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Empfehlungen August/September 2018

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

 

Die Lücke im Leben

Schlink, Bernhard: Olga. Roman. – Diogenes, 2018. – 24 Seiten

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Das 1883 in Breslau geborene Waisenkind Olga verbringt seine Jugendzeit in einem pommerschen Dorf und verliebt sich in Herbert, den Sohn des Gutsherrn. Eine ewige Liebe, aber eine, die nicht sein darf. Olga wird Lehrerin, und Herbert ist ständig unterwegs, macht Expeditionen in die Arktis, bereist Afrika, Amerika und Russland, hat andere Frauen. Mit der Expedition in die Arktis, die er für Deutschland erobern möchte, hat er sich übernommen. Größenwahn hat ihn wie das deutsche Volk übermannt, und auch er scheitert daran, ist verschollen, seine Rettung missglückt. Olga läuft fortan mit einer Lücke und ewigen Sehnsucht durchs Leben und fragt sich, warum die Deutschen zu groß denken. Sie zieht ein Pflegekind groß und muss miterleben, wie dieses der SS und der NSDAP beitritt.
Verschiedene Perspektiven lassen den Leser an Olgas Leben teilhaben. Ihre eigene, die eines Kindes über die taube Näherin in seiner Familie und über unzählige Briefe, die Olga Herbert in die Ferne und ohne Gewissheit ihrer Ankunft geschrieben hat. Immer wieder überraschen Wendungen in dem auf Langsamkeit bedachten Buch über eine Frau, die nicht lassen wird von einer ewigen Liebe, die von außen betrachtet sinnlos erscheinen mag.

Tanja Schleyerbach

 

Literarischer Reiseführer

Hampp, Bernhard: Schwaben erlesen! Württemberg für Literaturfreunde und Bibliophile. – Meßkirch: Gmeiner, 2017. –187 Seiten

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Lieben Sie Poesie, Humor und Fantasie zwischen Buchdeckeln? Dann können Sie hier im Schwabenland spannende bibliophile Entdeckungen machen. Bernhard Hampp hat einen Reiseführer geschrieben speziell zu den literarischen Stätten im Ländle. Von der Stadtbibliothek Stuttgart, dem angesagtesten Büchertempel in Deutschland, geht es weiter zum Literaturhaus in Stuttgart, aber auch zu Frauenbuchläden, Antiquariatsmessen, Klosterbibliotheken und Büchermärkten. An vielen Orten in Württemberg kann man Philosophen, Buchpionieren und Lesetrends nachspüren. Gewitzte Buchfälscher, hochstapelnde Bibliothekare, verliebte Minnesänger und historische Bestsellerautorinnen gab es in Schwaben über die Jahrhunderte hinweg. Ein schön bebildertes Buch, das Lust auf literarische Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung macht.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Mit einem Papagei den Gangstern auf der Spur

Swann, Leonie: Gray. – München: Goldmann, 2017. – 413 Seiten

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„Nimm nen Keks“ sagt Gray, der Graupapagei, wenn der sympathisch neurotische Dozent Dr. Augustus Huff mit seinen Theorien zum Tod seines Studenten Elliot nicht weiterkommt. Der Student stürzte beim nächtlichen Fassadenklettern von der King`s Chapel in Cambridge. Augustus glaubt nicht an einen Unfall und auch sein neuer Begleiter, der vorlaute Papagei Gray stellt kritische Fragen. Zusammen gehen Sie der Sache auf den Grund.
Ein Leckerbissen für Freunde witziger, spannender Whodunits. Besonders amüsant ist das Gespräch Grays mit einem Wissenschaftler beim Dinner.
Eine extra Ausstattung des Buches: ein lustiges Daumenkino.

Maria Weber

 

Flucht in die Freiheit

Meine glückliche Familie. –  Regie: Nana & Simon. –  1 DVD, 2017. –  119 Min.

