheimnisse 

Buch-Cover: Die Rückkehr der KranicheRomy Fölck: Die Rückkehr der Kraniche. – Roman, 2022 - 331 Seiten

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Die zwei Hansen-Schwestern Grete und Freya mit unterschiedlichen Lebensentwürfen und Charakteren und alten Konflikten im Rucksack haben ihre Heimat im Marschland, in der sie als Jugendliche der Dorfgemeinschaft getrotzt haben. Freya, die ihr Glück außerhalb der Heimat gesucht, aber nicht gefunden hat, kehrt zurück in das alte Reetdachhaus, als ihre Mutter Wilhelmine im Sterben liegt. Gretes Welt ist das Marschland, die Natur, sie ist Vogelwartin auf der Elbinsel und hat die Gegend nie verlassen. Jede der Frauen hat ein Geheimnis, besonders Grete, die ihrer Tochter Anna deren Erzeuger verschweigt. Das Verhältnis von Mutter und Tochter ist schwierig. Auch Anna kommt in die Elbmarsch zurück zu ihrer geliebten Großmutter. Die vier Frauen müssen ihre Fäden entwirren, wenn sie neue Wege gehen und Wilhelmine im Frieden sterben möchte. Der Spiegel-Bestseller ist eine emotional berührende Familiengeschichte.

Tanja Schleyerbach

 

Drei Menschen im Umbruch finden sich

Buch-Cover: Das Licht in den BirkenRomy Fölck: Das Licht in den Birken. – Roman, 2024 – 347 Seiten

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Die durch Kriminalromane bekannte Autorin hat nach „Die Rückkehr der Kraniche“ einen weiteren Roman ohne Kriminalbezug geschrieben.

Thea hat nach einer gescheiterten Beziehung 20 Jahre in Portugal in einem Wohnwagen gelebt, wo sie an der Seite des jungen Hirten Mateus Ziegen gehütet hat. Der Abschied mit Mitte fünfzig fällt ihr schwer, und ob er richtig ist, weiß sie nicht. Sie kommt auf einem Hof am Rand eines Naturschutzgebietes in der Lüneburger Heide unter, auf dem der verschlossene und kauzige Vermieter Benno hoch verschuldet lebt und dringend auf ihre Einnahmen angewiesen ist. Er lebt weitgehend als Selbstversorger und hat einen Gnadenhof, der viel Geld kostet. Die Gläubiger sitzen ihm unaufhaltsam im Nacken, und als Thea das – mit indiskreten Grenz­über­schreitungen – mitbekommt, ist ihr Wille erwacht, gemeinsam mit ihm einen Weg für ihn aus dem Schuldenberg zu finden. Bisher waren die Tiere und das Kochen mit Gemüse aus seinem Garten sein Lebensinhalt – Arbeit in einer festgelegten Routine. Schließlich kommt auch noch Juli auf den Hof, und mit zwei Frauen ist Benno zunächst überfordert, Zoff bleibt nicht aus. Doch auch Juli, die verletzt gestrandet ist, packt mit an, und sie entwickeln zusammen ein Konzept, das den Hof und die Tiere retten kann und wird. Ein Angebot, den Hof für viel Geld zu übernehmen, kommt für ihn nicht in Frage – oder doch? Auch sein Sohn spielt plötzlich wieder eine Rolle in seinem Leben. Wohlfühllektüre mit gutem Ausgang.

Tanja Schleyerbach

 

Eine durch und durch ergreifende Dystopie

Buch-Cover: Ich, die ich Männer nicht kannteJaqueline Harpman: Ich, die ich Männer nicht kannte. – Roman, 2026 – 214 Seiten

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In diesem Roman geht es um eine junge Frau, die nach einem umwälzenden Ereignis – an das sich jedoch keiner so richtig erinnern kann – mit 39 anderen Frauen in einem Käfig tief unter der Erde gefangen gehalten und von schweigsamen Wächtern bewacht wird. Keiner weiß warum, oder was genau passiert ist.

Die Hauptperson hat keinerlei Erinnerungen an die Welt wie sie davor war, und vor allem nicht an Männer und wie man mit diesen interagiert. Gemeinsam verbringen die Frauen ihre eintönigen Tage, bis es zu einem weiteren unvorhergesehenen Vorfall kommt und sie sich plötzlich einer gewaltigen – aber auch angsteinflößenden – Chance gegenüber sehen…

Dieses Buch war anders als alle anderen, die ich bisher gelesen habe. Die Autorin beschäftigt sich hier mit den Grundzügen menschlicher Interaktion, der Frage was genau einen Menschen menschlich macht, und all die verschiedenen Dinge was das bedeuten kann. Obwohl das Buch relativ kurz ist, schafft sie es präzise und ohne unnötigen Schnörkel die Natur der Menschen zu ergründen.

