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Die Hoffnung auf Überleben

Romane und Erzählungen über das Kriegsende 1945

Ob in den Städten oder auf dem Land: Als der Zweite Weltkrieg dem Ende zu ging, blieb die Hoffnung auf Überleben. Das Kriegsende ist in der Erinnerung auch 75 Jahre danach eine dramatische und traumatisierende Zeit.

Auserwählte Medientipps von Andrea Däuwel-Bernd:

        
 

 

75 Jahre Kriegsende in Reutlingen

Sachbücher über das Kriegsende 1945 in Reutlingen

Zerstörte Häuser, brennende Gebäude und Straßenzüge, die restlos dem Erdboden gleichgemacht wurden, zeigen Reutlinger Stadtfotografien aus dem Jahr 1945.
Der Zweite Weltkrieg ging dem Ende zu, und die militärische Niederlage Deutschlands zeichnete sich ab, als im März 1944 und im Januar 1945 auch auf Reutlingen Bomben fielen. Die Stadt lag in Trümmern, die Front rückte näher, und französische Truppen marschierten am 20. April 1945 ein. Eine neue Zeit begann, und aus Reutlingen gibt es Dokumente, Berichte und literarische Formen, die Geschichten von Schuld, Leid und Lebenswillen erzählen.

Auserwählte Medientipps von Andrea Däuwel-Bernd:

       

 

Die gesamte Literaturliste zum Thema Kriegsende 1945 im Katalog der Stadtbibliothek Reutlingen finden Sie hier:

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Die Hoffnung auf Überleben

Romane und Erzählungen über das Kriegsende 1945

 

Jensen, Michael: Totenland. Ein Jens-Druwe-Roman. – Berlin: Aufbau Verlag, 2019. – 392 Seiten

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Ende April 1945, zehn Tage vor Kriegsende, wird Polizeiinspektor Jens Druwe von der Polizei in Glücksburg/Ostsee benachrichtigt, dass in einem Dorf ein NS-Parteiführer ermordet wurde. Seine Vorgesetzten wollen den ersten Verdächtigen, einen entflohenen Häftling, aburteilen. Aber was Druwe mit seinen Ermittlungen aufdeckt, gibt dem Fall eine neue Wendung. Eine rasante Mördersuche in Tagen, in denen das öffentliche Leben vollends zusammengebrochen ist. Ein dramatischer Krimi mit düsterem Zeitkolorit.

 

 

Borée, Karl Friedrich: Frühling 45. Chronik einer Familie. Roman. – Düsseldorf: Lilienfeld Verlag, 2017. – 460 Seiten

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Inmitten des Unglücks ist es ein Glücksfall: Der Ich-Erzähler kann im Februar 1945 mit seiner Frau und seiner erwachsenen Tochter in eine leer stehende Villa am Rande Berlins ziehen. Hier sind sie sicherer als in der Stadt, wo der Bombenhagel alles zerstört und die alliierten Truppen näher rücken. Eindrücklich wird das Leben einer kleinen Gemeinschaft geschildert. Nicht nur Todesangst, Zerstörung, Hunger und das ängstlich erwartete Eintreffen der Sieger kennzeichnen die letzten Kriegstage, sondern auch optimistische Planungen für eine Zukunft und ganz persönliche Sehnsüchte. Dann kommt der Frieden und bringt eigene Gefahren mit sich. Neuausgabe eines 1954 veröffentlichten autobiografischen Romans.

 

 

Klaußner, Burghart: Vor dem Anfang. Roman. – Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2018. – 172 Seiten

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Kurz vor der Kapitulation 1945 sollen die Soldaten Fritz und Schultze eine Geldkassette im Luftfahrtministerium in Berlin-Mitte abliefern. Bisher haben sie es geschafft zu überleben, indem sie den Kopf unten hielten. Doch jetzt sind sie mitten drin im Häuserkampf und sehnen sich doch nur nach Frieden. Die Geschichte einer unfreiwilligen Schicksalsgemeinschaft zweier Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber plötzlich aufeinander angewiesen sind – auf Gedeih und Verderb. Warmherzig und humorvoll geschildert.

