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Empfehlungen April/Mai 2018

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter empfehlen

    

 

Kurioses aus der Tier- und Pflanzenwelt

Weber, Ewald: Der Fisch, der lieber eine Alge wäre. Sachbuch – Beck, 2014. – 244 Seiten

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Die Natur ist unheimlich vielseitig, einfallsreich und spannend. Tiere und Pflanzen haben sich einiges einfallen lassen, um von einander zu profitieren, einander zu nutzen, auszunutzen und zusammenzuleben. Darüber schreibt Ewald Weber auf höchst unterhaltsame Weise und mit vielen faszinierenden Beispielen. Ein spannendes Sachbuch über verschiedene Beziehungen zwischen Tieren und Pflanzen, das auch für Laien leicht verständlich ist.

 

Fantasy im Ocean’s-Eleven-Stil!

Lynch, Scott: Die Lügen des Locke Lamora. Roman – Heyne, 2007. - 649 Seiten  (eBook)
Gentlemen-Ganoven-Reihe; 1

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Don Lorenzo Salvara kommt auf der Straße zwei Herren, die vermeintlich überfallen werden, zur Hilfe und kann sein Glück kaum fassen, als sich dadurch plötzlich das Geschäft seines Lebens vor ihm auftut. Was er nicht ahnt: Bei dem Geretteten handelt es sich um keinen seriösen Geschäftsmann, sondern um Locke Lamora, den „Dorn von Camorr“, den Anführer der wohl trickreichsten Diebesbande der Stadt. Während Locke und seine Gentlemen-Ganoven ihren größten Coup durchziehen wollen, taucht der Graue König in der Stadt auf und die Unterwelt von Camorr stürzt ins Chaos. Gaunerspaß in einer bunten Fantasy-Welt! Genau so gut wie die Fortsetzung „ Sturm über Roten Wassern“.

Andrea Bässgen

 

Harte Geschichte, aber sehr spannend geschrieben

Whitehead, Colson: Underground Railroad. – München: Carl Hanser Verlag, 2017. – 352 Seiten

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An diesem Buch ist alles spannend: der Autor, die Geschichte, das Thema. Colson Whitehead wurde 1969 geboren und arbeitete nach seinem Studium bei der New York Times. Er hat für „Underground Railroad“ den National Book Award und den Pulitzer-Preis erhalten. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Sklavin Cora, die auf einer Baumwollplantage im Süden der USA arbeiten muss. Randall, einer der Plantagenbesitzer, liebt es, Sklaven zu quälen und zu foltern, bevor sie vielleicht sterben dürfen. Coras Mutter Mabel ist bereits von der Plantage geflohen und hat die Tochter zurückgelassen. Cora muss daher schon früh selbständig sein. Eines Tages hält sie die Rohheiten auf der Plantage nicht mehr aus und flieht mit Hilfe einer unterirdischen Eisenbahn. Auf Ihrer Flucht durchquert Cora mehrere Staaten, Menschen helfen ihr, es gibt aber auch Rückschläge, die sie von der ersehnten Freiheit trennen. Diese fiktive Untergrundbahn gab es nicht, aber ein Netzwerk mit dem Namen „Underground Railroad“, das Sklaven aus dem Süden der USA in den Norden und bis nach Kanada brachte. Die entlaufenen Sklaven und die Menschen, die ihnen halfen, riskierten dabei ihr Leben. Diese Geschichte vermittelt, dass Sklaven wie Tiere und nicht wie Menschen behandelt wurden. Colson Whitehead schafft eindrucksvoll einen Spannungsbogen, indem er Charaktere und deren Lebensgeschichte in einzelnen Kapiteln darstellt. Dabei ist die Sprache manchmal brutal, aber das ist notwendig, um den Rassismus und die Sklaverei richtig zu vermitteln. Ein tolles und ehrliches Buch. Einfach lesen!

Beate Reichmann

 

Altes Ägypten - Der Schatz aus der Wüste

 

Carter, Howard: Tut-ench-amun: ein ägyptisches Königsgrab. 3 Bände. Leipzig: Brockhaus, 1924-1934. Titel verfügbar?
Hawass, Zahi: Tutanchamun. Das legendäre Grab des Pharao. München: Frederking und Thaler, 2008. – 296 Seiten Titel verfügbar?
Tiradritti, Francesco: Die Schatzkammer Ägyptens, die berühmte Sammlung des Ägyptischen Museums in Kairo, München: Frederking und Thaler, 2000. – 416 Seiten Weeks, Kent R.: Luxor und das Tal der Könige    . Hamburg: National Geographic, 2005. – 563 Seiten Titel verfügbar?
Tutanchamun: das letzte Geheimnis der Grabkammer. Discovery Channel, 2011, ca. 70 Minuten Titel verfügbar?