Mir haben außerdem die vielen großen Unbekannten in dieser Geschichte gefallen und wie die Hauptperson damit umgeht: sie stellt Fragen und Hypothesen auf, ist neugierig, erforscht den Hintergrund ihrer Situation, und formuliert Theorien, von denen allerdings einige bis zum Schluss unbeantwortet bleiben – wie im echten Leben eben.

Meine Empfehlung an alle, die mal etwas Anderes lesen möchten.

Antonia Heger

 

Medienempfehlung zur Aktionswoche Alkohol 13.-21. Juni 2026

Einblick in Alex Schulmans Kindheit und die Folgen des Aufwachsens in einer dysfunktionalen Familie

Buch-Cover: Vergiss michAlex Schulman: Vergiss mich. – Sachbuch, 2025 – 252 Seiten

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Alex Schulman hat die Gabe, mit seinen autobiografischen Beschreibungen seine Leser/innen in den Bann zu ziehen. Das gelingt ihm auch mit dem neuesten Einblick in seine dysfunktionale Familie hervorragend. Dieses Mal liegt der Fokus auf der Beziehung zu seiner Mutter und die Auswirkungen ihrer jahrzehnte­langen Alkoholkrankheit, die die Familie zu zerstören vermochte. Aber auch der Vater mit seinen zwanghaften Ritualen trägt nicht zu einer entspannten Kindheit der drei Brüder bei. Zu Beginn ist die Mutter die bevorzugte Bezugsperson, mit Fortschreiten der Alkoholkrankheit wird es der Vater. Er beschreibt drastisch, wie nachhaltig verletzend und zerstörerisch das Verhalten der Mutter wirkt, wie sie ihre Arbeit verliert und wie lange die Kindheits­traumata nachwirken. Als Erwachsener hat er mehrere Zusammenbrüche und ist gezwungen, sich mit deren Ursachen auseinanderzusetzen. Schnell landet er bei der Familie seiner Mutter, v.a. auch seinem Großvater. Die Beziehung zur Mutter verschlechtert sich drastisch, als er sie nach Jahrzehnten und vielen Anläufen auf das Tabuthema erstmals anspricht. Sie bricht den Kontakt zu ihm ab, definiert ihn als größten Feind. Schweigen war Gesetz. Alex versucht, sich ihr anzunähern, zu vergeben, aufzuarbeiten und sie vom jahrzehntelangen Alkoholkonsum wegzubringen, damit sie ihr Enkelkind betreuen darf. Ein mühseliger Prozess mit vielen Rückschlägen.

Sehr aufwühlend und authentisch. 

Tanja Schleyerbach

 

Kraftvolle Geschichte einer späten Liebe in Gaza

DVD-Cover: Gaza mon amourGaza mon amour. Regie: Tarzan und Arab Nasser. – 1 DVD, 2021 – 84 Minuten – ab 12 Jahre

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Gaza mon amour ist eine anrührende Liebesgeschichte mitten in Gaza, die von den beiden Protagonist/innen lebt. Der etwas eigenbrötlerische Junggeselle Issa lebt zufrieden als Fischer in einer Hafenstadt. Die heimliche Liebe zur Witwe Siham will nicht so recht vorankommen, jeder noch so zaghafte Versuch wird von ihr im Keim erstickt – und doch scheint sie sich über seine Aufmerksamkeit zu freuen. Seine Schwester schaut nach dem Rechten und bekommt mit, dass Issa heiraten möchte. Da schlägt ihre Stunde als Heiratsvermittlerin, was er sich ausdrücklich verbittet. Das beeindruckt seine Schwester jedoch keineswegs, und eine ganze Horde heiratswilliger Frauen kreuzen organisiert zugleich auf, um ihm ihre Aufwartung zu machen. Derweil hat Issa einen besonderen Fang in seinem Netz vorgefunden, eine antike Apollostatue mit erigiertem Penis, den er abbricht und beides getrennt sorgfältig zu Hause versteckt. Natürlich kommt just zu seinem Damenbesuch die Polizei vorbei und verhaftet ihn wegen unlauteren Besitzes der griechischen Statue. Diese ist jedoch selbst daran interessiert, das wertvolle Stück am Markt zu platzieren und sich daran zu bereichern. Ein Kunsthändler muss her, um den Wert zu ermitteln. Es werden ganz nebenbei die Lebensbedingungen in Gaza gezeigt: in großer Armut, Angst vor Bombenangriffen – und doch mit innerer Zufriedenheit, einem sicheren Sinn für ausgezeichnetes, frisches Essen, Humor, Liebe und korrupten Verstrickungen.

Feines Gefühlskino

Tanja Schleyerbach