 

 

Morvan, Jean-David / Savoia, Sylvain: Cartier-Bresson. Deutschland 1945. – Wien: Bahoe Books, 2020. – 140 Seiten

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Die Alliierten befreien die Konzentrationslager und die Weltöffentlichkeit erfährt von den nationalsozialistischen Gräueln. Der Fotograf Henri Cartier-Bresson ist vor Ort und verewigt diese Momente. Eindrücklich schildert die Graphic Novel die Erlebnisse des weltberühmten Künstlers, der nach dem Krieg zusammen mit Robert Capa die New Yorker Fotoagentur Magnum gründete.

 

 

Schroeder, Bernd: Warten auf Goebbels. – Roman. München: Hanser, 2017. – 235 Seiten

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Anfang 1945. In einem kleinen Dorf im Brandenburgischen dreht die Ufa im Auftrag des Propagandaministerium von Joseph Goebbels einen Film. Während die Welt untergeht, wird der glückliche Ausgang des Krieges in Szene gesetzt. Ein groteskes Endspiel mit berühmten Schauspielern, ehrgeizigen Statisten und diktatorischen Regisseuren.

 

 

Rein, Heinz: Finale Berlin. Roman. – Frankfurt am Main: Schöffling, 2015. – 758 Seiten

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Berlin, April 1945. Joachim Lassehn ist von der Ostfront desertiert und kann in einer Kneipe in Berlin untertauchen. Sie dient als Treffpunkt für eine kleine Gruppe von Widerstandskämpfern. Inmitten des Chaos kämpfen sie alle ums Überleben. In diesem Roman, einem der ersten Bestseller der Nachkriegszeit, verfolgt der Autor das Schicksal einer kleinen Widerstandsgruppe und lässt die Atmosphäre im untergehenden Nazi-Reich erstehen.

 

 

Surminski, Arno: Als der Krieg zu Ende ging. Erzählungen. – Hamburg: Ellert & Richter, 2015. – 208 Seiten

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Arno Surminski interessierte sich schon immer für das Schicksal Einzelner und erzählt Geschichten mit einem wahren Kern. Ein Briefträger bringt Gefallenenmeldungen in die Dörfer, eine Engländerin fährt ins Rheinland auf der Suche nach dem Wrack eines Bombers, mit dem ihr Vater abgestürzt ist, ein alter Mann besucht das Dorf, das er 1945 verlassen musste. In seinen Geschichten thematisiert Surminski nicht nur das Kriegsende, sondern auch die Jahre danach.

 

 

Städte 1945. Berichte und Bekenntnisse. Hrsg. von Ingeborg Drewitz. – Düsseldorf: Diederichs, 1970. – 206 Seiten

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Ein echter Schatz aus unserem Magazin: Namhafte deutsche Autor/innen der Nachkriegszeit, die den Zusammenbruch des Dritten Reiches erlebt hatten, setzten sich in den siebziger Jahren mit dem Kriegsende 1945 in deutschen Städten auseinander. Die lesenswerte Anthologie versammelt Gedichte, Erzählungen und Erinnerungen von Autor/innen wie Günter Kunert, Ingeborg Drewitz, Eva Zeller, Peter Huchel, Max von der Grün, Hilde Domin, Thaddäus Troll und Peter Härtling.
Vielseitig, persönlich und unbedingt lesenswert.

 

 

Und zum Schluss noch ein Spielfilm:

Maikäfer, flieg! Regie: Mirjam Unger. – Darsteller: Zita Gaier, Ursula Strauss, Gerald Votava und weitere. – Nach dem Roman von Christine Nöstlinger. – W-film, 2017. – DVD (105 Minuten)

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Ein neunjähriges Mädchen erlebt das chaotische Kriegsende in Wien 1945, als es mit Mutter und älterer Schwester vor dem Bombenhagel in eine Villa am Stadtrand flüchtet, die von einem Trupp einmarschierender Russen besetzt wird. Nach einem autobiografischen Roman von Christine Nöstlinger entstand ein intensiver Jugendfilm, der ohne beschönigende Rücksichtnahme, aber mit tiefer Menschlichkeit ein temperament- und hoffnungsvolles Zeitbild entfaltet. (© FILMDIENST)

 

 

75 Jahre Kriegsende in Reutlingen

Sachbücher über das Kriegsende 1945 in Reutlingen


Zwei ausführliche Sachbücher legen Grundsteine zum Verständnis der Zeit

Reutlingen 1930 – 1950: Nationalsozialismus und Nachkriegszeit

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Zwei ausführliche Sachbücher legen Grundsteine zum Verständnis der Zeit. Der Ausstellungskatalog „Reutlingen 1930 – 1950: Nationalsozialismus und Nachkriegszeit“, der anlässlich des 50. Jahrestages des Kriegsendes 1995 erschienen ist, umfasst in ausführlichen Aufsätzen auch die Zeit des politischen und gesellschaftlichen Neubeginns.