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Manana geht. Einfach so. Ohne Grund. Eine georgische Frau im Jahr 2016 packt an ihrem 52. Geburtstag den Koffer, entzieht sich der unerträglichen Enge der Großfamilie, um ein eigenständiges Leben in der Stadt zu führen, lässt Eltern, Mann und Kinder zurück. Undenkbar. Unerhört. Unverschämt. Sie zieht in eine erbärmliche Wohnung, für deren Anmietung man schon sehr verzweifelt sein muss. Die Großfamilie setzt alle Hebel in Bewegung, um die wahren Gründe zu erfahren, um Manana wieder zur Vernunft zu bringen, um einfach nur das Beste für sie zu tun, sie wieder in das warme, gemachte Familiennest zurückzuholen. Vergeblich. Was Enge, Kontrolle und auch Gewalt anrichten, wozu sie Menschen treiben können, ist hier hautnah zu beobachten.
Mananas Mann Soso wirkt zurückhaltend und freundlich. Aber die Freiheit, die Manana in ihrem eigenen engen und schäbigen Reich atmet, auf den winzigen Balkon vor einem Baum mit einem Glas Wein und einem Buch sitzend, sie ist mehr wert als aller Schutz, alle Nähe und alle Sicherheit der Großfamilie, deren Beengtheit und Kontrolle ihr unerträglich geworden ist. Und offenbar auch mehr als ihr die eigenen, inzwischen groß gewordenen Kinder geben können.
Eine eindrückliche rebellische Emanzipationsgeschichte aus dem heutigen Georgien in einer georgisch-französischen Co-Produktion.

 

Das Löwenmädchen. – Regie: Vibeke Isdoe. – 1 DVD, 2017. – 113 Min.

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1912 kommt die kleine Eva in einem kleinen norwegischen Dorf zur Welt. Ihr Körper ist über und über mit feinen, blonden Härchen bedeckt, ein Gendefekt, der Hypertrichosis lanuginosa heißt. Die Mutter stirbt bei ihrer Geburt, und ihr Vater, der Stationsvorsteher Arctander, der sie am liebsten abschieben möchte und keines Blickes würdigt, versteckt sie und verbietet ihr Ausgang und Schulbesuch. Er will nicht mit ihr in Verbindung gebracht werden. Wenn sie seine Verbote missachtet, wird sie in eine dunkle Kammer gesperrt. Die Züge der Station sind zunächst Evas einziges Tor zur Außenwelt. Aber sie bekommt ein wunderbares Kindermädchen, mit dem sich eine große und lebenslange Freundschaft entwickelt. Es setzt sich, wo immer möglich, für die kleine Eva ein und kämpft für ihre Freiheit und Bildung. Eva sucht Freundschaft und Liebe, sie lernt das Morsealphabet und entdeckt ihre Hochbegabung. Sie bricht aus und tingelt als Bühnenattraktion mit anderen besonderen Menschen durch die Welt. Sie verkauft sich und erfährt immer wieder Gewalt. Das gesparte Geld ermöglicht ihr das erhoffte Studium. Beharrlich und allen Ausgrenzungen und Widerständen zum Trotz (oder vielleicht auch deswegen), wird sie eine erfolgreiche Forscherin und Dozentin.
„Das Löwenmädchen“ ist ein zutiefst Mut machender Film, seinen eigenen Weg zu gehen und das Beste aus dem gegebenen Leben zu machen. Nach Erik Fosnes Hansens Bestseller ist Vibeke Isdoe eine sehr beeindruckende Literaturverfilmung mit einer außergewöhnlichen Maske und hervorragenden Schauspielern gelungen, die noch lange nachwirkt.

Tanja Schleyerbach

 

Ein Comic für Erwachsene und Kinder

Renner, Benjamin: Der Große Böse Fuchs. – Berlin: avant-Verlag, 2017. – 183 Seiten

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Der Große Böse Fuchs ist eher ein kleiner, ängstlicher Fuchs. Gerne hätte er einen Happen Huhn, aber die Hühner auf dem Bauernhof haben nicht einmal Angst vor ihm. Er geht ihnen nur auf die Nerven,  der Hofhund nimmt ihn nicht ernst, und seine Beutezüge bringen ihm nichts ein. Doch sein Nachbar, der Wolf, hat eine Idee: Warum nicht ein paar Eier klauen, warten, bis die Küken schlüpfen und sich so das leckere Hühnerfleisch selbst züchten? Eierklau geht klar, ausbrüten auch, aber dann gehen die Probleme erst richtig los…
Ein Comic für Erwachsene und Kinder über die Tücken der Kindererziehung voller Witz und Slapstick-Humor, liebevoll gezeichnet von einem französischen Comiczeichner.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Von Wohlstandsverwahrlosung und anständigen Kerlen