Angeregt durch eine interessante Fernsehsendung über den altägyptischen Pharao Tut-ench-Amun, stieß ich im Katalog der Stadtbibliothek Reutlingen auf einen ganz besonderen Bibliotheksschatz, nämlich die historische Ausgabe des Berichts von Howard Carter, den dieser 1924 kurz nach der Entdeckung des Tut-ench-Amun-Grabes veröffentlichte. Die drei Bände von 1924 und aus den Folgejahren, die historische Fotos enthalten, beschreiben die sensationelle Entdeckung und den Inhalt des Grabes. In der Stadtbibliothek Reutlingen gibt es weitere interessante Titel zur spektakulären Ausgrabung des Pharaonengrabes und der gefundenen Schätze, z.B. von Zahri Hawass, Francesco Tiradritti und Kent R. Weeks. Außerdem gibt es eine empfehlenswerte DVD, nämlich: Tutanchamun. Das letzte Geheimnis der Grabkammer. Super Bildmaterial für alle AbenteurerInnen und EntdeckerInnen!

Maria Weber

 

Stories aus dem Nahen Osten

Schaap, Fritz: Hotel Istanbul: Stories. – München: Knaus Verlag, 2017. – 269 Seiten

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Diese Stories handeln von Drogenhändlern in Damaskus, Kriegstouristen an der türkischen Grenze zu Syrien oder Rekrutierungsschulen für die Kämpfer des Islamischen Staates in Kairo. Aber auch von den Schwierigkeiten eines Palästinensers in einem homophoben Land oder vom Nachtleben in Damaskus. Der Journalist Fritz Schaap, der unter anderem für den Spiegel und die Zeit recherchiert, verarbeitet seine Erlebnisse und schrieb Erzählungen aus dem Nahen Osten, die den Alltag der Menschen in den Mittelpunkt rücken. Die Krisengebiete der arabischen Welt, die man nur aus den Fernsehnachrichten kennt, rücken hier auf eine ganz andere Weise näher. Fritz Schaap erzählt authentisch, rau und direkt von Begegnungen mit Menschen in einer Region, die zurzeit das Weltgeschehen prägt. Beeindruckt hat mich, wie direkt diese ganz alltäglichen Geschichten politische Verhältnisse und gesellschaftliche Bedingungen widerspiegeln und dadurch die Lebenswelt der Menschen im Nahen Osten emotional erfahrbar machen. Ich fand das Buch überaus spannend, teilweise schockierend und höchst informativ.

Andrea Däuwel-Bernd

 

Ergreifendes Familiendrama im Nahen Osten

Der Sohn der Anderen. – Regie: Lorraine Lévy. – 1 DVD. – 2012, 105 Minuten

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„Welche Eltern?“
Der Sohn der jeweils anderen (Mutter), das ist der Sohn einer Jüdin in Israel (Joseph) und der Sohn einer Palästinenserin im Westjordanland (Yacine), die bei der Geburt in einer israelischen Klinik vertauscht wurden. Beide sind heute 18 Jahre alt. Per Zufall kommt bei einer Blutuntersuchung diese verhängnisvolle und hochexplosive Nachricht für beide Familien ans Tageslicht, und man weiß nicht, ob man ihnen allen gewünscht hätte, es wäre verborgen geblieben, und jede Familie hätte ihren Frieden gehabt und nicht diesen von nun an immerzu nagenden Schmerz. Aber es ist auch eine Chance und ein Gewinn. Zunächst brechen Widerstände auf, vor allem die der Männer, heftige Widerstände, Wutausbrüche, Ablehnung, auch eines Bruders.  Die Frauen hingegen verstehen instinktiv sofort, es geht nur miteinander, auch wenn ihr Schmerz unendlich groß ist – so groß wie ihre Liebe zum eigenen - und fremden Kind.  Aber welches Kind ist nun das eigene?
Berührend sind die Szenen, wo die Mütter und leiblichen Söhne wenige intime Momente des Alleinseins miteinander haben - seit 18 Jahren zum ersten Mal. Die beiden Jugendlichen gehen jeder auf seine Art mit ihrer aufbrechenden Identitätskrise und der Ablehnung in der bisher sicher geglaubten eigenen Familie und Religion um, und sie befreunden sich. Joseph soll plötzlich kein Jude mehr sein dürfen? Was dann?  Yacine wird von seinem Bruder verstoßen. Irgendwann wird sogar der Hass von Yacines Bruder in Annährung verwandelt, und es sind einfach drei Jugendliche mit verschiedenen Erlebnissen und doch vielleicht nicht so unähnlichen Bedürfnissen. Immer wieder gibt es Begegnungen bei der jeweils anderen Familie, heimliche und offizielle. Auf allen Ebenen und zwischen allen Mitgliedern finden immer wieder Begegnungen statt. Wie reagieren die Freunde, die Familie der tief verfeindeten Völker auf diese Nachricht? Gewalt gegen Joseph, den gebürtigen Palästinenser bricht aus, und genau das schweißt die beiden Familien zusammen. Am Ende sind sie eine große Familie, über alle ideologischen und biologischen Grenzen hinweg. Lorraine Lévy hat  diesen emotional aufreibenden, aber unumgänglichen Weg dorthin einfühlsam in Bild und Ton umgesetzt.