 

Schicksale 1945: Das Ende des II. Weltkrieges im Kreis Reutlingen

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Das detailreiche Buch von Gerhard Junger „Schicksale 1945: Das Ende des II. Weltkrieges im Kreis Reutlingen“ schildert die ersten Tage nach der Kapitulation, die noch einmal Zerstörung und Gewalt brachten, und die ersten sechs Monate in der Stadt und im Kreis Reutlingen unter französischer Besatzungsmacht. Der Fokus liegt hier auf den Fragen, welches Deutschlandbild die französische Besatzungsmacht hatte und welches Verhältnis zwischen den Franzosen und der deutschen

 

 

Südwestdeutschland Stunde Null

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Die Geschichte der französischen Besatzungszone 1945 bis 1948 ist auch Thema des Text- und Bildbandes von Jochen Thies und Kurt von Daak „Südwestdeutschland Stunde Null“. Obwohl auf Anordnung der Militärregierung alle Fotoapparate in der französischen Besatzungszone abgegeben werden mussten, ist doch eine erstaunliche Menge an Bildmaterial erhalten.

 

 

Reutlingen am Wiederaufbau

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Die Broschüre „Reutlingen am Wiederaufbau“ gibt Aufschluss über die ersten Monate nach Kriegsende und ist Titel des Rechenschaftsberichts des Oberbürgermeisters Oskar Kalbfell in der ersten öffentlichen Sitzung des Gemeinderat-Komitees. Schon gleich am 21. April hatte dieses Komitee die Arbeit aufgenommen, und neun Monate später berichtete OB Kalbfell über Transportprobleme, Kriegsschäden, Entnazifizierung, politische Haftlager und soziale Fürsorge für die Bevölkerung. Die Broschüre ist ein wichtiges Zeitzeugnis. Nicht nur die alltäglichen Versorgungsprobleme werden behandelt, sondern auch die Planung für den Wiederaufbau der Stadt, für den bereits konkrete Pläne existierten.

 

 

Reutlingen vor vierzig Jahren. Das bittere Ende des 2. Weltkrieges in Reutlingen

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Anlässlich des 40. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs gab es am 8. Mai 1985 eine Gedenkstunde im Spitalhof. Mit einer Gedenkschrift „Reutlingen vor vierzig Jahren. Das bittere Ende des 2. Weltkrieges in Reutlingen“ wurde mit einer Bildauswahl und dem Abdruck der Reden zum 8. Mai der Opfer der Zerstörungen und Luftangriffe auf Reutlingen gedacht. Die Gedenkschrift enthält außerdem eine Zusammenfassung der Ereignisse der letzten Kriegsmonate. Die Bilanz des Zweiten Weltkrieges war für Reutlingen leidvoll: 474 Todesopfer durch Luftangriffe, 1800 gefallene Soldaten, 3000 Kriegsgefangene und -vermisste, die Bevölkerungszahl hatte sich von 40.000 auf 32.000 Einwohner verringert.

 

 

Die Tage nahmen ja zu

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Und zum Schluss noch etwas Autobiographisches. „Die Tage nahmen ja zu“ von Katharina Franz. Es sind die Erinnerungen an das Jahr 1945 in einem kleinen Dorf in der Nähe von Tübingen, wo die Verfasserin als Pfarrersfrau lebte. Die letzten Kämpfe, das Einrücken der französischen Besatzer, die verzweifelten Versuche, die Ausnahmesituation zu bewältigen, schildert sie aus ganz persönlicher Sichtweise. „Man sollte die Erfahrungen nicht versinken lassen, die darin bestehen, mit angesehen zu haben und am eigenen Leib gespürt zu haben, wie das ist, wenn die großen Kriege in den kleinen Dörfern hausen, wie die kleinen Leute in den großen Zeiten des Wahnwitzes ihre Lektion erteilt bekommen, die sie so gern wieder vergessen…“

 

Ergänzende Lesetipps:

Jähner, Harald: Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945-1955. – Berlin: Rowohlt, 2019. – 474 Seiten

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Kriegsende in Deutschland. Lektorat und Bildred.: Annette Krüger. – Hamburg: Ellert & Richter, 2015. – 256 Seiten, zahlr. Ill.

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