Hacke, Axel: Über den Anstand in schwierigen Zeiten und wie wir miteinander umgehen. – München: Kunstmann, 2017. – 189 Seiten

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„Der Anstand ist eine Sache jedes Einzelnen und damit eine Sache von uns allen.“
Gereift ist das Thema schon lange in Axel Hacke, der sich lange Zeit keine Gedanken um etwas Selbstverständliches gemacht hat. Anständig leben bedeutet für ihn Rücksichtnahme auf andere auch in Kleinigkeiten, und auch wenn einem gerade nicht danach zumute ist. Dinge zu tun oder nicht zu tun, die nicht verboten oder verpflichtend sind, auch wenn gerade mal keiner hinschaut. Es ist etwas Freiwilliges, das er für sich tut und weder mit Pflicht noch mit Moral vermischt. Man tut es einfach, oder man tut es einfach nicht. Es ist gut, sagen zu können, mein Gegenüber ist ein „anständiger Kerl“.
Doch die Zeiten ändern sich, man wird älter, und das immer häufigere Fehlen des selbstverständlichen Anstands im gesellschaftlichen Umgang beschäftigt nicht nur ihn. Im Dialog mit einem kritischen Freund kommen immer wieder Alltagssituationen zur Sprache und das Kreisen um eine Definition, um Respekt und Freundlichkeit im menschlichen Zusammenleben, aber auch um die Frage, welche Lebensmittel, in dem Fall das Bier einer Großbrauerei, anständig sind, lassen Hacke von Anderen zu sich selbst kommen.

Tanja Schleyerbach

 

Zweimal ausmisten

Kondo, Marie: Magic Cleaning. Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert, Reinbek: Rowohlt, 2016 – 223 Seiten

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Wenn Dein Mann anfängt, freiwillig seine Socken zu falten, dann hat er das Buch von Marie Kondo gelesen und offensichtlich verinnerlicht. Die japanische Lebensberaterin Marie Kondo hilft beim Aufräumen und Entrümpeln der Wohnung und zeigt, wie man mehr Lebensqualität gewinnt. Ihr Motto lautet: Behalte nur, was Dir Freude macht. Besitze nur, was Du brauchst. Dieser Weg führt über den Verzicht auf Dinge, die nicht (mehr) glücklich machen. Zunächst wird alles aus den Schränken genommen und ausgepackt, dann muss man sich für jeden Gegenstand entscheiden: Macht er mich glücklich? Von aussortierten Dingen verabschiedet man sich explizit. Wegen ihrer speziellen Methode wurde Marie Kondo in Japan und den USA berühmt und zur Bestseller-Autorin. Ihr Buch „Magic Cleaning“ ist zum Longseller geworden.  

 

Schreiner, Margit: Kein Platz mehr. Roman, Frankfurt: Schöffling & Co., 2018 – 176 Seiten.

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Endlich aufräumen und ausmisten, um sich – befreit vom Ballast des Alltags – ganz dem Schreiben zu widmen. Doch ein stets zur Unzeit abstürzender Computer, der Lärm der ländlichen Idylle, die Zipperlein der Schriftstellerin und vieles andere trüben die Lebensqualität der österreichischen  Schriftstellerin.  Mit reichlich Humor wettert Margit Schreiner über die Fülle, mit der wir uns tagtäglich umgeben. Braucht man das alles wirklich? Und wie wird man los, was zu viel ist? Eigentlich kein Roman, sondern ein Essay über den Mangel an Platz, den Überfluss  unserer materiellen Güter, das Problem mit dem Aussortieren und das „Zuviel“ in unserem Leben. Margit Schreiner lässt ihren Blick nicht nur über das eigene Leben gleiten, sondern schweift auch ab in Erinnerungen an Freunde, Verwandte, Bekannte und deren Schwierigkeiten, an denen sie die Leser teilhaben lässt.
Ein erhobener Zeigefinger für alle, die sich nach leeren Schubladen und weniger Ballast sehnen, und in der eigenen Sammelwut keine Befriedigung mehr finden.

Andrea Däuwel-Bernd