 

Mut und Widerstand in Warschau

Die Frau des Zoodirektors. – Regie: Niki Caro. – 1 DVD, 2017. – 122 Minuten

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Der Film basiert auf Diane Ackermans 2007 veröffentlichtem Buch „The Zookeeper’s Wife“, das auf den Tagebüchern von Antonina Żabiński beruht und die wahre Geschichte des Warschauer Zoodirektorpaares Żabiński erzählt. 1939 leiten Antonina (Jessica Chastain) und ihr Mann Dr. Jan Żabiński (Johan Heldenbergh) den renommierten Warschauer Zoo. Als die Nationalsozialisten das Land besetzen, entschließen sich die beiden, den Nazis Widerstand zu leisten und zahlreiche Menschen aus dem Warschauer Ghetto zu retten.
Während eines gesellschaftlichen Empfanges in Żabińskis Villa wird ein Elefantenkalb geboren, und Antonia gelingt es mit Mut und Tatkraft, das sterbende Tier zu retten, was die Aufmerksamkeit des deutschen Zoologen und Leiter des Berliner Zoos Dr. Lutz Heck (Daniel Brühl) auf sie lenkt. Über den gesamten Film hinweg versucht er, bei Jans Frau zu „landen“ – und Antonia lässt sich insoweit darauf ein, um sich, ihre Familie und die versteckten Juden nicht in Gefahr zu begeben und Heck in Sicherheit zu wiegen. Auf das Verständnis ihres Mannes darf sie dabei nicht hoffen. Bei der Bombardierung Warschaus wird auch der Zoo schwer beschädigt. Die verbliebenen Tiere sollen für "Kriegszwecke" liquidiert werden oder in den Berliner Zoo ausgelagert werden. Der Warschauer Zoo wird von deutschen Truppen besetzt, und der Versuch der Żabińskis, Warschau zu verlassen, scheitert. Während der gesamten Besatzungszeit versteckt die Familie mehr als 300 Juden in ihrem Keller und rettet ihnen damit das Leben.

Szenen, die von diesem hervorragend besetzten Film in Erinnerung bleiben, sind Dr. Hecks aufdringliche Versuche, Antonia für sich zu gewinnen, Jans Enttäuschung über Antonia und Hecks unbändiger Zorn, als er erkennt, dass er betrogen wurde, Antonia einsperrt und sie im Glauben lässt, ihren einzigen Sohn erschossen zu haben. Jüdische Menschen, die sich im Keller der Żabińskis verstecken und nachts aus ihrem Versteck kommen. Antonia, die laut Klavier spielt, wenn Gefahr droht und die Juden im Keller still sein müssen. Ein jüdisches Mädchen, das nach einer Vergewaltigung schwer traumatisiert bei den Żabińskis unterkommt. Menschen, die in Waggons geschoben werden mit dem Ziel KZ. Und über allem eine mutige, entschlossene und kluge Frau, die mit weiblicher Intuition immer wieder menschliche Entscheidungen trifft, die tiefen Respekt verdienen.

 

Aufschlussreicher Einblick in Deutschlands Moscheen

Schreiber, Konstantin: Inside Islam. Was in Deutschlands Moscheen gepredigt wird. – Econ Verlag, 2017. – 253 Seiten

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Gleich vorneweg: ich halte den Titel für etwas unglücklich gewählt. Tagesschau-Moderator Joachim Schreiber, der fließend Arabisch, aber kein Türkisch spricht, hat in acht Monaten dreizehn willkürlich ausgesuchte türkisch-und arabischsprachige Moscheegemeinden in Deutschland besucht, die Freitagspredigten angehört und versucht, sich mit den Imamen darüber zu unterhalten (was oftmals aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse oder aus anderen Gründen nicht gelang) und diese Erfahrungen dokumentiert. Insofern hat Schreiber „Inside Moscheen“ geblickt. Dreizehn nicht repräsentative Moscheen ergeben dennoch ein Bild vom religiösen Leben der muslimischen Mitbürger, die die Freitagsgebete aufsuchen. Sie geben ein Bild von der Zusammensetzung der Altersstruktur ihrer Besucher, der Vielfalt der Moscheen und Strömungen des Islam, Momentaufnahmen der wörtlich und professionell übersetzten ungekürzten Freitagspredigten und eine Einschätzung von Islamwissenschaftlern. Es sind Predigten, von denen die meisten Deutschen nichts verstehen, weil sie in anderen Sprachen gehalten werden.

Schreiber ist viel Kritik entgegengebracht worden, aber auch Dank von Muslimen, die seine Erfahrungen teilen. Vielleicht erwartet er zu viel positive Wertschätzung von den Imamen für die westliche Gesellschaft und gleicht diese mit seinen Erwartungen ab. Am Ende ist er ernüchtert über wenig Kooperationsbereitschaft, mangelnde Sprachkenntnisse der Imame und ausliegende Schriften, die offen westliche Werte verunglimpfen. Überraschend ist außerdem die Tatsache, dass kein Ministerium und auch sonst keine Institution in Deutschland einen annähernden Überblick über die Anzahl und Zugehörigkeit der in Deutschland lebenden Muslime und die Anzahl und Art und Orte der Moscheegemeinden haben.

Die Auseinandersetzung mit einer anderen Religion und Kultur in ihrer gelebten Vielfalt muss respektvoll, differenziert und auf Augenhöhe erfolgen. Ein genaues Hinsehen und möglichst neutrales journalistisches Dokumentieren gehört in einer Demokratie dazu. Insofern ist diese Reportage kein reiner Lesegenuss, denn die theologischen Auslegungen sind für Andersgläubige (und nicht für Ungläubige, wie oftmals in den Predigten zitiert), oft wenig nachvollziehbar, teilweise ermüdend, teilweise ohne islamisch-theologische Hintergrundinformationen nicht verständlich. Trotzdem: Bücher wie diese sind wichtig, um zu verstehen, was und wie vielfältig in Deutschlands Moscheen gepredigt wird. Jeder soll sich anhand dieser Auswahl selbst ein Bild machen können. Nicht mehr soll dieses Buch vermitteln, aber eben auch nicht weniger. Alles, was zur Normalität im Umgang mit dem Islam beiträgt, ist geeignet, den Vorwurf der Parallelkultur zu entkräften. Dafür ist die demokratische Gesellschaft auf Kooperation mit den führenden Vertretern dieser Religion angewiesen. In Schreibers Buch war das selten der Fall. Falsch verstandene Toleranz gegenüber antidemokratischen Aussagen gegen die Lebensweise der „Ungläubigen“ oder Harmoniebestrebungen führen eher dazu, Gräben zu vertiefen statt sie zu überwinden. Wenn das Buch zu einem konstruktiven Dialog beiträgt über die Erwartungen und Wünsche zur Integration der Menschen, die in Deutschland eine zweite Heimat gefunden haben, wäre sein Sinn erfüllt.

Tanja Schleyerbach

 

Jumpologie!

Halsman, Philippe: Jump Book.  Zürich: Midas Collection 2017. – 96 Seiten

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3, 2, 1... Jump! Der amerikanische Porträtfotograf Philippe Halsman löste 1959 eine regelrechte Sprungbewegung aus. Er fotografierte Stars wie Marilyn Monroe und Grace Kelly, Audrey Hepburn und Salvador Dalí enthemmt und natürlich wie nie – in der Luft. Als Fotograf setzte Halsman auf diesen Trick, um hinter die Fassade der Prominenten zu blicken. Er ließ sie während der Fotosessions einfach hochspringen. Seine Begründung lautete: Mit der Energie, die sie für den Sprung in die Luft aufwendeten, würden sie unverkrampfter wirken. Arme, Beine, Hände und Füße, der ganze Körper wurden so auf den Fotografien zu  ganz ungewöhnlichen Kommunikationsmitteln. Augenzwinkernd machte der Fotograf daraus die Wissenschaft der „Jumpology“.  
Mit Freude hoben bald immer mehr berühmte Menschen ab: Dean Martin und Jerry Lewis, Robert Oppenheimer, Richard Nixon und viele, viele andere. Dieses Fotobuch von 1959 wurde nun in einer Faksimileausgabe neu herausgebracht. Einzigartige, witzige, energiegeladene schwarzweiße Momentaufnahmen von Schauspielern, Politikern, Wissenschaftlern, Sportlern, Unternehmern und Künstlern.

Andrea Däuwel-Bernd